Der Zünd­stoff

In den Raf­fi­ne­ri­en spie­len die Ar­bei­ter Do­mi­no, drau­ßen vor dem Tor hun­gern ih­re Kin­der. Ve­ne­zue­la sitzt auf ei­nem der größ­ten Öl­schät­ze der Welt – und kann ihn nicht he­ben. Wer Fra­gen stellt, ris­kiert mehr als sei­nen Job

Der Tagesspiegel - - DIE REPORTAGE - Von Ro­land Pe­ters, Pun­to Fi­jo/Ve­ne­zue­la

Die ei­ne Hand reicht dem Tank­wart ei­nen wert­lo­sen Bolívar-Schein, die an­de­re hält ei­nen Be­cher mit bil­li­gem Rum. Es­te­ban López nimmt ei­nen Schluck, dreht den Zünd­schlüs­sel und tritt aufs Gas. „Al­le wol­len Ben­zin“, sagt er, „aber sie ha­ben kei­ne Ah­nung, wo es her­kommt.“Er weiß es. Im Hand­schuh­fach liegt sein Ar­beits­aus­weis der Erd­öl­raf­fi­ne­rie Amu­ay.

Die Plas­tik­kar­te ver­schafft ihm Zu­gang zu ei­nem Ort, an de­mall das zu­sam­men­zu­lau­fen scheint, was sein Land und des­sen Be­woh­ner in im­mer schnel­ler wer­den­dem Tem­po in den Un­ter­gang führt. Ein Land, un­ter dem Erd­öl la­gert, das gleich­zei­tig aber Ben­zin im­por­tie­ren muss.

Es­te­ban López, Drei­ta­ge­bart, Bril­le mit gelb ge­tön­ten Glä­sern vor ver­schwitz­tem Ge­sicht, lebt auf der ka­ri­bi­schen Halb­in­sel Pa­ra­guaná im Wes­ten Ve­ne­zue­las. Hier ver­sucht er, für das Über­le­ben sei­ner Fa­mi­lie zu sor­gen. „Je­den Mor­gen ist es, als stie­ge ich in ei­nen Box­ring.“

Er kämpft ge­gen den Zu­sam­men­bruch der Öl­in­dus­trie – von der die ge­sam­te Volks­wirt­schaft Ve­ne­zue­las ab­hängt. Trotz Wäh­rungs­re­form im Au­gust er­hält López um­ge­rech­net nur 15 US-Dol­lar mo­nat­lich. Da­vor wa­ren es vier. „Wir soll­ten al­les pri­va­ti­sie­ren, dann gibt es auch wie­der gut be­zahl­te Jobs.“Die Tank­stel­le ver­schwin­det lang­sam im Rück­spie­gel.

Bald dar­auf hält Es­te­ban López, der nicht möch­te, dass sein tat­säch­li­cher Na­me öf­fent­lich wird, vor dem Haupt­tor der Raf­fi­ne­rie. PDVSA steht dar­über, Pe­tró­le­os de Ve­ne­zue­la S.A.; wei­ße Buch­sta­ben auf ro­tem Grund, ein­ge­rahmt von Pal­men. Seit 2003 ar­bei­tet López hier. „Seit 2012 sa­gen sie, die Raf­fi­ne­ri­en ren­tie­ren sich nicht mehr.“Sie, das sind die Cha­vis­ten in der Raf­fi­ne­rie, die Un­ter­stüt­zer von Prä­si­dent Ni­colás Ma­du­ro und des­sen so­zia­lis­ti­scher Re­gie­rungs­par­tei PSUV.

Der 42-Jäh­ri­ge will an­schau­lich ma­chen, wie das Staats­un­ter­neh­men die An­la­gen im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt ab­ge­wirt­schaf­tet hat. Die Raf­fi­ne­rie Amu­ay ar­bei­tet nur noch bei ei­nem Drit­tel ih­rer Leis­tungs­fä­hig­keit. Zu­gleich fließt das Roh­öl spär­lich, die För­de­rung ist so ge­ring wie seit den 1950er Jah­ren nicht mehr. Im Ver­gleich zu 2013, als der ehe­ma­li­ge Prä­si­dent Hu­go Chá­vez starb, för­dert nur noch ein Drit­tel der Bohr­lö­cher et­was, 1,45 Mil­lio­nen Fass pro Tag. Das Brut­to­in­lands­pro­dukt wird sich am En­de die­ses Jah­res – im Ver­gleich zu Chá­vez’ To­des­jahr – wo­mög­lich mehr als hal­biert ha­ben.

