Fah­ren­schon macht den Weg frei

Nach Steu­er-Af­fä­re des Ver­bands­chefs wol­len re­gio­na­le Spar­kas­sen naht­lo­sen Über­gang or­ga­ni­sie­ren

Der Tagesspiegel - - WIRTSCHAFT - Von F.M. Drost und A. Krö­ner

- Der Prä­si­dent des Deut­schen Spar­kas­sen- und Gi­ro­ver­ban­des (DSGV), Ge­org Fah­ren­schon, zieht Kon­se­quen­zen aus sei­ner Steu­er-Af­fä­re. Nach In­for­ma­tio­nen des „Han­dels­blatts“aus Spar­kas­sen­krei­sen fin­den der­zeit „ver­nünf­ti­ge Ge­sprä­che“über ei­nen Amts­wech­sel statt. Fah­ren­schon ha­be nach der ver­nich­ten­den Kri­tik an sei­nen ver­spä­tet ein­ge­reich­ten Steu­er­er­klä­run­gen zwi­schen 2012 und 2014 ein­ge­se­hen, dass er den Ver­band nicht län­ger füh­ren kön­ne, hieß es. Über die Mo­da­li­tä­ten sei­nes Rück­zugs, der nicht ab­rupt er­fol­gen soll, wer­de der­zeit ver­han­delt.

Ein Macht­va­ku­um will die mäch­ti­ge Spar­kas­sen-Fi­nanz­grup­pe, die aus 390 Spar­kas­sen, elf Ver­si­che­rern, acht Lan­des­bau­spar­kas­sen und sie­ben Lan­des­ban­ken be­steht, aber ver­hin­dern. AmDi­ens­tag ka­men die Chefs der elf re­gio­na­len Spar­kas­sen­ver­bän­de zu­sam­men, um über ei­ne Nach­fol­ge Fah­ren­schons zu spre­chen. Da es sich um ein in­for­mel­les Gre­mi­um han­delt, wur­den kei­ne Be­schlüs­se ge­fasst.

Doch an­ge­sichts des zeit­li­chen Drucks zeich­net sich ab, dass ex­ter­ne Kan­di­da­ten kaum Chan­cen ha­ben. Der neue Spar­kas­sen-Chef muss in zen­tra­len The­men wie Re­gu­lie­rung und Ein­la­gen­si­che­rung sat­tel­fest sein. Und er muss an­ge­sichts des Re­form­be­darfs der Or­ga­ni­sa­ti­on wis­sen, wie die Spar­kas­sen-Fi­nanz­grup­pe tickt.

So sind sich die meis­ten Be­ob­ach­ter ei­nig, dass der nächs­te Spar­kas­sen­prä­si­dent wohl aus den Rei­hen der Re­gio­nal­fürs­ten kom­men wird, oh­ne die in der Or­ga­ni­sa- ti­on nichts läuft. Un­ter ih­nen gilt Tho­mas Mang, Vi­ze­prä­si­dent des DSGVund Prä­si­dent des nie­der­säch­si­schen Spar­kas­sen­ver­bands, als Fa­vo­rit auf die Nach­fol­ge Fah­ren­schons. „Rein fach­lich wä­re da­mit ein naht­lo­ser Über­gang ge­währt“, meint ein Be­ob­ach­ter. Mang sei ein kom­pe­ten­ter An­sprech­part­ner und be­herr­sche sein Me­tier, be­tont auch ei­ne an­de­re Per­son, die re­gel­mä­ßig mit ihm zu­sam­men­ar­bei­tet.

Als DSGV-Prä­si­dent wä­re Mang den­noch ein No­vum. Denn bis­lang war es üb­lich, dass der Spar­kas­sen-Prä­si­dent das Par­tei­buch der Uni­on hat. Doch der 57-jäh­ri­ge ge­bür­ti­ge Bre­mer gilt als par­tei­los. In Spar­kas­sen­krei­sen wird das an­ge­sichts ei­ner sich ab­zeich­nen­den Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on von Uni­on, FDP und Grü­nen der­zeit al­ler­dings eher als Vor­teil ge­se­hen.

Es ist be­kannt, dass Mang nicht zum Fah­ren­schon-La­ger ge­hör­te, als es 2012 um die Nach­fol­ge des DSGV-Prä­si­den­ten Hein­rich Haa­sis ging. Das hat ihn aber nicht da­von ab­ge­hal­ten, ein sehr gu­tes Ar­beits­ver­hält­nis zu Fah­ren­schon zu ent­wi­ckeln, heißt es in der Or­ga­ni­sa­ti­on.

Der Mann mit dem Bürs­ten­haar­schnitt gilt als kon­zi­li­ant im Um­gang, aber hart in der Sa­che. Ei­nen über­zeug­te­ren Ver­fech­ter von Spar­kas­sen-In­ter­es­sen gibt es kaum. Wenn Mang von der DNA der Spar­kas­sen spricht, und was sie aus sei­ner Sicht so ein­zig­ar­tig macht, dann ist Herz­blut zu spü­ren.

Das kommt nicht von un­ge­fähr. Mang ist nicht nur in ei­ner Spar­kas­sen-Fa­mi­lie auf­ge­wach­sen, wie er ein­mal er­zähl­te, er ab­sol­vier­te auch ei­ne Aus­bil­dung bei der Spar­kas­se. Wei­te­re prak­ti­sche Er­fah­run­gen sam­mel­te er als Vor­stands­mit­glied der Spar­kas­se Saar­brü­cken, bis er in den Ver­band wech­sel­te. Nach drei­jäh­ri­ger Vor­stands­tä­tig­keit beim DSGV wur­de er im Jahr 2003 zum Spar­kas­sen-Prä­si­den­ten in Nie­der­sach­sen ge­wählt. Zu­sätz­lich be­klei­det er seit 2011 das Amt des DSGV-Vi­ze­prä­si­den­ten und ist auch Vor­sit­zen­der der Ver­bands­vor­ste­her­kon­fe­renz. Als stell­ver­tre­ten­der Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der der Nor­dLB kennt er sich auch in der Lan­des­ban­ken­sze­ne aus.

Als Man­ko von Mang gilt sei­ne man­geln­de po­li­ti­sche Ver­net­zung in Brüs­sel und Ber­lin – ge­ra­de im Ver­gleich zum ehe­ma­li­gen baye­ri­schen Fi­nanz­mi­nis­ter Fah­ren­schon. Falls Mang das Ren­nen ma­chen soll­te, müss­ten an­de­re Ver­tre­ter des DSGV hier wohl Hil­fe­stel­lung leis­ten, be­to­nen meh­re­re Spar­kas­sen-In­si­der. HB

Fo­to: Rolf Ven­nen­bernd/dpa

Ge­org Fah­ren­schon steht of­fen­bar vor der Ab­lö­sung.

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