Grü­ne po­chen auf Ge­setz zu Waf­fen­lie­fe­run­gen

Zah­len über Rüs­tungs­ex­por­te nach Sau­di-Ara­bi­en be­ein­flus­sen Ge­sprä­che über Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on

Der Tagesspiegel - - POLITIK -

Ber­lin - Neue Da­ten zu Rüs­tungs­ex­por­ten der schei­den­den Bun­des­re­gie­rung er­hö­hen den Druck auf die Grü­nen, in den Son­die­rungs­ver­hand­lun­gen zur Ja­mai­kaKo­ali­ti­on har­te Ein­schrän­kun­gen deut­scher Waf­fen­ex­por­te zu er­rei­chen. Die Öko­par­tei hat­te im Wahl­kampf ver­spro­chen, Ex­por­te „an Dik­ta­tu­ren und Kri­sen­re­gio­nen“mit ei­nem „ver­bind­li­chen Rüs­tungs­ex­port­ge­setz“zu be­en­den. Bis­her wird die Aus­fuhr der sen­si­blen Gü­ter in der Bun­des­re­gie­rung durch Rüs­tungs­ex­port­richt­li­ni­en ge­re­gelt.

Am Di­ens­tag war be­kannt ge­wor­den, dass Deutsch­land wei­ter Rüs­tungs­gü­ter nach Sau­di-Ara­bi­en lie­fert. Dies geht aus ei­ner Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung an den Lin­ken-Ab­ge­ord­ne­ten Stefan Lie­bich her­vor, über die zu­erst die „Süd­deut­sche Zei­tung“be­rich­tet hat­te. Den An­ga­ben des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums zu­fol­ge wur­den im drit­ten Quar­tal Rüs­tungs­gü­ter für Sau­di-Ara­bi­en im Wert von 148 Mil­lio­nen Eu­ro ge­neh­migt. Im Vor­jah­res­zeit­raum wa­ren es et­wa 40 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Ex­por­te nach Ägyp­ten hat­ten ein Vo­lu­men von rund 298 Mil­lio­nen Eu­ro (2016 rund 45 Mil­lio­nen Eu­ro).

Ins­ge­samt stieg der An­teil der deut­schen Rüs­tungs­ex­por­te in Staa­ten au­ßer­halb der Eu­ro­päi­schen Uni­on. Laut der Ant­wort des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums wur­den im drit­ten Quar­tal die­ses Jah­res Rüs­tungs­ex­por­te in Hö­he von 1,27 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­neh­migt. Der über­wie­gen­de Teil die­ser Rüs­tungs­gü­ter (871 Mil­lio­nen Eu­ro) soll in Län­der ge­lie­fert wer­den, die nicht der EU an­ge­hö­ren, kei­ne Na­to-Mit­glie­der sind und auch nicht zur Grup­pe der Na­to-gleich­ge­stell­ten Staa­ten zäh­len (Ja­pan, Neu­see­land, Aus­tra­li­en, Schweiz). Im Vor­jah­res­zeit­raum war der An­teil der Ex­por­te in Dritt­staa­ten ge­rin­ger (485 Mil­lio­nen Eu­ro von ins­ge­samt 1,14 Mil­li­ar­den Eu­ro).

Lie­bich sag­te, wenn die neue Bun­des­re­gie­rung die Po­li­tik der Rüs­tungs­ex­por­te nicht sub­stan­zi­ell än­de­re, ma­che sie sich „mit­schul­dig an den zahl­lo­sen To­ten in den Kon­flik­ten welt­weit“. Die Lie­fe­run­gen an Sau­di-Ara­bi­en und Ägyp­ten sei­en „be­son­ders ver­werf­lich“, da bei­de Län­der „seit Jah­ren ei­nen schmut­zi­gen Krieg in Je­men füh­ren“. Die Ver­ein­ten Na­tio­nen hat­ten in der ver­gan­ge­nen Wo­che vor ei­ner Hun­ger­ka­ta­stro­phe in dem Bür­ger­kriegs­land ge­warnt. Hin­ter­grund ist ei­ne Im­port­blo­cka­de Sau­di-Ara­bi­ens und sei­ner Ver­bün­de­ten. Sau­di-Ara­bi­en will mit der Blo­cka­de die Ein­fuhr von Waf­fen aus dem Iran für die schii­ti­schen Huthi-Re­bel­len un­ter­bin­den.

Grü­nen-Chef Cem Öz­de­mir be­kräf­tig­te am Di­ens­tag das Ziel, in den Ver­hand­lun­gen mit Uni­on und FDP um ei­ne ge­mein­sa­me Ko­ali­ti­on Waf­fen­aus­fuh­ren zu­rück­zu­fah­ren. „Wir wol­len Rüs­tungs­ex­por­te bei­spiels­wei­se nach Sau­di-Ara­bi­en un­ter­bin­den“, sag­te er in ei­ner Vi­deo­bot­schaft. Der au­ßen­po­li­ti­sche Spre­cher der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on, Omid Nou­ripour, mach­te deut­lich, dass die Ein­schrän­kung von Waf­fen­lie­fe­run­gen für sei­ne Par­tei höchs­te Prio­ri­tät hat. „An die­ser Fra­ge muss deut­lich wer­den, dass es ei­nen Un­ter­schied macht, wenn wir re­gie­ren“, sag­te er dem Ta­ges­spie­gel.

Um wel­che Rüs­tungs­gü­ter für Sau­diA­ra­bi­en es sich han­delt, geht aus der Ant­wort der Re­gie­rung nicht her­vor. Bei frü­he­ren De­bat­ten über Lie­fe­run­gen an den Golf­staat hat­te der da­ma­li­ge Wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) dar­auf ver­wie­sen, dass ein Groß­teil des Ex­port­vo­lu­mens für das Land auf Pa­trouil­len­boo­te ent­fal­le, die zum Küs­ten­schutz ein­ge­setzt wür­den. Die gro­ße Ko­ali­ti­on hat­te auf Druck der SPD die Lie­fe­rung von Ge­weh­ren und zen­tra­ler Tei­le ei­ner Ge­wehr­fa­brik an das Land ver­wei­gert, die noch von der Vor­gän­ger­re­gie­rung aus Uni­on und FDP ge­neh­migt wor­den war.

Wie die Grü­nen ver­sprach auch die FPD im Wahl­pro­gramm, die Rüs­tungs­ex­port­richt­li­ni­en zum Ge­setz zu ma­chen. Die Uni­on fürch­tet da­ge­gen ei­ne Ein­schrän­kung des Hand­lungs­spiel­raums der Re­gie­rung. Bei stren­ger Aus­le­gung der Richt­li­ni­en wä­ren et­wa auch kei­ne Lie­fe­run­gen an ein Land wie Ma­li mög­lich, das Deutsch­land im Kampf ge­gen Ter­ro­ris­ten un­ter­stützt.

Fo­to: Stefan Sau­er/dpa

Mit ara­bi­schen Schrift­zei­chen. Ein Küs­ten­schutz­boot für Sau­di-Ara­bi­en wird im März 2017 im Ha­fen von Mu­kran bei Sass­nitz ver­la­den.

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