Die lan­des­ei­ge­ne Le­bens­mit­tel­pro­duk­ti­on reicht nicht aus, um die Be­völ­ke­rung zu er­näh­ren, für Im­por­te fehlt das Geld. 4,5 Mil­lio­nen Men­schen lit­ten im ver­gan­ge­nen Jahr an Man­gel­er­näh­rung. Zwei Drit­tel der Ein­woh­ner ver­lo­ren in die­ser Zeit im Schnitt 11,4 Ki­lo­gramm ih­res Kör­per­ge­wichts, so be­zif­fert es ei­ne Stu­die der ve­ne­zo­la­ni­schen Zen­tral­uni­ver­si­tät UCV. Hun­dert­tau­sen­den Kin­dern dro­he der Hun­ger­tod, warnt die Ca­ri­tas. Die Men­schen wan­dern aus.

Von 2014 bis En­de 2017 flo­hen laut Flücht­lings­hilfs­werk UNHCR 1,5 Mil­lio­nen Men­schen aus Ve­ne­zue­la, fünf Pro­zent der Be­völ­ke­rung. Die Op­po­si­ti­on spricht von bis zu fünf Mil­lio­nen in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren. Von 146 000 PDVSA-Mit­ar­bei­tern im Jahr 2016 wa­ren im Ja­nu­ar 2018 noch 121 000 da. Spe­zia­lis­ten, die schwer zu er­set­zen sind, ge­hen. Un­ge­lern­te blei­ben.

Es­te­ban López wür­de viel­leicht sei­nen Ar­beits­platz ver­lie­ren, soll­te er sich zu er­ken­nen ge­ben. Er könn­te auch ins Ge­fäng­nis kom­men, ver­schwin­den, ster­ben wie an­de­re Op­po­si­tio­nel­le. Doch er will re­den dar­über, weil er manch­mal nicht weiß, wie er et­was zu es­sen kau­fen soll. Weil die Was­ser­häh­ne zu Hau­se in der an­gren­zen­den Stadt Pun­to Fi­jo manch­mal ei­nen Mo­nat lang tro­cken blei­ben, nie­mand den Müll ab­holt, man ihm nachts vor sei­nem Haus die Rä­der vom Au­to stiehlt. Ein Rei­fen war im Mai das Fünf­zig­fa­che ei­nes mo­nat­li­chen Min­dest­lohns wert. Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds be­zif­fert die vor­aus­sicht­li­che In­fla­ti­ons­ra­te für die­ses Jahr auf mehr als ei­ne Mil­li­on Pro­zent.

„Ich ha­be kei­ne Zu­kunft“, sagt López. „Ich füh­le kaum noch et­was.“Da sein Ein­kom­men nicht aus­reicht, lebt ei­ne sei­ner Töch­ter bei ih­rer Groß­mut­ter. Er hat noch sei­ne Schwes­ter, die im Aus­land lebt. Wenn sie Geld über­weist, ist es ein be­schä­men­der Fest­tag. Frü­her, da flog Es­te­ban López von sei­nem Ge­halt zu ihr in den Ur­laub, wan­der­te in den Schwei­zer Al­pen und träum­te da­von, was Ve­ne­zue­la von Eu­ro­pa ler­nen könn­te. Heu­te kann er sich nicht ein­mal mehr leis­ten, in die Haupt­stadt Ca­ra­cas zu fah­ren.

Er setzt die Son­nen­bril­le ab, greift nach sei­nem Han­dy und zeigt die Bil­der, die er mal­te, als er noch Far­ben hat­te. Wüs­ten­ge­wäch­se in Acryl. Nie­mand mö­ge die­se Pflan­zen so rich­tig, sagt er. Aber sie bräuch­ten kei­ne Zu­nei­gung, sie wür­den oh­ne­hin nur den Man­gel ken­nen. „Manch­mal“, sagt Es­te­ban López, „füh­le ich mich wie ein Kak­tus.“

