Strom-Schlag für Vat­ten­fall vor Ge­richt

Eil­an­trag ge­gen Ver­ga­be des Net­zes ge­schei­tert

Der Tagesspiegel - - BERLIN -

Das Land sucht ei­nen neu­en Be­trei­ber fürs Strom­netz – laut Ko­ali­ti­ons­ver­trag ei­ner­seits „nach Recht und Ge­setz dis­kri­mi­nie­rungs­frei“. An­de­rer­seits, und das steht gleich im nächs­ten Satz, strebt die Ko­ali­ti­on „ei­ne hun­dert­pro­zen­ti­ge Re­kom­mu­na­li­sie­rung“des Net­zes an. Das wird bis­her von Vat­ten­fall ge­ma­nagt, was dem Un­ter­neh­men ei­ne ste­te Ein­nah­me­quel­le si­chert, die das Land gern selbst hät­te. Die Ver­wal­tung spielt da­bei ei­ne Dop­pel­rol­le, weil sie ei­ner­seits die neu­tra­le Ver­ga­be­stel­le ist und an­de­rer­seits mit dem Lan­des­be­trieb Ber­lin Ener­gie ei­nen ei­ge­nen Bie­ter im Ren­nen hat. Vat­ten­fall reich­te vie­le Ver­fah­rens­rü­gen ein, blitz­te aber beim Land stets ab. Des­halb woll­te das Un­ter­neh­men nun vor Ge­richt das – laut Vat­ten­fall un­fai­re, in­trans­pa­ren­te und zum Vor­teil des noch im Auf­bau be­find­li­chen Lan­des­be­trie­bes ver­zö­ger­te – Ver­fah­ren stop­pen las­sen.

Am Di­ens­tag wies das Land­ge­richt den Eil­an­trag ab: Die vom Land for­mu­lier­ten Kri­te­ri­en „wür­den in dem er­for­der­li­chen Um­fang ge­währ­leis­ten, den Bes­ten aus­zu­wäh­len“. Die Kri­te­ri­en sei­en hin­rei­chend klar und fair, zu­mal das Land „ei­nen wei­ten Er­mes­sens­spiel­raum“ha­be. Da­bei hat­ten die Rich­ter im Eil­ver­fah­ren nur zu be­wer­ten, ob das Ge­samt­pa­ket ei­nen Be­wer­ber dis­kri­mi­niert, al­so nicht je­des De­tail. Ne­ben Vat­ten­fall und Ber­lin Ener­gie be­wirbt sich auch die Ge­nos­sen­schaft Bür­ger-Ener­gie Ber­lin. Sie will das Netz al­ler­dings nicht al­lein be­trei­ben.

In­si­der er­war­ten, dass Vat­ten­fall ge­gen das Ur­teil Be­ru­fung ein­legt. Das Kam­mer­ge­richt wä­re die vor­erst letz­te In­stanz, um das Ver­fah­ren an­zu­fech­ten. Erst wenn ei­nes Ta­ges der künf­ti­ge Netz­be­trei­ber aus­er­ko­ren ist, kann ge­gen die Ver­ga­be ge­klagt wer­den – aber dann nur ge­gen die Ent­schei­dung, nicht ge­gen das Ver­fah­ren. Das zieht sich seit En­de 2011 hin. 2014 lief der vor­he­ri­ge Ver­trag mit Vat­ten­fall aus; seit­dem be­treibt das Un­ter­neh­men das Netz in­te­rims­mä­ßig. Grü­nen-Ener­gie­po­li­ti­ker Stefan Ta­sch­ner for­der­te am Di­ens­tag Vat­ten­fall auf, „das Ur­teil an­zu­er­ken­nen und die Kon­zes­si­ons­ver­ga­be nicht wei­ter zu ver­zö­gern“. Die Grü­nen kämpf­ten wei­ter für die Re­kom­mu­na­li­sie­rung. Das gilt ins­be­son­de­re für Ta­sch­ner, den eins­ti­gen Ver­trau­ens­mann des 2013 knapp ge­schei­ter­ten Ener­gie-Volks­ent­scheids.

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