Die Sor­gen von mor­gen

Der Tagesspiegel - - MEINUNG - Von Aria­ne Bem­mer

Der zu zah­len­de Ren­ten­bei­trag sinkt, be­vor er wie­der stei­gen wird. Und die aus­ge­zahl­ten Ren­ten stei­gen, be­vor das Ren­ten­ni­veau sin­ken wird. Das wa­ren am Di­ens­tag grob ge­rafft die zwei Nach­rich­ten zum The­ma Al­ters­si­che­rung. Und ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit ist der aber­ma­li­ge Hin­weis dar­auf, dass die Fra­ge, die die Men­schen in Deutsch­land an­hal­tend be­schäf­tigt und zu­neh­mend be­sorgt, in der Po­li­tik nicht ernst ge­nom­men wird. Ren­te wird statt­des­sen, so der sich fes­ti­gen­de Ein­druck, als Le­cker­li fürs Volk be­grif­fen. An­ge­mes­sen ist das nicht.

Die stei­gen­den Ren­ten hän­gen über die Ren­ten­an­pas­sungs­for­mel mit der Be­schäf­ti­gungs­si­tua­ti­on in Deutsch­land zu­sam­men, die we­gen der ge­rin­gen Zahl an Ar­beits­lo­sen als gut be­schrie­ben wird. Da­bei ist sie nicht wirk­lich gut, denn die er­stre­bens­wer­ten un­be­fris­te­ten Voll­zeit­stel­len ge­hen wei­ter zu­rück. Es wächst statt­des­sen die Zahl der Teil­zeit­be­schäf­ti­gun­gen und pre­kä­ren

Ar­beits­ver­hält­nis­se. Das sind die Jobs, die nur schwer­lich zu ei­ner Ren­te füh­ren wer­den, die zum Le­ben al­lein reicht. Al­so fi­nan­zie­ren die po­ten­zi­ell ar­men Al­ten von mor­gen die bei null Pro­zent In­fla­ti­on po­ten­zi­ell über­flüs­si­gen Ren­ten­zu­wäch­se von heu­te.

Das riecht nach ei­nem Feh­ler im Sys­tem.

Es ist ein wei­te­rer, der zum de­mo­gra­fi­schen Pro­blem hin­zu­kommt, an dem das

Ren­ten­prin­zip der Leis­tungs­ge­rech­tig­keit ab­seh­bar zer­schel­len wird. Bis­her gilt: Wer viel ein­zahlt, soll auch viel her­aus­be­kom­men. Wer we­nig ein­zahlt, er­hält we­ni­ger. Wer nichts ein­zahlt, be­kommt nur ei­ne Ba­sis­si­che­rung. Aber wie soll das be­ste­hen, wenn künf­tig zu vie­le Ren­ten­be­zie­her zu we­ni­gen Ar­beit­neh­mern ge­gen­über­ste­hen?

Und so macht sich längst auch bei Nor­mal­ver­die­nern das Ge­fühl breit, dass sie, wenn sie im Ren­ten­al­ter an­ge­kom­men sein wer­den, von ih­ren Be­zü­gen ih­ren Le­bens­stan­dard nicht wer­den hal­ten kön­nen. Das ist ge­sell­schafts­po­li­tisch hei­kel, denn das ist un­ge­recht. Und so lag die SPD si­cher rich­tig mit ih­rem Wahl­kampf­the­ma Ge­rech­tig­keit. Aber sie hat die Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit ge­meint. Um die es nicht zu­vor­derst geht.

Wer viel ein­zahlt, be­kommt auch viel her­aus? Das Prin­zip Leis­tung ist in Ge­fahr

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