Neu­es vom Geis­ter­haus

Be­zirk darf ge­erb­te Im­mo­bi­lie nicht ver­kau­fen. Auf­la­ge des Tes­ta­ments soll durch­ge­setzt wer­den

Der Tagesspiegel - - BERLIN - Fa­ti­na Kei­la­ni

Die leer­ste­hen­de Vil­la in der Sch­mar­je­stra­ße 14 in Zeh­len­dorf darf nicht ver­kauft wer­den. Das be­schloss das Land­ge­richt am Frei­tag ver­gan­ge­ner Wo­che per einst­wei­li­ger Ver­fü­gung; er­wirkt hat es der Ber­li­ner Rechts­an­walt Ro­land Krau­se. Ihm ge­lang es, glaub­haft zu ma­chen, dass das Land Ber­lin das Grund­stück ver­kau­fen will und dass da­mit die Voll­zie­hung der Auf­la­ge des Tes­ta­ments nicht mehr ge­währ­leis­tet wä­re. Das Ve­r­äu­ße­rungs­ver­bot ließ er auch im Grund­buch ein­tra­gen.

Der Land­ge­richts­be­schluss liegt dem Ta­ges­spie­gel vor. Er hat bei al­len Be­tei­lig­ten gro­ße Über­ra­schung aus­ge­löst. „Wir wuss­ten da­von nichts, und im Grun­de ist es uns auch egal, denn wir wol­len ja gar nicht, dass das Haus ver­kauft wird“, heißt es sinn­ge­mäß aus der Fi­nanz­ver­wal­tung, ge­gen die sich der Be­schluss rich­tet, weil das Land als Ei­gen­tü­mer im Grund­buch steht. Dort hält man sich für den fal­schen Adres­sa­ten: „Das Grund­stück ge­hört zum Fach­ver­mö­gen des Be­zirks“, so die Fi­nanz­ver­wal­tung. Rechts­mit­tel kann jetzt nur die Fi­nanz­ver­wal­tung ein­le­gen, doch die denkt nicht dran, sie hat ja kei­nen An­lass.

An­lass hät­te wie­der­um der Be­zirk Ste­glitz-Zeh­len­dorf. Bürgermeisterin Cers­tin Rich­ter-Ko­tow­ski (CDU) be­ab­sich­tigt nach wie vor den Ver­kauf des Hau­ses und hat dem­ent­spre­chend kein In­ter­es­se an ei­nem Ve­r­äu­ße­rungs­ver­bot, wie es nun er­wirkt wur­de. Sie kann aber kei­ne Rechts­mit­tel ein­le­gen. Ei­ne sehr ku­rio­se Si­tua­ti­on in der an Selt­sam­kei­ten rei­chen Ge­schich­te der Im­mo­bi­lie. Ob sie die Fi­nanz­ver­wal­tung dar­um bit­tet? „Wir prü­fen noch“, teil­te Rich­ter-Ko­tow­ski mit.

Die Vor­ge­schich­te zur Er­in­ne­rung: Ein den Küns­ten zu­ge­neig­tes Ehe­paar, Eli­sa­beth und Mar­tin Meh­nert, hat­te dem Be­zirk Zeh­len­dorf sei­ne Vil­la in der Sch­mar­je­stra­ße ver­erbt mit der Auf­la­ge, das Ge­bäu­de sol­le als Al­ten­heim ge­nutzt wer­den, am bes­ten als Heim­statt für al­tern­de Mu­si­ker. Frau Meh­nert hat­te selbst noch das Haus an ei­ne Ki­ta ver­mie­tet, de­ren Trä­ger der Ver­ein „Weg der Mit­te“war. Mit dem Ver­ein über­warf sich der Be­zirk im Ver­lauf und kün­dig­te der Ki­ta, oh­ne aber zu wis­sen, was dann mit dem Haus ge­sche­hen soll. Seit­her steht das Haus leer, ein Was­ser­scha­den min­der­te sei­nen Wert wei­ter. Die­ser soll dem Ver­neh­men nach in­zwi­schen be­ho­ben sein. Die Re­no­vie­rungs­kos­ten wä­ren mitt­ler­wei­le den­noch so hoch, dass nicht­mal der Se­nat das Haus über­neh­men woll­te, um da­rin ein so­zia­les Pro­jekt ein­zu­rich­ten – die Re­de war von ei­nem Frau­en­haus. Das tes­ta­men­ta­risch ge­wünsch­te Al­ters­heim hält der Be­zirk bau­recht­lich nicht für mach­bar – der Ein­bau von Fahr­stüh­len, die Schaf­fung nö­ti­ger Ret­tungs­we­ge, das sei in dem un­ter Denk­mal­schutz ste­hen­den Haus nicht mög­lich. Der Be­zirk will da­her lie­ber den Ver­kaufs­er­lös für ei­ne so­zia­le Ein­rich­tung ver­wen­den.

Rechts­an­walt Krau­se fühlt sich den Meh­nerts und ih­rem Er­be je­doch ver­bun­den, denn sei­ne Mut­ter Mecht­hild Krau­se war die Rechts­an­wäl­tin der Meh­nerts bei der Ab­fas­sung des Tes­ta­ments, und sein Groß­va­ter war als No­tar eben­falls bei den An­ge­le­gen­hei­ten der Im­mo­bi­lie be­tei­ligt. Sohn Krau­se han­delt al­so aus al­ter Ver­bun­den­heit, zu­dem ist er Rechts­nach­fol­ger im Tes­ta­ment von Mar­tin Meh­nert.

Der Be­zirk war mit sei­nen Ver­kaufs­plä­nen noch nicht weit ge­kom­men. ImPort­fo­lio der BIM, die für al­le Lan­des­im­mo­bi­li­en zu­stän­dig ist, ist das Grund­stück laut BIM nicht.

Fo­to: Raack

Haus oh­ne Hü­ter. Die Ei­gen­tü­mer woll­ten Gu­tes tun, doch das ge­schieht nicht.

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