Deut­scher Luft­fahrt­meis­ter

Luft­han­sa- Chef Cars­ten Sp­ohr tri­um­phiert nach dem Air-Ber­lin-De­al – und setzt Wett­be­wer­ber Rya­nair zu

Der Tagesspiegel - - WIRTSCHAFT - Von Rolf Obertreis

Ge­win­ner und Ver­lie­rer des Nie­der­gangs ei­ner gro­ßen Flug­ge­sell­schaft

- Für die Luft­han­sa ist es ein Coup. Vor­stands­chef Cars­ten Sp­ohr hat mit der Un­ter­schrift un­ter den Kauf­ver­trag für gro­ße Tei­le der in­sol­ven­ten Air Ber­lin die oh­ne­hin schon star­ke Luft­han­sa noch stär­ker ge­macht. Für Sp­ohr per­sön­lich ist es der vor­läu­fi­ge Hö­he­punkt sei­ner Ar­beit an der Spit­ze der größ­ten deut­schen Air­line. Und das in ei­ner Si­tua­ti­on, in der der 50-Jäh­ri­ge das Un­ter­neh­men oh­ne­hin schon ein gro­ßes Stück nach vor­ne ge­bracht hat.

2017 wird die Luft­han­sa das drit­te Er­folgs­jahr in Fol­ge ver­bu­chen, nach­dem sie im ers­ten Halb­jahr be­reits ei­nen Be­triebs­ge­winn von rund ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro ein­ge­flo­gen hat. 2016 hat­te der Dax-Kon­zern ei­nen Net­to-Ge­winn von 1,8 Mil­li­ar­den Eu­ro ver­bucht. Der Kurs der Luft­han­sa-Ak­tie steht so hoch wie seit fast 17 Jah­ren nicht mehr und ein Drit­tel hö­her als beim Amts­an­tritt von Sp­ohr im Mai 2014.

Viel falsch ge­macht hat der im Ruhr­ge­biet ge­bo­re­ne In­ge­nieur und Pi­lot, der sein ge­sam­tes Be­rufs­le­ben bei der Luft­han­sa ver­bracht hat, als Kon­zern­chef nicht. Auch wenn das in der ers­ten Zeit im Amt al­les an­de­re als klar war. Da­zu muss­te Cars­ten Sp­ohr die schwie­ri­ge Zeit nach dem Ab­sturz der Ger­m­anwings-Ma­schi­ne im März 2015 mit 150 To­ten be­wäl­ti­gen. Dies ge­lang ihm nach An­sicht von Be­ob­ach­tern in an­ge­mes­se­ner Form und in an­ge­mes­se­nem Ton.

Scharf kri­ti­siert wur­de Sp­ohr von Flug­be­glei­tern und Pi­lo­ten, Ge­werk­schaf­ten und Be­triebs­rä­ten als er mit Ver­weis auf die schar­fe Kon­kur­renz der Bil­lig­flie­ger und der Flug­ge­sell­schaf­ten vom ara­bi­schen Golf Spar­pro­gram­me ein­führ­te. Aber der ge­lern­te Air­bus-Pi­lot blieb hart­nä­ckig und ließ sich auch durch zahl­rei­che Streiks vor al­lem der mehr als 5000 Pi­lo­tin­nen und Pi­lo­ten so­wie von Flug­be­glei­te­rin­nen und Flug­be­glei­tern nicht be­ir­ren. Ob­wohl auch da­durch der Ak­ti­en­kurs zeit­wei­se auf we­ni­ger als zehn Eu­ro ab­sack­te. Heu­te steht er bei 25 Eu­ro.

Cars­ten Sp­ohr sorg­te un­ter an­de­rem auch ge­gen Wi­der­stän­de für den Auf­bau der Luft­han­sa-Bil­lig­toch­ter Eu­ro­wings. Auch hier setz­te er sich am En­de mit Ge­schick durch. Mit al­len Ge­werk­schaf­ten ver­ein­bar­te der Luft­han­sa-Chef zu­kunfts­fä­hi­ge und lang­fris­ti­ge Ta­rif­ver­trä­ge, zu­letzt mit den Pi­lo­ten. De­nen ge­steht die Air­line bis zum Jahr 2022 Ge­halts­er­hö­hun­gen von rund zehn Pro­zent zu. Im Ge­gen­zug muss­ten sie Ein­schnit­te bei der Über­gangs- und Al­ters­vor­sor­ge hin­neh­men. Was Luft­han­sa wie­der­um Spiel­raum er­öff­net, 700 Pi­lo­ten neu ein­zu­stel­len. Un­ter­zeich­net wur­den die um­strit­te­nen Ver­trä­ge erst An­fang der Wo­che.

