Brot und Ge­dulds­spie­le

Fahr­rad-Ak­ti­vis­ten mo­nie­ren schlep­pen­de Pla­nung

Der Tagesspiegel - - BERLIN -

Der Fahr­rad-Volks­ent­scheid bit­tet um Le­bens­mit­tel­spen­den und Zel­te für die Rad­ver­kehrs­pla­ner, die in den Be­zirks­äm­tern das künf­ti­ge Mo­bi­li­täts­ge­setz auf die Stra­ße brin­gen sol­len: Don­ners­tag, 11 bis 13 Uhr, wer­den die Ga­ben vor dem Ro­ten Rat­haus ge­sam­melt – und an­schlie­ßend der Se­nats­kanz­lei über­ge­ben.

Mit der Ak­ti­on wol­len die Fahr­rad­lob­by­is­ten ein­mal mehr auf die schlep­pen­de Um­set­zung des Ko­ali­ti­ons­ver­tra­ges beim The­ma Ver­kehr auf­merk­sam ma­chen. 24 Pla­nungs­in­ge­nieu­re soll­ten die Be­zir­ke dem­nach ein­stel­len, al­so je­der zwei. Doch ei­ne Um­fra­ge der Ak­ti­vis­ten er­gab, dass erst acht­ein­halb Stel­len ver­ge­ben sei­en. In sie­ben Be­zir­ken sei die Be­set­zung gar nicht ab­seh­bar. Die Volks­ent­scheid­ler ver­mu­ten, dass die Stel­len mit Ta­rif­stu­fe E 11 „un­an­ge­mes­sen nied­rig ein­grup­piert“und des­halb nicht at­trak­tiv sei­en. E 11 be­deu­tet ein Ein­stiegs­ge­halt von gut 3000 Eu­ro brut­to.

Der erns­te Hin­ter­grund der halb scherz­haf­ten Ak­ti­on ist, dass der Ge­dulds­fa­den der Ak­ti­vis­ten dün­ner wird: Das von der Ver­kehrs­ver­wal­tung mit vie­len Be­tei­lig­ten aus­ge­han­del­te Rad­ver­kehrs­ge­setz be­fin­det sich laut Spre­cher Mat­thi­as Tang noch in der Ab­stim­mung. Das in der Ko­ali­ti­ons­ver­ein­ba­rung ver­ab­re­de­te Ziel, es „bis zum Früh­jahr 2017“ins Par­la­ment ein­zu­brin­gen, wird klar ver­fehlt. Und oh­ne ge­nug Pla­nungs­per­so­nal kann auch die ver­ein­bar­te Fi­nanz­sprit­ze von 40 Mil­lio­nen Eu­ro al­lein fürs nächs­te Jahr nicht wir­ken. Soll­te sich die Um­set­zung wei­ter hin­zie­hen, kön­ne das ru­hen­de Volks­be­geh­ren wei­ter­ge­führt wer­den, sagt De­nis Pe­tri vom Fahr­rad-Volks­be­geh­ren. Dann kä­me das Ge­setz wo­mög­lich oh­ne Kom­pro­mis­se – per Volks­ent­scheid.

Der Ver­kehrs­ver­wal­tung at­tes­tiert Pe­tri un­ver­än­dert gu­ten Wil­len, und Be­hör­den­spre­cher Tang kann ers­te Fort­schrit­te mel­den: Die für die Haupt­ver­wal­tung ver­ein­bar­ten „min­des­tens zehn Voll­zeit­stel­len“sei­en in­zwi­schen ver­ge­ben, „aber noch nicht al­le ha­ben ih­re Tä­tig­keit auf­ge­nom­men“. Die zur Pro­jekt­steue­rung ge­grün­de­te In­fra­ve­lo-Gm­bH „hat ein Grün­dungs­team und ei­ne Ge­schäfts­füh­re­rin, die jetzt den Auf­bau der Ge­sell­schaft vor­an­trei­ben“. Par­al­lel wür­den lau­fen­de Pla­nun­gen über­prüft, um mög­lichst bau­li­che Rad­we­ge an­zu­le­gen. Die auf der Fahr­bahn mar­kier­ten, er­fah­rungs­ge­mäß von Falsch­par­kern ok­ku­pier­ten Schutz­strei­fen, sol­le es künf­tig nicht mehr ge­ben.

Am Frei­tag tref­fen sich bei der Ver­kehrs­ver­wal­tung al­le ver­kehrs­po­li­ti­schen Ak­teu­re im „Mo­bi­li­täts­bei­rat“. Von der Sit­zung dürf­te ab­hän­gen, ob die Initia­to­ren des Volks­be­geh­rens sich wei­ter ge­dul­den. Die tags zu­vor ge­sam­mel­ten Zel­te und Le­bens­mit­tel wol­len sie nicht selbst be­hal­ten: Falls sich in der Se­nats­kanz­lei kein Ab­neh­mer fin­de, wür­den sie der „Ta­fel e.V.“ge­spen­det – für noch Be­dürf­ti­ge­re.

Fo­to: Fo­to­lia

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