Hartz IV – Miet­zu­schuss bleibt be­grenzt

Ver­fas­sungs­ge­richt ur­teilt zu Wohn­kos­ten

Der Tagesspiegel - - POLITIK -

Ber­lin - Wer Hartz-IV-Leis­tun­gen be­zieht, hat kei­nen An­spruch auf ei­ne vol­le Über­nah­me der Wohn­kos­ten. Dies er­gibt sich aus ei­nem am Di­ens­tag ver­öf­fent­lich­ten Be­schluss ei­ner Kam­mer des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts. Dem­nach muss die Mie­te nur in „an­ge­mes­se­ner“Hö­he über­nom­men wer­den, wie es im So­zi­al­ge­setz­buch ge­re­gelt ist. Die Be­gren­zung sei mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar, hieß es. Der Ge­setz­ge­ber müs­se kei­nen An­spruch auf un­be­grenz­te Über­nah­me der Wohn­kos­ten vor­se­hen. Mit der Re­ge­lung ha­be er sei­ner Pflicht ge­nügt, ei­nen kon­kre­ten und hin­rei­chend be­stimm­ten ge­setz­li­chen An­spruch zur Er­fül­lung des Grund­rechts auf ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum zu schaf­fen.

Mit ih­rem Be­schluss wie­sen die Rich­ter die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ei­ner Frau aus Ba­den-Würt­tem­berg zu­rück, die al­lei­ne in ih­rer 77 Qua­drat­me­ter gro­ßen Woh­nung lebt und die­se bis zum Jahr 2008 auch voll be­zahlt be­kam. Zu­gleich ent­schie­den sie über ei­ne Vor­la­ge des Main­zer So­zi­al­ge­richts, das die Re­ge­lung im So­zi­al­ge­setz­buch für ver­fas­sungs­wid­rig hält.

Der Klä­ge­rin hat­te das Job­cen­ter die Leis­tun­gen für die Woh­nung von rund 640 Eu­ro ein­schließ­lich Heiz­kos­ten auf rund 440 Eu­ro ge­kürzt. Ihr ge­richt­li­ches Vor­ge­hen da­ge­gen blieb er­folg­los, schließ­lich schei­ter­te jetzt auch die Be­schwer­de in Karlsruhe. In ih­rem Be­schluss hal­ten die Rich­ter fest, dass für ei­ne men­schen­wür­di­ge Exis­tenz­si­che­rung auch die Kos­ten für Un­ter­kunft und Hei­zung zu de­cken sei­en. Es ge­be je­doch kei­nen aus dem Grund­ge­setz ab­leit­ba­ren „ex­akt be­zif­fer­ten An­spruch auf So­zi­al­leis­tun­gen“. Das Exis­tenz­mi­ni­mum müs­se aber durch ein Ge­setz ge­si­chert sein, das ei­nen kon­kre­ten Leis­tungs­an­spruch ent­hält. Die Kos­ten­über­nah­me sein – aber nicht voll.

Zwar be­trä­fen die Kos­ten für Un­ter­kunft und Hei­zung ei­nen Be­darf in ei­ner „grund­le­gen­den Le­bens­si­tua­ti­on ei­nes Men­schen“. Dar­aus er­ge­be sich je­doch nicht, dass im Fall der Be­dürf­tig­keit jed­we­de Un­ter­kunft staat­lich zu fi­nan­zie­ren sei. Was hier als „an­ge­mes­sen“zu gel­ten hat, kön­ne mit Blick auf die üb­ri­gen Re­ge­lun­gen des So­zi­al­ge­setz­buchs im Ein­zel­fall hin­rei­chend be­stimmt fest­ge­legt wer­den. Maß­geb­lich da­für sei auch der von den zu­stän­di­gen Ge­rich­ten zu er­mit­teln­de Ver­gleichs­wert von Woh­nun­gen im „un­te­ren Preis­seg­ment“. Da­bei sei­en die Be­son­der­hei­ten der je­weils lo­kal un­ter­schied­li­chen Woh­nungs­märk­te eben­so zu be­ach­ten wie die Tat­sa­che, dass zu den Kos­ten der Un­ter­kunft re­gio­nal in un­ter­schied­li­chem Ma­ße be­last­ba­re In­for­ma­tio­nen vor­lä­gen. An­ge­sichts die­ser prak­ti­schen Schwie­rig­kei­ten ha­be sich der Ge­setz­ge­ber auf die For­mel der „An­ge­mes­sen­heit“be­schrän­ken dür­fen.

Mit se­pa­ra­tem Be­schluss hat die Kam­mer zu­dem fest­ge­stellt, dass die Vor­la­gen des So­zi­al­ge­richts Mainz un­zu­läs­sig sind. Es feh­le ei­ne hin­rei­chen­de Dar­le­gung, dass und wie die An­spruchs­grund­la­ge aus­ge­legt wer­den kann, um den ver­fas­sungs­recht­li­chen An­for­de­run­gen zu ent­spre­chen.

Fo­to: Oliver Berg/dpa

muss „an­ge­mes­sen“

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