Ös­ter­reich auf Kurs nach rechts

FPÖ könn­te der nächs­ten Re­gie­rung an­ge­hö­ren

Der Tagesspiegel - - POLITIK -

Wi­en - Ein „Wei­ter so“soll es nach der Par­la­ments­wahl am Sonn­tag in Ös­ter­reich nicht ge­ben. Das fin­den die meis­ten Wäh­ler eben­so wie die Par­tei­en der gro­ßen Ko­ali­ti­on, die ein­an­der nach zehn ge­mein­sa­men Re­gie­rungs­jah­ren gründ­lich satt ha­ben. Die künf­ti­ge Ko­ali­ti­on könn­te jün­ger sein als die bis­he­ri­ge, rechts­ge­rich­tet – und viel schwie­ri­ger im Um­gang für die EU und den gro­ßen Nach­barn Deutsch­land.

Kein Po­li­ti­ker il­lus­triert den er­war­te­ten Um­bruch im ös­ter­rei­chi­schen Po­li­tik­ge­fü­ge bes­ser als der kon­ser­va­ti­ve Spit­zen­kan­di­dat Se­bas­ti­an Kurz, der mit 31 Jah­ren als jüngs­ter Bun­des­kanz­ler al­ler Zei­ten ins Kanz­ler­amt am Wie­ner Ball­haus­platz ein­zie­hen könn­te. Sei­ne ÖVP kann Um­fra­gen zu­fol­ge mit mehr als 30 Pro­zent die stärks­te Kraft wer­den. Kurz scheint es mit ei­nem kon­se­quen­ten Rechts­kurs am bes­ten ge­lun­gen zu sein, aus der po­li­ti­schen Stim­mung vie­ler Wäh­ler Ka­pi­tal zu schla­gen – aus dem Ver­druss über die ewi­ge gro­ße Ko­ali­ti­on, der

Angst vor Im­mi­gra­ti­on, dem Un­be­ha­gen ge­gen­über dem

Is­lam.

Die so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche SPÖ von

Bun­des­kanz­ler

Chris­ti­an Kern kann froh sein, wenn sie bei der Wahl vor der rechts­po­pu­lis­ti­schen FPÖ auf Platz zwei kommt – ei­ne Schmach für die Par­tei, die in Ös­ter­reich seit 1970 mit ei­ner sie­ben­jäh­ri­gen Un­ter­bre­chung stän­dig den Kanz­ler stell­te. Im Wahl­kamp­fend­spurt hat­te Kern mit Skan­da­len zu kämp­fen: Pein­li­che Ent­hül­lun­gen über die schmut­zi­gen Tricks ei­nes SPÖ-Wahl­kampf­be­ra­ters ge­gen Kurz brach­ten ihn zu­sätz­lich in die De­fen­si­ve.

Die FPÖ hofft auf den zwei­ten Platz, sie kann Um­fra­gen zu­fol­ge un­ter ih­rem stramm rech­ten Vor­sit­zen­den Hein­zChris­ti­an Stra­che mit rund 25 Pro­zent der Stim­men rech­nen. Nach mehr als zehn Jah­ren Op­po­si­ti­on will sie wie­der in die Re­gie­rung. FPÖ-Chef Stra­che wirbt mit ei­nem har­ten Kurs: kei­ne So­zi­al­leis­tun­gen mehr für Aus­län­der, zeit­li­che Be­fris­tung der Ver­ga­be von Asyl, Bei­tritt Ös­ter­reichs zur Vi­se­grad-Grup­pe ost­eu­ro­päi­scher Staa­ten, die sich of­fen ge­gen die Flücht­lings­po­li­tik der EU stellt.

Vie­le Be­ob­ach­ter hal­ten ei­ne Rechts­ko­ali­ti­on von ÖVP und FPÖ un­ter Füh­rung von Kurz für das wahr­schein­lichs­te Er­geb­nis, auch wenn Kurz ei­ne Ko­ali­ti­ons­aus­sa­ge ver­mie­den hat. Bei­de Par­tei­en ha­ben ähn­li­che Zie­le und un­ter­schei­den sich oft nur in der Wort­wahl. Im Jahr 2000 hat­te die ÖVP ei­ne Ko­ali­ti­on mit der FPÖ ge­wagt und da­mit in Eu­ro­pa hef­ti­ge Re­ak­tio­nen aus­ge­löst. AFP

Kurz kann der jüngs­te Kanz­ler der Ge­schich­te wer­den

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