Raf­fi­na­ti­on ist in Ve­ne­zue­la ein Ver­lust­ge­schäft. Auch aus Angst vor Auf­stän­den ver­schenkt die so­zia­lis­ti­sche Re­gie­rung das Ben­zin der PDVSA prak­tisch an die Be­völ­ke­rung und muss wei­te­res im­por­tie­ren, weil die Pro­duk­ti­on für den ei­ge­nen Ver­brauch nicht aus­reicht. Da­mit Amu­ay Ben­zin her­stel­len kann, fließt Öl vom Ma­ra­cai­bo-See in der be­nach­bar­ten Re­gi­on Zu­lia durch zwei Pi­pe­lines nach Nor­den. Bei ih­rer Er­öff­nung vor fast 70 Jah­ren pro­du­zier­te kei­ne Raf­fi­ne­rie der Welt mehr. Doch die al­ten Qu­el­len lie­fern im­mer we­ni­ger, weil ih­re In­stand­hal­tung ver­nach­läs­sigt wur­de. Die letz­ten wer­den sich in 30, 40 Jah­ren er­schöpft ha­ben.

Als Ret­tung für die öl­fi­xier­te Wirt­schaft Ve­ne­zue­las gilt der Ori­no­co-Gür­tel – ein mehr als 600 Ki­lo­me­ter lan­ger Strei­fen nörd­lich des Ori­no­co – im Lan­des­in­nern; ein rie­si­ges Öl­feld mit Re­ser­ven für Hun­der­te Jah­re För­de­rung. Der Staat hat je­doch kaum Geld für In­ves­ti­tio­nen.

Ei­ne an­de­re Mög­lich­keit wä­ren Pri­vat­in­ves­ti­tio­nen, die kein Ta­bu für die so­zia­lis­ti­sche Füh­rung sind. Aber in­ter­na­tio­na­len Öl­kon­zer­nen ist die La­ge im Land viel zu in­sta­bil. Schon ein­mal ver­lo­ren sie Mil­li­ar­den am Ori­no­co, weil Chá­vez im Hand­streich die Re­geln än­der­te und Fir­men­ei­gen­tum ver­staat­lich­te.

Es­te­ban López biegt ab auf ei­ne Stra­ße, die au­ßen um die An­la­ge her­um­führt. Von da aus deu­tet er auf die De­stil­le­rie, das Herz der Raf­fi­ne­rie. Dort ar­bei­tet er, dort wird Ben­zin aus dem Roh­öl ge­won­nen; oder an­ders: soll­te ge­won­nen wer­den. „Al­les in der Raf­fi­ne­rie ist ka­putt“, sagt er.

Er er­zählt, dass die Raf­fi­ne­rie seit fast zehn Jah­ren nicht mehr rich­tig ge­war­tet wer­de. Dass Öl vom Ma­ra­cai­bo-See kaum noch her­kä­me und je­nes vom Ori­no­co, das teer­ar­tig ist, die An­la­gen zer­frisst.

Ar­bei­ter spie­len den gan­zen Tag Do­mi­no, sagt Lopez, an­de­re Kol­le­gen tau- chen nur noch we­gen des Be­trieb­ses­sens auf, ih­re Kin­der war­ten hung­rig vor den To­ren. Statt Ar­beits­ein­satz wer­de Par­tei­treue an­er­kannt. Dass die Ar­beits­mo­ral in der Raf­fi­ne­rie frag­wür­dig ist und die An­la­gen in schlech­tem Zu­stand sind, sagt auch der re­gie­rungs­treue Chef der Öl­ar­bei­ter­ge­werk­schaft.

Um­schlos­sen von Mau­ern und Zäu­nen macht das Ge­län­de von Amu­ay in der Nach­mit­tags­son­ne den Ein­druck, auf­ge­ge­ben wor­den zu sein. Wach­tür­me sind mit Holz­plat­ten ver­ram­melt. Der Ka­ri­bik­wind drückt Plas­tik­tü­ten ge­gen die Ma­schen­draht­to­re. Wie ei­ne of­fe­ne Wun­de lie­gen die Fun­da­men­te ei­ner Po­li­zei­wa­che da, die 2012 von ei­ner Gas­ex­plo­si­on fort­ge­fegt wur­de. Da­mals star­ben 55 Men­schen. Ei­ne rie­si­ge Fa­ckel lo­dert, die Raf­fi­ne­rie muss über­schüs­si­ge Ga­se ver­bren­nen: Methan, Pro­pan, Bu­tan. Sie kön­nen nicht mehr für den Ver­kauf ab­ge­füllt wer­den, weil die nö­ti­gen Kom­pres­so­ren feh­len. Als Nächs­tes zeigt Es­te­ban López auf ei­nen gro­ßen wei­ßen Tank. Dar­auf steht weit­hin sicht­bar „Re­fi­nar con se­gu­ri­dad es nue­s­tra prio­ri­dad“, si­cher zu raf­fi­nie­ren ist un­se­re Prio­ri­tät. López sagt, an der Ex­plo­si­on vor sechs Jah­ren sei­en feh­len­de Er­satz­tei­le schuld ge­we­sen.

