Ret­tung aus Ab­sur­dis­tan

Dem Kabarett-Thea­ter Dis­tel ge­lingt mit dem neu­en Pro­gramm mit­rei­ßen­des Ko­mö­di­an­ten­tum

Der Tagesspiegel - - STADTLEBEN -

Po­li­ti­sches Kabarett lebt von ab­sur­den Plots und de­ren Be­zü­gen zum All­tag. Wenn die Idee nicht gleich­zei­tig skur­ril und den­noch nach­voll­zieh­bar ge­nug ist, den gan­zen Abend zu tra­gen, steigt das Pu­bli­kum ir­gend­wann aus, weil es nicht mehr mit­kommt. Den Span­nungs­bo­gen zu hal­ten, ist al­so ho­he Kunst.

Mit ih­rem neu­en Pro­gramm „Wenn Deut­sche über Gren­zen ge­hen“ist es der Dis­tel in der Fried­rich­stra­ße ein­mal mehr ge­lun­gen, das Pu­bli­kum mehr als zwei St­un­den zu pa­cken. Mehr noch: Wirk­lich mit­rei­ßen­des Ko­mö­di­an­ten­tum macht den Abend zum Ge­nuss, weckt die Lust auf mehr. Wor­um geht es? Drei völ­lig ge­gen­sätz­li­che Cha­rak­te­re be­herr­schen die Sze­ne: Ti­mo Do­leys als gut­men­scheln­der Pfar­rer Lars, Ste­fan Mar­tin Mül­ler als ge­nau­so prol­li­ger wie all­tags­wei­ser Spu­len­wick­ler Dirk und die um­wer­fen­de Ca­ro­li­ne Lux als Schul­lei­te­rin Ma­ri­on. Die drei be­ge­ben sich, weil ir­gend­wie reif für den Aus­stieg, un­ab­hän­gig von­ein­an­der auf den Ja­kobs­weg und wer­den in ei­nem zwei­tä­gi­gen Dau­er­re­gen in die ge­mein­sa­me Iso­la­ti­ons­haft in ei­ner Berg­hüt­te ge­zwun­gen. Da wird nicht der ei­ne des an­de­ren Wolf, aber un­frei­wil­lig ent­lar­ven sich die drei Prot­ago­nis­ten eben doch.

Wie das ge­schieht, mit welch irr­sin­ni­gem Spiel­witz, muss man ein­fach er­lebt ha­ben. Das En­de ist nicht mit Schre­cken, son­dern wie schon beim letz­ten Pro­gramm, der „Frei­en Re­pu­blik Do­ro­thea­ni­en“, ei­nes in meh­re­ren An­läu­fen. So, als ha­be die Re­gie (Micha­el Fro­win) sich nicht für ei­ne von vier pfif­fi­gen Po­in­ten ent­schei­den kön­nen – aber, sei’s drum, Hin­ge­hen lohnt.

— Die nächs­ten Vor­stel­lun­gen fin­den am 14., 19., 20., 21. so­wie am 23. Ok­to­ber statt.

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