Kein Platz für Brum­mis

In Deutsch­land feh­len 31 000 Lkw-Park­plät­ze – es gibt auch ein­fa­che Lö­sun­gen ge­gen den Ver­kehrs­kol­laps

Der Tagesspiegel - - WIRTSCHAFT - Von Hen­rik Mort­sie­fer

Ber­lin - Ei­ne Au­to­bahn­fahrt von Ber­lin nach Frank­furt (Oder), ins Ruhr­ge­biet oder in den Sü­den zeigt: Kaum ein Rast­platz, auf dem sich nicht par­ken­de Lkw drän­gen. Häu­fig reicht die Ko­lon­ne der Las­ter bis auf den Stand­strei­fen oder in an­gren­zen­de Grün­flä­chen. Es wird eng für die Tru­cker, die Pau­sen ein­hal­ten müs­sen, und ih­re Ar­beit­ge­ber, die Trans­port­fir­men. Zu eng, wie neue Ana­ly­sen zei­gen.

So kam ei­ne Aus­wer­tung der Ver­ei­ni­gung Deut­scher Au­toh­ö­fe (Ve­da) kürz­lich zu dem Er­geb­nis, dass im Tran­sit­land Deutsch­land mehr als 31 000 Lkw-Park­plät­ze feh­len – Ten­denz stei­gend. Doch die Mög­lich­kei­ten, Plät­ze zu bau­en, sind be­grenzt, Ge­neh­mi­gun­gen sind nur noch schwer zu be­kom­men. Bund und Län­der rich­ten zwar jähr­lich nach An­ga­ben der Ve­da bis zu 1500 neue Lkw-Park­plät­ze ein. Doch das reicht an­ge­sichts des ra­sant stei­gen­den Gü­ter­ver­kehrs auf der Stra­ße nicht. Und: Die von den Län­dern zu tra­gen­den Bau­kos­ten stei­gen. Schon heu­te fal­len bis zu 80 000 Eu­ro pro Park­platz an.

Am Frei­tag prä­sen­tier­te die Uni­ver­si­tät Duis­burg-Es­sen zu­sam­men mit der IHK Nie­der­rhein ei­ne Stu­die, die We­ge aus dem Ver­kehrs­kol­laps auf­zei­gen soll. Ähn­lich wie die Re­gi­on Ber­lin-Bran­den­burg lei­den die grenz­na­hen Kom­mu­nen in Nord­rhein-West­fa­len un­ter dem „ru­hen­den Ver­kehr“aus dem Nach­bar­land. Weil in den Nie­der­lan­den Park­ver­stö­ße seit ei­ni­gen Jah­ren streng be­straft wer­den, such­ten sich Lkw-Fah­rer, die ih­re Ru­he­zei­ten ein­hal­ten müss­ten, „lie­ber ei­nen Park­platz in Deutsch­land“, wie Sa­bi­ne Jür­schik, IHK-Pro­jekt­lei­te­rin, er­klär­te. Im Schnitt, so die Stu­die, ver­brin­ge je­der Lkw mehr als die Hälf­te des Tages auf Park- und Rast­plät­zen. Mit zum Teil ein­fa­chen Lö­sun­gen las­sen sich in Stoß­zei­ten die größ­ten Park­platz-Eng­päs­se ver­mei­den, glau­ben die Au­to­ren.

So könn­ten Lkw-Fah­rer mit Hin­weis­schil­dern an Hä­fen oder gro­ßen Ge­wer­be- und Lo­gis­tik­parks oder mit Park­leit­sys­te­men in Ver­bin­dung mit mo­bi­len, web­ba­sier­ten Smart­pho­ne-Apps früh­zei­tig und di­rekt auf Park­mög­lich­kei­ten hin­ge­wie­sen wer­den – be­vor es zum Stau auf der Au­to­bahn kommt. Auf den Rast­hö­fen könn­ten zu Stoß­zei­ten auch Pkw-Park­plät­ze tem­po­rär für den Lkw frei­ge­ge­ben wer­de. Die Park­plät­ze könn­ten aber auch ab­seits der Au­to­bah­nen lie­gen, et­wa wenn na­he ge­le­ge­ne Groß­park­plät­ze ge­öff­net oder in ih­rer Struk­tur ver­än­dert wer­den. Die Bran­che spricht vom Kom­pakt­par­ken oder Ko­lon­nen- oder Blo­ckPar­ken, bei dem we­ni­ger Flä­che ver­braucht wird. Ein an­de­res Mo­dell ist Sha­red Par­king, bei dem Spe­di­tio­nen un­ge­nutz­te Stell­flä­che auf dem fir­men­ei­ge­nen Park­platz wei­te­ren Un­ter­neh­men zur Ver­fü­gung stel­len.

Ei­ne bes­se­re Ko­or­di­na­ti­on des Ver­kehrs ist ein Dau­er­the­ma der Lo­gis­ti­ker. In der Re­gi­on Nie­der­rhein gibt es laut Stu­die ei­ni­ge Groß­un­ter­neh­men, die di­gi­ta­le Ver­kehrs­tech­nik nut­zen, so­dass Lkw-Fah­rer an Selbst­be­die­nungs­ter­mi­nals für ei­ne au­to­ma­ti­sier­te Selbst­ab­fer­ti­gung sor­gen kön­nen. Die Er­fah­run­gen sind of­fen­bar po­si­tiv: „Mit An­rei­zen und re­gu­la­to­ri­schen Maß­nah­men kön­nen Kom­mu­nen kurz­fris­tig steu­ernd in den ru­hen­den Ver­kehr ein­grei­fen“, er­klär­te Bernd No­che vom Zen­trum für Lo­gis­tik und Ver­kehr der Uni­ver­si­tät Duis­burg-Es­sen.

Fo­to: Ar­nulf Stof­fel/dpa

Voll. Im Schnitt ver­bringt je­der Lkw mehr als die Hälf­te des Tages auf Park- und Rast­plät­zen.

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