Zwi­schen Stark­re­gen und Dür­re

Ein Fonds hilft Ent­wick­lungs­län­dern, mit dem Kli­ma­wan­del um­zu­ge­hen – doch sei­ne Zu­kunft ist un­ge­wiss

Der Tagesspiegel - - POLITIK - Von No­ra Za­rem­ba, Bonn

Wenn sich Con­stan­ce Okol­let an das Jahr 2007 zu­rück­er­in­nert, sagt sie: „Zu­erst dach­ten wir, Gott wür­de uns be­stra­fen.“In je­nem Jahr er­gos­sen sich un­auf­hör­lich Nie­der­schlä­ge über ih­rem Dorf Osu­ku­ru im Os­ten Ugan­das. Ei­gent­lich soll­te Tro­cken­zeit sein. Als Bäue­rin war Okol­let dar­auf an­ge­wie­sen, dass der Rhyth­mus der Na­tur zu­ver­läs­sig bleibt. Doch auf den Stark­re­gen folg­te ei­ne lan­ge Dür­re. Con­stan­ce Okol­let ver­lor, wie vie­le an­de­re Dorf­be­woh­ner, Mai­s­ern­te und Kuh­her­de. Das gan­ze Dorf blieb rat­los dar­über zu­rück, war­um das al­les ei­gent­lich ge­schah. Bis ein Jahr spä­ter Ver­tre­ter ei­ner Um­welt­or­ga­ni­sa­ti­on Okol­lets Dorf be­such­ten. Da hör­ten sie das ers­te Mal vom Kli­ma­wan­del und vom Men­schen ver­ur­sach­ten Treib­haus­ga­sen. „War­um tun sie uns das an?“, frag­te Okol­let als Ers­tes. Und mein­te die In­dus­trie­staa­ten.

Nun sitzt Okol­let, hoch­ge­wach­sen und im ro­ten Ge­wand, in der Kan­ti­ne auf dem Ge­län­de der Welt­kli­ma­kon­fe­renz in Bonn und er­zählt ih­re Ge­schich­te. Ein schlech­tes Ge­wis­sen will sie der west­li­chen Welt nicht ma­chen. „Ich will le­dig­lich er­klä­ren, wie sehr wir in Afri­ka schon vom Kli­ma­wan­del be­trof­fen sind.“

Den Pro­gno­sen des In­ter­na­tio­nal Pa­nel on Cli­ma­te Chan­ge, der ho­hen In­stanz der Kli­ma­wan­del­wis­sen­schaft, zu­fol­ge wird der Kli­ma­wan­del auf dem afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent zu ex­tre­men Nie­der­schlä­gen und auch zu lan­gen Dür­ren füh­ren. Be­son­ders dra­ma­tisch dar­an ist, dass Afri­ka gar nicht für den Kli­ma­wan­del ver­ant­wort­lich ist. Ugan­da trägt laut Ex­per­ten we­ni­ger als ein Pro­zent zur glo­ba­len Er­der­wär­mung bei.

Vor die­sem Hin­ter­grund drän­gen auch die afri­ka­ni­schen Staa­ten der­zeit in Bonn auf mehr fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung durch die In­dus­trie­staa­ten. Ei­ne we­sent­li­che Fra­ge ist die Zu­kunft des An­pas­sungs­fonds. Er soll Ent­wick­lungs­län­der da­bei un­ter­stüt­zen, mit den Fol­gen des Kli­ma­wan­dels zu­recht­zu­kom­men, et­wa durch an­de­res Saat­gut, hö­he­re Dei­che oder schüt­zen­de Ge­bäu­de. Mit nun­mehr 240 Mil­lio­nen Eu­ro ist Deutsch­land größ­ter Ge­ber. Wenn das Kyo­to-Pro­to­koll 2020 aus­läuft, muss der Fonds in das Pa­ri­ser Ab­kom­men hin­über­ge­ret­tet wer­den, for­dern die Ent­wick­lungs­län­der. Be­ob­ach­ter der Ver­hand­lun­gen ge­hen da­von aus, dass dies auch pas­sie­ren wird. All­zu schnell wol­len die In­dus­trie­staa­ten dem aber schein­bar nicht zu­stim­men. Die Ret­tung des Fonds könn­te noch als Ver­hand­lungs­mas­se ge­braucht wer­den.

Zur Ent­span­nung der ge­reiz­ten La­ge in Bonn trägt die Bun­des­re­gie­rung mit ih­rer An­kün­di­gung bei, die 2015 ge­grün­de­te Kli­ma­ri­si­ko­ver­si­che­run­gen für Ent­wick­lungs­län­der mit 110 Mil­lio­nen Eu­ro zu un­ter­stüt­zen. Die­se sol­len hel­fen, sich ge­gen ex­tre­me Wet­te­rer­eig­nis­se ab­zu­si­chern. Sa­bi­ne Min­ni­ger, Kli­ma­ex­per­tin bei Brot für die Welt, be­grüßt die Initia- ti­ve. „Den­noch braucht es mehr Geld für die An­pas­sung“, sagt sie.

Auch sol­len Pri­vat­in­ves­ti­tio­nen den Ent­wick­lungs­län­dern hel­fen, bei­spiels­wei­se beim Aus­bau er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en. Doch das fin­det in der Rea­li­tät noch zu sel­ten statt. „Wenn dein Land von ei­ner Ra­ting­agen­tur schlecht be­wer­tet wird, dann ist es für In­ves­to­ren schlicht nicht at­trak­tiv“, sagt Ibra­him Thiaw, stell­ver­tre­ten­der Ge­schäfts­füh­rer des UN-Um­welt­pro­gramms. Thiaw wur­de auf Mau­ri­ti­us ge­bo­ren. Er­schwe­rend kommt für Ent­wick­lungs­län­der hin­zu, dass die Trump-Re­gie­rung mit ih­rer Aus­stiegs­an­kün­di­gung aus dem Pa­ri­ser Ab­kom­men auch Zu­sa­gen für Fi­nanz­hil­fen zu­rück­zie­hen möch­te.

Con­stan­ce Okol­let aus Ugan­da lobt das En­ga­ge­ment der Bun­des­re­gie­rung. Auf die fi­nan­zi­el­len Hil­fen durch die In­dus­trie­staa­ten al­lei­ne will sie sich aber nicht ver­las­sen. „Zu­min­dest in mei­nem Dorf ist da­von noch nichts an­ge­kom­men“, sagt sie. Um be­son­ders die Frau­en aus ih­rer Re­gi­on ge­gen die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels zu wapp­nen, hat sie ein Netz­werk ge­grün­det. „Frau­en sind be­son­ders ver­letz­lich“, sagt Okol­let. In dem Netz­werk ler­nen die Frau­en bei­spiels­wei­se, wie sie klei­ne Ge­schäf­te auf­bau­en kön­nen, um nicht nur auf die Land­wirt­schaft an­ge­wie­sen zu sein. Ei­ne Frau ver­kauft nun Holz­bri­ketts. Das Geld hat sie nicht von der Bank oder ei­ner Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on be­kom­men, son­dern vom Frau­en­netz­werk.

Fo­to: Je­ro­me De­lay/dpa/AP

Kein Was­ser, nir­gends. Der Kli­ma­wan­del kann in Afri­ka zu lan­gen Dür­ren füh­ren.

C. Okol­let

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.