Jetzt mit Dutt

Die Fleet Fo­xes in der Co­lum­bia­hal­le

Der Tagesspiegel - - KULTUR -

Als Ro­bin Peck­nold die­ses Jahr zu­sam­men mit sei­ner Band Fleet Fo­xes ein neu­es Al­bum ver­öf­fent­lich­te, nach ei­ner im Pop ei­gent­lich töd­lich lan­gen Pau­se von sechs Jah­ren, muss­te man sich al­lein we­gen des Ti­tels ein biss­chen Sor­gen ma­chen. „Crack Up“heißt die­ses drit­te Fleet-Flo­xes-Al­bum, durch­aus be­wusst auf die Es­says ver­wei­send, die der schwer al­ko­hol­kran­ke ame­ri­ka­ni­sche Schrift­stel­ler F. Scott Fitz­ge­rald 1936 als krea­ti­ven Of­fen­ba­rungs­eid in der Zeit­schrift „Es­qui­re“ver­öf­fent­lich­te, vier Jah­re vor sei­nem Tod.

Da­von­kann beim „Crack Up“der aus Se­at­tle stam­men­den Band je­doch kei­ne Re­de sein, trotz ge­le­gent­li­cher Zei­len, die ein va­ges Schei­tern an­deu­ten. Die neu­en Stü­cke sind noch ei­ne Spur fein­sin­ni­ger und kom­ple­xer ge­ra­ten als auf den Vor­gän­ge­ral­ben, ei­ner­seits schwe­rer zu­gäng­lich (wo­er­klingt sie bloß, die Me­lo­die?), da feh­len die of­fen­sicht­li­chen Hits. An­de­rer­seits ist ins­ge­samt ei­ne ge­wis­se Ent­spannt­heit zu spü­ren, nicht al­les auf die mehr­stim­mi­gen glo­cken­hel­len, ach so rei­nen Ge­s­angs­mo­men­te der Band aus­ge­rich­tet.

Als die sechs Fleet-Fo­xes-Mu­si­ker am Mon­tag­abend in der aus­ver­kauf­ten Co­lum­bia­hal­le die Büh­ne be­tre­ten, fällt zu­nächst auf, dass sie viel we­ni­ger zer­sau­selt und nach­läs­sig aus­se­hen als bei ih­rem Er­schei­nen in der Pop­welt vor gut zehn Jah­ren. Die

Müt­zen sind ver­schwun­den, die Voll­bär­te ab oder ge­pflegt ge­stutzt, und

Ro­bin Peck­nold trägt jetzt ei­nen klei­nen, nach hin­ten ge­bun­de­nen Dutt, so­wie­so die de­mo­kra­tischs­te Fri­sur der Welt. Ei­ne Mi­schung aus zeit­lo­ser Fol­kund kurz vor dem Ab­schluss ste­hen­der Stu­den­ten­band, ganz oh­ne das Hip­ness-Image, mit dem die Band vor Jah­ren auch we­gen des an­schwel­len­den Neound Weird-Folk-Booms häu­fig kon­fron­tiert wur­de.

Über­ra­schen­der­wei­se be­ginnt die Band ih­ren Set kon­zi­se, mit klar struk­tu­rier­ten, nach vorn ge­spiel­ten Songs, mit den selbst in der Co­lum­bia­hal­le schön klar tö­nen­den Vo­kal­har­mo­ni­en von Peck­nold, Bas­sist Chris­ti­an War­go und Key­boar­der Ca­sey Wes­cott. Was fast ein we­nig lang­wei­lig an­mu­tet: Könn­te es nicht ei­ne Idee ver­schach­tel­ter sein? Und was ist mit Hits wie „Blue Ridge Moun­tain“oder „My­ko­nos“? Da­mit lässt die Band sich je­doch Zeit; im­mer wie­der tau­schen sie vorn die Gi­tar­ren. Ein­mal wäh­rend des Sets und schließ­lich noch zur Zu­ga­be singt Peck­nold al­lein und be­glei­tet sich da­zu mit der akus­ti­schen Gi­tar­re. Das Fürch­ten lehrt nur der ge­le­gent­li­che Ge­brauch von Sa­xo­fon, Kon­tra­bass oder Qu­er­flö­te, der un­nö­tig er­scheint, die Songs nicht schö­ner macht. Am En­de erst be­kommt man­ches Stück das für die Fleet Fo­xes so ty­pisch Skulp­tu­ra­le, und woh­lig ein­ge­frie­det und po­si­tiv be­seelt macht man sich da­nach auf den Heim­weg durch das kal­te Ber­lin.

Vie­le Songs die­ser

Band aus Se­at­tle ha­ben et­was Skulp­tu­ra­les

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