Puz­zle

Der Tagesspiegel - - K AUS BERLIN -

tur ei­nes Pa­py­rus, um sie zu er­ken­nen. Da­bei müs­sen die Pi­xel, die zum Pa­py­rus ge­hö­ren, von de­nen der Schrift un­ter­schie­den wer­den. So zu­min­dest der Ide­al­fall, denn meist weist ein Pa­py­rus auch Ris­se, Fal­ten, Be­schä­di­gun­gen und Ver­schmut­zun­gen auf. „Wir ste­hen erst am An­fang“, sagt He­ge und ver­weist auf ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem mo­der­nen Pa­py­rus, den man mit me­tall­hal­ti­ger Tin­te be­schrie­ben, ge­fal­tet, den Pro­zess durch­ge­spielt und ei­ne les­ba­re Schrift er­hal­ten ha­be. „Die Si­cher­heit und Un­ver­sehrt­heit des Ob­jekts geht im­mer vor, da­her wur­de der Test­lauf mit ei­nem mo­der­nen Pa­py­ru­s­päck­chen un­ter­nom­men“, er­klärt Ku­ra­to­rin Verena Lep­per.

Das Ziel ist es, die­sen Pro­zess weit­ge­hend zu au­to­ma­ti­sie­ren. Doch da­von sei man noch weit ent­fernt, gibt Hans-Chris­ti­an He­ge zu be­den­ken. Ein gro­ßes Pro­blem stel­len spe­zi­ell äl­te­re Pa­py­ri dar, die mit Rußt­in­te be­schrie­ben wur­den: das be­deu­tet Koh­len­stoff auf Koh­len­stoff. Auch für die­se Fäl­le ein bild­ge­ben­des Ver­fah­ren zu ent­wi­ckeln, bleibt ei­ne Her­aus­for­de­rung für die Phy­si­ker. „Wir ge­hen da­zu auch mal ans BESSY in Ad­lers­hof oder dem­nächst nach Gre­no­ble, um ge­eig­ne­te Kon­trast­me­cha­nis­men zu fin­den“, sagt In­go Man­ke. Welt­weit sei das bis­her noch nicht ge­lun­gen, doch es ge­be ers­te Teil­er­fol­ge. „Für un­ser Pro­jekt ka­men die Haupt­im­pul­se aus der me­di­zi­ni­schen Bild­ver­ar­bei­tung. Auch da wol­len wir au­to­ma­tisch Struk­tu­ren er­ken­nen, die der Mensch mü­he­los er­fasst“, be­rich­tet He­ge. „Die­se Fä­hig­keit müs­sen wir dem Com­pu­ter erst bei­brin­gen, und da­zu braucht es viel Ma­the­ma­tik.“

Die Ma­the­ma­ti­ker und Na­tur­wis­sen­schaft­ler se­hen sich als Di­enst­leis­ter für an­de­re Wis­sen­schaf­ten, in dem Fall für die Archäo­lo­gen. In Zu­kunft wol­le man auch – ähn­lich wie bei den Sta­si-Ak­ten – ver­su­chen, die Pa­py­ri-Frag­men­te am Com­pu­ter zu­sam­men­zu­set­zen und gar das Sys­tem da­zu zu brin­gen, Schrift­zei­chen zu er­ler­nen und da­mit am En­de Au­to­ren­schaf­ten zu er­mit­teln, sagt He­ge. Das wä­re ei­ne gro­ße Hil­fe für die Archäo­lo­gen, denn die Pa­py­ri von Ele­phan­ti­ne be­fin­den sich nicht nur in den Ber­li­ner Ex­pe­di­ti­ons­kis­ten, son­dern welt­weit in 60 Samm­lun­gen in 24 Län­dern – et­wa im Lou­vre in Pa­ris, im Brook­lyn Mu­se­um in New York, in Syd­ney und To­kyo, be­rich­tet Verena Lep­per. In­so­fern birgt das vir­tu­el­les Ent­fal­ten von Pa­py­ri gro­ßes Po­ten­zi­al, 4000 Jah­re Kul­tur­ge­schich­te zu ent­schlüs­seln.

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