Heinz- Chris­ti­an Stra­che

Der Tagesspiegel - - MEINUNG - FPÖ-Chef

Mit dem könn­te ein stramm­rech­ter Po­li­ti­ker ins ös­ter­rei­chi­sche Ka­bi­nett ein­zie­hen

Wie weit die ös­ter­rei­chi­sche Par­tei­en­land­schaft vor der am Sonn­tag an­ste­hen­den Na­tio­nal­rats­wahl nach rechts ge­rückt ist, er­kennt man am bes­ten, wenn man ins Jahr 2000 zu­rück­blen­det. In ei­ner kon­zer­tier­ten Ak­ti­on ver­hin­der­ten da­mals 14 EU-Staats- und Re­gie­rungs­chefs, dass der Rechts­po­pu­list und da­ma­li­ge FPÖ-Chef Jörg Hai­der Mi­nis­ter der ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­re­gie­rung wird. Nicht ver­hin­dern ließ sich, dass die Ös­ter­rei­chi­sche Volks­par­tei da­mals ei­ne Ko­ali­ti­on mit den Blau­en von der FPÖ ein­ging.

17 Jah­re spä­ter er­regt es da­ge­gen in der Al­pen­re­pu­blik kaum noch Auf­se­hen, dass Heinz-Chris­ti­an Stra­che, der Spit­zen­kan­di­dat der FPÖ, mit ho­her Wahr­schein­lich­keit als In­nen­mi­nis­ter und Vi­ze­kanz­ler ins neue Ka­bi­nett ein­zieht. Denn we­der die kon­ser­va­ti­ve ÖVP noch die so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche SPÖ schlie­ßen ein Bünd­nis mit den Frei­heit­li­chen aus.

Da­bei wä­re der stramm­rech­te Stra­che eu­ro­pa­weit der ers­te Po­li­ti­ker mit Ver­gan­gen­heit im Neo­na­zi-Mi­lieu, der ei­nen Mi­nis­ter­pos­ten be­klei­det. Dass sei­ne Kon­tak­te ins deut­sche rechts­ra­di­ka­le Mi­lieu in den 80er und 90er Jah­ren kei­ne Ju­gend­sün­den ei­nes Ori­en­tie­rungs­lo­sen wa­ren, wie Stra­che es ger­ne dar­stellt, hat ge­ra­de die „Süd­deut­sche Zei­tung“mit­hil­fe von Au­gen­zeu­gen und Er­kennt­nis­sen deut­scher Si­cher­heits­be­hör­den nach­ge­wie­sen.

Als der ge­lern­te Zahn­tech­ni­ker die FPÖ 2005 über­nahm, lag die Par­tei nach ei­ner Rei­he von Skan­da­len, In­tri­gen und Aus­trit­ten am Bo­den. Spä­tes­tens als Hai­der mit ei­ni­gen Ge­treu­en die neue Par­tei Bünd­nis Zu­kunft Ös­ter­reich grün­de­te, hat­ten vie­le die Frei­heit­li­chen schon ab­ge­schrie­ben. Aber Stra­che ist es ge­lun­gen, ei­ne EU-skep­ti­sche, mi­gra­ti­ons­feind­li­che, an­ti­is­la­mi­sche Be­we­gung zu for­men. Bes­tens ver­netzt mit an­de­ren Rechts­po­pu­lis­ten in Eu­ro­pa wie Ma­ri­ne Le Pen, Geert Wil­ders und Frau­ke Pe­try, ist die FPÖ un­ter Stra­che wie­der zur zweit­stärks­ten po­li­ti­schen Kraft in Ös­ter­reich ge­wach­sen, die am Sonn­tag mit 25 Pro­zent der Stim­men rech­nen kann.

Der Wahl­kampf der FPÖ ist sub­ti­ler ge­wor­den. Gab es zu Be­ginn von Stra­ches Par­tei­vor­sitz noch den Slo­gan „Da­ham statt Is­lam“, lau­tet das Mot­to des Wahl­kampfs in die­sem Jahr „Ös­ter­rei­cher ver­die­nen Fair­ness“. Bei sei­nen An­hän­gern punk­tet er vor al­lem mit dem The­ma Mi­gra­ti­on oder wenn er An­ge­la Mer­kel we­gen ih­rer Flücht­lings­po­li­tik als „ge­fähr­lichs­te Frau Eu­ro­pas“be­zeich­net.

Fo­to: Reu­ters/Le­on­hard Fo­e­ger

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