Wo­id­ke bringt Ab­weich­ler auf Li­nie

Für Bran­den­burgs Re­gie­rungs­chef geht es bei Kreis­re­form um al­les: Erst nach ei­ner Neu­wahl-Dro­hung steht die ei­ge­ne SPD-Frak­ti­on

Der Tagesspiegel - - BERLIN / BRANDENBURG -

Neu­har­den­berg - Er reizt al­les aus, er muss es wohl. Mit ei­ner Neu­wahl-Dro­hung hat Bran­den­burgs Re­gie­rungs­chef Diet­mar Wo­id­ke (SPD) Ab­weich­ler in sei­ner Land­tags­frak­ti­on auf Li­nie ge­bracht, um ein Schei­tern sei­ner um­strit­te­nen Kreis­ge­biets­re­form und da­mit der rot-ro­ten Ko­ali­ti­on ab­zu­wen­den. SPD und Lin­ke ha­ben im Land­tag nur ei­ne Mehr­heit von sechs Stim­men. Am 15.No­vem­ber soll dort die ent­schei­den­de Ab­stim­mung sein, der Show­down, bei dem es auch um Wo­id­kes Schick­sal geht.

Doch auf ei­ner SPD-Klau­sur in Neu­har­den­berg ha­ben sich bei ei­ner Pro­be­ab­stim­mung plötz­lich gleich drei SPD-Ab­ge­ord­ne­te ent­hal­ten, dem Pro­jekt die Zu­stim­mung ver­wei­gert. Er­war­tet wor­den war nur ei­ne Ent­hal­tung der Cott­bu­ser Ab­ge­ord­ne­ten Kers­tin Kircheis. Dar­auf­hin warn­te Wo­id­ke sei­ne Ge­nos­sen, dass ei­ne Ab­stim­mungs­nie­der­la­ge „Kon­se­quen­zen“hät­te, wo­mög­lich gar Neu­wah- len die Fol­ge wä­ren, was auch als Rück­tritts­dro­hung ver­stan­den wur­de. Die Ab­ge­ord­ne­ten Brit­ta Mül­ler und Wolf­gang Roick lenk­ten dar­auf­hin ein.

Am Frei­tag be­müh­te sich die SPD-Spit­ze, den Scha­den zu be­gren­zen. „Ich ha­be nicht mit Rück­tritt ge­droht“, sag­te Wo­id­ke dem Ta­ges­spie­gel. „Ich ha­be ge­sagt: Es ist doch klar, dass das zen­tra­le Vor­ha­ben der Re­gie­rung, über sie­ben Jah­re vor­be­rei­tet, ei­ne ei­ge­ne Mehr­heit im Land­tag braucht. Sonst gä­be es ein mas­si­ves Pro­blem“. Das sei „kei­ne Dro­hung, son­dern ei­ne Fest­stel­lung“. So funk­tio­nie­re nun ein­mal Po­li­tik. „Zu glau­ben, dass ei­ne Ab­stim­mungs­nie­der­la­ge kei­ne Kon­se­quen­zen hät­te, wä­re wohl auch na­iv.“Wo­id­ke räum­te ein, dass die Stim­mung auch in der ei­ge­nen Par­tei schwie­rig ist. Erst recht nach der Bun­des­tags­wahl, wo die SPD auf Platz drei hin­ter der AfD ab­ge­stürzt war. Vie­le Kreis­ta­ge ha­ben sich mit den Stim­men von SPD und Lin­ken ge­gen die Re­form po­si­tio­niert. „Es ist kei­ne leich­te Si­tua­ti­on“, sag­te Wo­id­ke. Nach sei­nen Wor­ten wä­re es den­noch ein Feh­ler, dass Pro­jekt ab­zu­bla­sen, wie es CDU-Op­po­si­ti­ons­füh­rer In­go Senft­le­ben er­neut ge­for­dert hat­te; statt­des­sen schlug er ei­nen „Kom­mu­nal­kon­vent“von Re­gie­rung, Par­la­ment und Kom­mu­nen vor. „Ich bin ge­sprächs­be­reit“, sag­te Wo­id­ke. „Aber über die­se Re­form ist nicht zu we­nig ge­re­det, son­dern eher zu lan­ge dis­ku­tiert wor­den.“Nun sei die Zeit reif für Ent­schei­dun­gen. Er ge­he da­von aus, dass die „Mehr­heit steht“.

Die SPD­ge­he mit 29 Ja-Stim­men und ei­ner an­ge­zeig­ten Ent­hal­tung in die Ab­stim­mung, sag­te Frak­ti­ons­chef Mi­ke Bi­sch­off. „Wir hät­ten vie­le Mög­lich­kei­ten ge­habt, das Pro­jekt ab­zu­bre­chen, et­wa die Flücht­lings­kri­se oder die Volks­in­itia­ti­ve“, sag­te er. „Aber wir sind über­zeugt, dass die Ver­wal­tung auch künf­tig noch bür­ger­nah und leis­tungs­fä­hig sein muss.“

Die Ko­ali­ti­on aus SPD (30) und Lin­ken (17) hat 47 Ab­ge­ord­ne­te, die Op­po­si­ti­on 41 Sit­ze. Bei den Lin­ken wird bis­lang mit ei­ner Ent­hal­tung – der des Frank­fur­ter Ab­ge­ord­ne­ten und dor­ti­gem Ober­bür­ger­meis­ter­kan­di­da­ten Re­né Wil­ke – ge­rech­net. Nach der Re­form soll es künf­tig statt 14 noch 11 Land­krei­se ge­ben und Pots­dam ein­zi­ge kreis­freie Stadt sein. Die bis­her kreis­frei­en Städ­te Bran­den­burg, Frank­furt an der Oder und Cott­bus sol­len mit den Um­land­krei­sen fu­sio­nie­ren.

Die Dro­hun­gen Wo­id­kes, um da­für die Mehr­hei­ten zu si­chern, „zei­gen die Aus­weg­lo­sig­keit der Re­gie­rung“, re­agier­te CDU-Op­po­si­ti­ons­füh­rer In­go Senft­le­ben. Die Re­form wer­de nur noch durch Angst vor Macht­ver­lust ge­tra­gen. „Die SPD schafft es au­gen­schein­lich nicht ein­mal mehr, ih­re ei­ge­nen Leu­te mit Ar­gu­men­ten zu über­zeu­gen.“Die Re­form wer­de spä­tes­tens beim Volks­ent­scheid ge­stoppt.

Fo­to: Ima­go

Muss kämp­fen. Mi­nis­ter­prä­si­dent Diet­mar Wo­id­ke trifft selbst in der ei­ge­nen Par­tei auf viel Wi­der­stand.

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