Beast-Si­de-Gal­le­ry

Po­li­ti­ker, Bür­ger und In­ves­to­ren zan­ken über die Zu­kunft der East-Si­de- Gal­le­ry. Drei Streit­punk­te gibt es

Der Tagesspiegel - - BERLIN / BRANDENBURG - Von So­phie Krau­se

sve Ber­lin - Voll ist es fast im­mer an der East-Si­de-Gal­le­ry: Ent­lang der Mau­er zwi­schen Ober­baum­brü­cke und Ost­bahn­hof scha­ren sich Tou­ris­ten, ma­chen Sel­fies oder be­krit­zeln die Mau­er­bil­der oder ma­chen Fo­tos von der bun­ten Ge­denk­aus­stel­lung. Ber­li­ner trifft man hin­ge­gen im­mer sel­te­ner hier, sie mei­den die Event­mei­le zu­se­hends.

Die Be­zirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung Fried­richs­hain-Kreuz­berg hat des­halb am Frei­tag An­woh­ner zu ei­ner Dis­kus­si­ons­run­de über die Zu­kunft der East-Si­de-Gal­le­ry ein­ge­la­den. Dort soll­ten Po­li­tik, Ver­wal­tung, Denk­mal­schüt­zer, Bür­ger­initia­ti­ven und Künst­ler da­mit be­gin­nen, ein Kon­zept für die Gal­le­ry zu er­ar­bei­ten. Drei we­sent­li­che Bau­stel­len gibt es da­bei: Auf der Bra­che zwi­schen Mau­er und Spree­ufer soll ab 2018 ein neun­stö­cki­ges Hoch­haus ge­baut wer­den. Da­zu sag­te Bau­stadt­rat Flo­ri­an Schmidt (Grü­ne): „Es ist ei­ne Un­mög­lich­keit, dass ein In­ves­tor dar­über hin­weg­geht, dass sich Stadt, Land und Zi­vil­ge­sell­schaft ei­ne an­de­re Nut­zung wün­schen, und statt­des­sen ein Ho­tel und Lu­xus­woh­nun­gen baut.“Der In­ves­tor war zu der Ver­an­stal­tung nicht ge­kom­men. Um die Be­bau­ung zu ver­hin­dern, müss­ten Mil­lio­nen­be­trä­ge auf­ge­bracht und vor al­lem mehr Druck ge­macht wer­den, so Schmidt. Die Hö­he der Ent­schä­di­gungs­kos­ten ha­be der Se­nat noch nicht er­mit­telt. Im Ko­ali­ti­ons­ver­trag schrieb die rot-rot-grü­ne Re­gie­rung, man wol­le mit dem In­ves­tor über Aus­gleichs­grund­stü­cke ver­han­deln. Da­von ist heu­te kei­ne Re­de mehr.

Die zwei­te Bau­stel­le ist die Gestal­tung der west­li­chen Mau­er­sei­te. Denk­mal- schüt­zer for­dern, die mit Graf­fi­ti be­sprüh­ten Flä­chen wie­der weiß zu strei­chen. Die Far­be hat­te wäh­rend des DDR-Re­gimes den Zweck, dass Grenz­sol­da­ten flüch­ten­de Per­so­nen an der Mau­er bes­ser er­ken­nen und an der Flucht hin­dern konn­ten. Das Wei­ßeln sol­le den „Dop­pel­cha­rak­ter zwi­schen den Mau­er­bil­dern und dem To­des­strei­fen dar­stel­len“, er­klär­te Jörg Has­pel, der für die Denk­mal­pfle­ge zu­stän­di­ge Lan­des­kon­ser­va­tor, in sei­nem Vor­trag. Alex­an­der Ar­nold von der Ge­mein­schaft der Ver­folg­ten des DDR-Re­gimes lehnt die Idee ab: „Das Weiß-Strei­chen ist für mich sehr un­be­frie­di­gend“, denn da­mit wür­de die „NVA-Dok­trin“dar­ge­stellt. Er wün­sche sich ei­ne Fort­set­zung der tem­po­rä­ren Aus­stel­lung des Künst­lers Ste­fan Ro­loff, die Zeit­zeu­gen­por­traits dar­stellt.

Hin­zu kom­men drit­tens die un­ter- schied­li­chen Auf­fas­sun­gen des Ge­den­kens. Die 120 Künst­ler, die die Mau­er nach der Wen­de be­mal­ten, woll­ten mit ih­rer Kunst die Freu­de und Eu­pho­rie der Mau­er­öff­nung dar­stel­len. Denk­mal­schüt­zer for­dern dar­über hin­aus ein wür­di­ges Ge­den­ken an die Tei­lung und die Mau­er­to­ten. Um bei­des zu er­mög­li­chen, soll die East-Si­de-Gal­le­ry an die Stif­tung Ber­li­ner Mau­er über­ge­ben wer­den, die den Ge­denk­ort Bernau­er Stra­ße ver­ant­wor­tet. Dar­über hin­aus for­dern Be­zirks-Grü­ne ei­ne An­mel­dung der East-Si­de-Gal­le­ry für das Unesco-Welt­kul­tur­er­be.

Ei­nen kon­kre­ten Plan gibt es im­mer­hin schon jetzt: Der süd­li­che Geh­weg an der Müh­len­stra­ße soll auf sechs Me­ter ver­brei­tert wer­den. Das geht aus ei­ner BVV-An­fra­ge her­vor. Bau­be­ginn kön­ne Ju­ni 2018 sein. Das freut zu­min­dest die Fo­to-be­geis­ter­ten Tou­ris­ten.

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