Ei­ne von Amu­ays drei De­stil­le­ri­en funk­tio­niert ei­ni­ger­ma­ßen zu­ver­läs­sig. Die größ­te wird aus Furcht vor Ex­plo­sio­nen im­mer wie­der an­ge­hal­ten. In der drit­ten „be­kam ein Wär­me­tau­scher ein Loch, we­gen des Drucks wur­de es grö­ßer, das aus­tre­ten­de Öl ent­zün­de­te sich und steck­te Ben­zin da­ne­ben in Brand.“Seit­her steht die An­la­ge still.

Kurz nach der Jahr­tau­send­wen­de er­war­te­ten in­ter­na­tio­na­le Ana­lys­ten we­gen stei­gen­der Nach­fra­ge auf Jahr­zehn­te ei­nen Öl­preis von min­des­tens 100 Dol­lar pro Fass. Die PDVSA be­gann, am Ori­no­co zu in­ves­tie­ren, pro­pa­gier­te „Weit­sicht für Na­ti­on, Volk und Re­vo­lu­ti­on“und ver­sprach, das Öl in den Di­enst al­ler zu stel­len. Die al­ten Qu­el­len wa­ren nicht mehr wich­tig.

Mit de­ren Roh­ö­l­ein­nah­men fi­nan­zier­te das Un­ter­neh­men aber zum Bei- spiel So­zi­al­woh­nun­gen. Es sub­ven­tio­nier­te den Kom­plex in Pa­ra­guaná und da­mit das Ben­zin der Be­völ­ke­rung. Im Jahr 2008 ka­men die Fi­nanz­kri­se und der Fracking-Öl-Boom in den USA. Das An­ge­bot wuchs, der Öl­preis sank, doch die PDVSA blieb bei ih­rer Stra­te­gie und Ve­ne­zue­la ver­schul­de­te sich. Dem Land ging das Geld aus, es druck­te neu­es.

Der Sün­den­fall je­doch ist für heu­ti­ge Op­po­si­tio­nel­le Chá­vez’ Macht­kampf ge­gen die Öl­in­dus­trie in den Jah­ren 2001 bis 2003. Die PDVSA war im Jahr 1976 ver­staat­licht wor­den, aber ih­re Ma­na­ger führ­ten die Ge­sell­schaft wei­ter­hin wie ein Pri­vat­un­ter­neh­men. Chá­vez er­höh­te per De­kret die Ab­ga­ben auf Öl­för­de­rung für ver­blie­be­ne Pri­vat­un­ter­neh­men und schrieb ei­ne staat­li­che Mehr­heits­be­tei­li­gung vor. Dann in­stal­lier­te er re­gie­rungs­treue Ma­na­ger bei der PDVSA. Erst putsch­te das Mi­li­tär er­folg­los ge­gen das Staats­ober­haupt, dann leg­ten Wirt­schafts­ver­bän­de ge­mein­sam mit wie­der ein­ge­setz­ten markt­li­be­ra­len PDVSA-Ma­na­gern mo­na­te­lang die Pro­duk­ti­on der Öl­ge­sell­schaft und da­mit das Land lahm, um Chá­vez hand­lungs­un­fä­hig zu ma­chen. Ver­geb­lich. Chá­vez kün­dig­te 18 000 Mit­ar­bei­tern. Heu­te, ein­ein­halb Jahr­zehn­te spä­ter, len­ken re­gie­rungs­treue Ar­mee­of­fi­zie­re die PDVSA.

