Drush­ba!

Die Bran­den­bur­gi­schen Som­mer­kon­zer­te fei­ern dies­mal die Kul­tur­na­ti­on Russ­land

Der Tagesspiegel - - KULTUR -

Für ih­re 28. Sai­son ha­ben die Bran­den­bur­gi­schen Som­mer­kon­zer­te erst­mals ei­ne Na­ti­on als the­ma­ti­schen Schwer­punkt aus­ge­sucht. Dass die Wahl da­bei auf Russ­land fiel, pro­vo­zier­te bei der Pro­gramm­prä­sen­ta­ti­on des Fes­ti­vals kri­ti­sche Fra­gen: Ob es an­ge­sichts der rü­den Art, mit der Pu­tins Re­gie­rung re­gime­kri­ti­sche Künst­ler be­han­delt, wirk­lich op­por­tun sei, die­sem Land ei­ne Büh­ne zu bie­ten, zu­mal in Ko­ope­ra­ti­on mit der rus­si­schen Bot­schaft. Doch so ge­samt­ge­sell­schaft­lich hat der pri­va­te Ver­ein, der die Som­mer­kon­zer­te be­treibt, gar nicht ge­dacht. Aus­schlag­ge­bend wa­ren für den

Vor­stand un­ter dem

Vor­sitz von Heil­walt

Georg Krö­ner al­lein künst­le­ri­sche Mo­ti­ve. Die Lie­be zur rus­si­schen Mu­sik näm­lich.

Und zur rus­si­schen Li­te­ra­tur. In

Ko­ope­ra­ti­on mit der

Ba­bels­ber­ger Fil­m­u­ni­ver­si­tät wer­den Schau­spiel-Stu­die­ren­de das Rah­men­pro­gramm ge­stal­ten, mit Le­sun­gen aus Wer­ken von Tol­stoi, Tsche­chow, Dos­to­je­w­ski, Bul­ga­kow und Schusch­kin. Als Star­gast stellt zu­dem Wla­di­mir Ka­mi­ner sein Buch „Ei­ni­ge Din­ge, die ich über mei­ne Frau weiß“vor. Und der frü­he­re Mi­nis­ter­prä­si­dent Matthias Platz­eck be­schäf­tigt sich in ei­nem Vor­trag mit der Fra­ge „Deutsch­land, Russ­land, Eu­ro­pa – brau­chen wir ein­an­der?“.

Beim Er­öff­nungs­kon­zert am 17. Ju­ni in Frank­furt/Oder spielt Ser­gey Do­ga­din Tschai­kow­skys Vio­lin­kon­zert, in Wünstorf, wo einst das Ober­kom­man­do der so­wje­ti­schen Streit­kräf­te sta­tio­niert war, ge­stal­tet Bo­ris Spas­ski ein Kla­vier-Re­ci­tal. Rein rus­sisch be­setzt ist das Ra­s­tel­li Cel­lo Quar­tett, das am 29. Ju­li in Bran­den­burg/Ha­vel auf­tritt, Mu­sik von Rach­ma­ni­now steht am 18. Au­gust im Mit­tel­punkt des Bran­den­bur­gi­schen Dorf­kir­chen­kar­rus­sells.

Ein mu­si­ka­li­sches „Ge­gen­gift“bie­tet am 24. Ju­ni das Deut­sche Film­or­ches­ter Ba­bels­berg – bei ei­nem Kon­zert mit Ja­mes-Bond-Sound­tracks in der hol­ly­woodrei­fen Ku­lis­se des In­dus­trie­parks „Schwar­ze Pum­pe“in Sprem­berg. Stramm west­lich ori­en­tiert zeigt sich auch das St­abs­mu­sik­korps der Bun­des- wehr am 2. Sep­tem­ber in Lüb­ben­au mit Hits von Queen, den Beat­les und Lud­wig van Beet­ho­ven.

Ne­ben welt­weit be­kann­ten Na­men wie der Gei­ge­rin Mi­do­ri (am 7. Ju­li in Kö­nigs Wus­ter­hau­sen) oder dem Winds­ba­cher Kn­a­ben­chor (22. Ju­li in Bad Wils­nack) la­den die Bran­den­bur­gi­schen Som­mer­kon­zer­te be­son­ders ger­ne un­ge­wöhn­li­che For­ma­tio­nen ein: Dies­mal wer­den die vier Mund­har­mo­ni­ka­vir­tuo­sen der fin­ni­schen Grup­pe „Sväng“das Pu­bli­kum ver­blüf­fen, au­ßer­dem der Tu­bist Tho­mas Le­leu, das Per­cus­sion-Duo „Dou­ble Beats“, das Cuar­te­to Rot­ter­dam (mit ei­nem Tan­go-Pro­gramm) so­wie die Sän­ge­rin­nen des Ni­ni­we-Vo­kal­quar­tetts, die Jaz­zi­ges mit Klas­si­schem mi­schen.

Was die­ses Fes­ti­val aus­macht, brach­te Fried­rich-Wil­helm von Rauch bei der Pro­gramm­prä­sen­ta­ti­on auf den Punkt, der Ver­tre­ter des treu­en Spon­sors „Ost­deut­sche Spar­kas­sen­stif­tung“: ei­ne „In­ten­si­vie­rung des Bran­den­burg-Ge­fühls“näm­lich. Na­tür­lich kann man sich auch nur der Na­tur we­gen auf den Weg ma­chen – mit ei­nem Kon­zert als Ziel­punkt aber wird der Aus­flug zur ech­ten Land­par­tie. Zu dem man üb­ri­gens nicht in Rai­nal­dG­re­be-Ma­nier sein Es­sen sel­ber mit­brin­gen muss. Ums Kaf­fee-Ku­chen-Ca­te­ring vor Ort küm­mern sich stets die je­wei­li­gen Ge­mein­den.

In Wünstorf, wo einst die So­wjet­ar­mee saß, tritt Pia­nist Bo­ris Spas­ski auf

— Wei­te­re In­fos un­ter www.bran­den­bur­gi­sche-som­mer­kon­zer­te.org

Fo­to: Pier­gab

Vol­les Rohr. Tu­bist Tho­mas Le­leu spielt am 28. Ju­li in Alt Rup­pin.

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