Es schmerzt

Ra­fa­el Na­dal muss bei der Ten­nis-WM auf­ge­ben – Alex­an­der Zverev könn­te da­von pro­fi­tie­ren

Der Tagesspiegel - - SPORT -

Lon­don - Ei­ne he­roi­sche Kampf­an­sa­ge kam Ra­fa­el Na­dal nach sei­nem Rück­zug von den ATP Fi­nals nicht über die Lip­pen. Der er­folg­reichs­te Ten­nis­spie­ler des Jah­res konn­te nicht mehr, sein rech­tes Knie schmerz­te, auf sei­nen ers­ten WM-Ti­tel muss er bis auf Wei­te­res war­ten. „Wir hof­fen, dass wir gut da­mit um­ge­hen, die rich­ti­ge Pau­se ma­chen, gut da­mit ar­bei­ten und ver­su­chen, zum Be­ginn der nächs­ten Sai­son be­reit zu sein“, sag­te der 31-Jäh­ri­ge am Mon­tag­abend in Lon­don. Sein Ziel sei es, auch 2018 in der Welt­spit­ze mit­zu­spie­len. Der Rück­schlag sei „nichts Neu­es“, mein­te der Welt­rang­lis­te-Ers­te, des­sen Kar­rie­re schon häu­fig durch Ver­let­zun­gen un­ter­bro­chen war. „Ich weiß, was ich tun muss“, sag­te er.

Tief ent­täuscht, aber ge­fasst er­klär­te er sei­nen Rück­zug von der Ten­nis-WM in Lon­don. Zu­vor hat­te er am Mon­tag­abend sein Auf­takt­match ge­gen den Au­ßen­sei­ter Da­vid Goff­in ver­lo­ren. Na­dal hat­te da­bei im­mer wie­der Pro­ble­me, kämpf­te sich aber mehr­fach spek­ta­ku­lär ins Match zu­rück.

Er hät­te auch bei ei­nem Sieg auf­ge­ge­ben, das ha­be er wäh­rend des Spiels we- gen der Schmer­zen ent­schie­den, be­ton­te er. Noch zwei Mat­ches in der Grup­pen­pha­se der ATP-WM zu spie­len, das ha­be er nicht ver­dient. „Ich hat­te ei­ne groß­ar­ti­ge Sai­son“, sag­te er, wei­nen müs­se er nicht. 2017 war der 16-ma­li­ge Grand-Slam-Tur­nier­sie­ger end­lich wie­der kon­stant fit, ge­wann un­ter an­de­rem die US Open und zum zehn­ten Mal sein Lieb­lings­tur­nier, die French Open in Pa­ris.

Ei­ne gro­ße Über­ra­schung ist sein Rück­zug nicht, weil Na­dal be­reits bei sei­nem letz­ten Tur­nier vor den Fi­nals an Schmer­zen ge­lit­ten hat­te und aus­ge­stie­gen war. Sein der­zeit stärks­ter Kon­kur­rent Ro­ger Fe­de­rer hat­te schon vor dem WM-Be­ginn Na­dals mög­li­chen Rück­zug als „gro­ßen Ver­lust“be­zeich­net.

Der 36 Jah­re al­te Schwei­zer ist nun der WM-Top­fa­vo­rit. Zu­dem ist der Zwei­te der Welt­rang­lis­te auch der letz­te Su­per­star, der bei der Ver­an­stal­tung der bes­ten acht Pro­fis des Jah­res da­bei ist. Ei­ni­ge Top­spie­ler wie No­vak Djo­ko­vic und An­dy Mur­ray hat­ten oh­ne­hin we­gen Ver­let­zun­gen die Fi­nals ver­passt.

Auf den vie­len Pos­tern rund um die Lon­do­ner Are­na do­mi­nie­ren über­le­bens­gro­ße Bil­der des Schwei­zers und des Spa­ni­ers, ein Show­down der Rou­ti­niers war er­war­tet wor­den, doch dar­aus wird nichts mehr. Nach­rü­cker Pa­blo Car­reno Bus­ta hat die Strahl­kraft sei­nes Lands­manns Na­dal na­tür­lich nicht. Der 26-Jäh­ri­ge hat in sei­ner Kar­rie­re bis­lang drei Tur­nie­re ge­won­nen, Na­dal 75.

Ei­ne Chan­ce ist der Rück­zug in­des nicht nur für den SPa­nier Bus­ta, son­dern auch für die vie­len an­de­ren jun­gen Tur­nier­teil­neh­mer. Na­dals Be­zwin­ger, der Bel­gi­er Goff­in, hat gu­te Chan­cen auf den Sieg in der Grup­pe A. Auch der Ru­mä­ne Gri­gor Di­mitrow hat sich mit sei­nem Auf­takt­er­folg ge­gen Do­mi­nic Thiem aus Ös­ter­reich in ei­ne aus­sichts­rei­che Po­si­ti­on ge­bracht. Der Ers­te und Zwei­te der bei­den Vie­rer­grup­pen er­rei­chen je­weils das Halb­fi­na­le.

Auch der auf­stre­ben­de deut­sche Ten­nis­pro­fi Alex­an­der Zverev könn­te von Na­dals Aus pro­fi­tie­ren. Er spielt in der Grup­pe B mit Fe­de­rer. Am Di­ens­tag­abend (nach Re­dak­ti­ons­schluss die­ser Aus­ga­be) kam es zum Du­ell der Bei­den. Soll­te mit Zverev der dritt­bes­te Pro­fi des Jah­res den Sprung in die Run­de der letz­ten vier Spie­ler schaf­fen, wür­de dort ei­ne deut­lich lös­ba­re­re Auf­ga­be war­ten als ein zu­vor mög­li­ches Du­ell mit Na­dal.

Fo­to: To­ny O’Bri­en/Reu­ters

Adi­os. Für Na­dal geht ei­ne tol­le Sai­son ent­täu­schend zu En­de.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.