Stra­te­gisch hat Sp­ohr den Kon­zern bes­ser auf­ge­stellt. Zum Bei­spiel in in­ter­na­tio­na­len Al­li­an­zen mit Air­lines aus Nord­ame­ri­ka und Asi­en oder mit der im De­zem­ber 2016 über­ra­schend ver­ein­bar­ten Zu­sam­men­ar­beit mit Eti­had, ei­nem wich- ti­gen Kon­kur­ren­ten vom ara­bi­schen Golf und da­mals noch größ­ten Geld­ge­ber von Air Ber­lin. Die­ser Schritt zeig­te Sp­ohrs Weit­blick. Er zahlt sich jetzt mit dem Kauf von gro­ßen Tei­len der bis­lang zweit­größ­ten deut­schen Air­line aus.

100 Luft­han­sa-Ex­per­ten ha­ben in der Zen­tra­le in Frank­furt an dem Pro­jekt ge­ar­bei­tet und ar­bei­ten im­mer noch dar­an. Mit der Über­nah­me von 81 der rund 130 Ma­schi­nen von Air Ber­lin und von 3000 Be­schäf­tig­ten des in­sol­ven­ten Kon­kur­ren­ten stärkt Sp­ohr nicht nur die Luft­han­sa. Er schlägt auch dem stärks­ten Kon­kur­ren­ten in Eu­ro­pa, dem iri­schen Bil­lig­flie­ger Rya­nair, ein Schnipp­chen. Wo­bei ihm hilft, dass die Iren durch zahl­rei­che Flug­strei­chun­gen selbst für ein De­sas­ter sor­gen. Sp­ohr sti­chel­te am Don­ners­tag bei sei­nem Auf­tritt im Ber­lin Ca­pi­tal Club mehr­fach ge­gen „sei­ne iri­schen Freun­de“, als er die Über­nah­me von Air Ber­lin be­kannt­gab.

200 Mil­lio­nen Eu­ro soll die­se kos­ten, 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro will die Luft­han­sa für die In­te­gra­ti­on der Air-Ber­lin-Tei­le und der 3000 Flug­be­glei­ter und Pi­lo­ten aus­ge­ben. Au­ßer­dem will sich Sp­ohr um Air-Ber­lin-Pas­sa­gie­re küm­mern, die im Aus­land ge­stran­det sind, weil ihr Rück­flug nicht mehr statt­fin­det. Zu ei­nem fai­ren Preis sol­len sie mit Luft­han­sa- oder Eu­ro­wings-Ma­schi­nen heim­flie­gen kön­nen, heißt es.

Noch steht der Ver­trag un­ter dem Vor­be­halt der für Kar­tell­fra­gen zu­stän­di­gen EU-Kom­mis­si­on. Sp­ohr sieht kei­ne Pro­ble­me und weist den Vor­wurf ein Mo­no­pol zu bil­den zu­rück. Der Markt­an­teil von Luft­han­sa in Eu­ro­pa lie­ge nach der Über­nah­me der Air-Ber­lin-Tei­le bei 14 Pro­zent – Rya­nair kom­me auf 13 Pro­zent – welt­weit sei­en es drei Pro­zent. Der Luft­han­sa-Chef rech­net auch nicht mit stei­gen­den Prei­sen, der Wett­be­werb blei­be trotz des Aus­schei­dens von Air Ber­lin, Alita­lia (an der Luft­han­sa auch In­ter­es­se hat) und der bri­ti­schen Mon­arch hart und wer­de sich so­gar wei­ter ver­schär­fen. Am Don­ners­tag frei­lich sah Sp­ohr erst ein­mal An­lass ein we­nig zu fei­ern. „Wir se­hen heu­te ei­nen ech­ten Mei­len­stein in der Ge­schich­te der Luft­han­sa“, sag­te er. In Ber­lin, wo die Flug­ge­sell­schaft vor 91 Jah­ren ge­grün­det wur­de. mit kph

Fo­to: Da­vids/Dirk La­es­sig

Gut La­chen. Cars­ten Sp­ohr ver­kün­de­te am Don­ners­tag­mor­gen vor rund 100 Gäs­ten des Ber­lin Ca­pi­tal Clubs am Gen­dar­men­markt die Nach­richt von der Über­nah­me der hal­ben Air-Ber­lin-Flot­te. An­schlie­ßend ging er zum No­tar.

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