Ei­ner der von Chá­vez vor dem Putsch ein­ge­setz­ten Vor­stän­de war Car­los Men­do­za. „Ich ha­be heu­te ein paar Man­gos ge­sam­melt, et­was ge­le­sen und Mu­sik ge­hört, nun bin ich in mei­nem Gar­ten“, brummt die Stim­me des 76-Jäh­ri­gen freu­dig aus dem Te­le­fon. Manch­mal bricht die Lei­tung ins süd­li­che Ca­ra­cas ab. Men­do­za er­zählt, wie er als jun­ger Mann in den ve­ne­zo­la­ni­schen Ber­gen als re­vo­lu­tio­nä­rer Kom­mu­nist kämpf­te, ins Ge­fäng­nis und so­wje­ti­sche Exil muss­te, zu­rück- kehr­te und sich für den So­zia­lis­mus en­ga­gier­te, Wirt­schaft stu­dier­te und lehr­te. Dann mach­te Chá­vez ihn zum Ma­na­ger bei der PDVSA.

Die gu­te Lau­ne ver­fliegt, als Men­do­za auf die Ur­sa­chen des Nie­der­gangs der Raf­fi­ne­rie und der Öl­in­dus­trie zu spre­chen kommt. „Wir ha­ben im Ori­no­co-Gür­tel ei­ne der größ­ten Re­ser­ven der Welt, war­um soll­ten wir nicht auch der größ­te Pro­du­zent wer­den?“– dies sei die Fir­men­stra­te­gie ge­we­sen. Da­für soll­te die Pro­duk­ti­on von 2015 bis 2019 um vier Mil­lio­nen Fass pro Tag ge­stei­gert wer­den. Car­los Men­do­za spricht jetzt sehr laut. „Ei­ne il­lu­so­ri­sche Pla­nung, die uns ins Un­glück ge­stürzt hat. Als wenn ein Ent­chen schwan­ger wer­den könn­te!“

„Auch in­ter­na­tio­na­le Ak­teu­re ha­ben sich Il­lu­sio­nen ge­macht“, sagt Men­do­za. Man sei da­von aus­ge­gan­gen, dass sich die Re­ser­ven des so­ge­nann­ten leich­te­ren Öls welt­weit er­schöp­fen wür­den und die För­de­rung des schwe­ren, schwe­fel­hal­ti­gen aus­ge­baut wür­de. Nie­mand ha­be mit dem Fracking-Boom in den USA ge­rech­net. „Ve­ne­zue­la ist die Ti­ta­nic, das Schiff sinkt und die Öl­po­li­tik ist das Orches­ter.“

Ir­gend­wann, es muss 2010 ge­we­sen sein, wur­de Es­te­ban López von sei­nem Pos­ten ab­ge­holt. Ein Sol­dat sperr­te ihn in ei­nen en­gen Raum und ver­hör­te ihn. „Uns ge­fällt nicht, wie du denkst, ha­ben sie mir ge­sagt.“Er pas­se sich zu we­nig an, stel­le zu vie­le Fra­gen. Es­te­ban López re­de­te sich ir­gend­wie her­aus. „Du lernst, mit der Heu­che­lei zu le­ben.“

Im Jahr des Ver­hörs, er­zählt er wei­ter, sei in der Raf­fi­ne­rie der Strom aus­ge­fal­len. Lei­tun­gen ver­stopf­ten. „Wir konn­ten sie mit viel Auf­wand rei­ni­gen und ha­ben dem Un­ter­neh­men viel Zeit und Geld ge­spart.“Als er den Be­richt dar­über ein­reich­te, be­schimpf­te sein Chef ihn. Er sei wäh­rend des Strom­aus­falls nicht bei ei­ner po­li­ti­schen Ver­an­stal­tung ge­we­sen, um Mit­glied der Re­gie­rungs­par­tei PSUV zu wer­den. Es­te­ban López tippt sich an die Schlä­fe. „Seit­her bin ich über­zeugt, dass sie ver­rückt sind.“

Spe­zia­lis­ten ver­las­sen in Scha­ren das Land, Un­ge­lern­te blei­ben

In­ves­to­ren auf der gan­zen Welt ha­ben sich Il­lu­sio­nen ge­macht

Fo­to: ima­go/ZUMA Press

Tr­ü­bes Ge­wäs­ser. Frü­her si­cher­te das Öl vom schwarz ge­färb­ten Ma­ra­cai­bo-See Exis­ten­zen. Heu­te ge­langt es nicht mehr durch die ma­ro­den Pi­pe­lines.

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