De­mos in Pots­dam ge­gen Po­li­zei­ge­setz und Wöl­fe

Der Tagesspiegel - - BERLIN / BRANDENBURG -

Pots­dam - Die Lin­ke in Bran­den­burgs rot-ro­ter Ko­ali­ti­on hat das von In­nen­mi­nis­ter Karl-Heinz Schrö­ter (SPD) vor­ge­leg­te neue Po­li­zei­ge­setz ent­schärft – doch am Sonn­abend de­mons­trier­te der Par­tei­nach­wuchs Links­ju­gend in ei­nem Bünd­nis von 40 Or­ga­ni­sa­tio­nen ge­gen die Ge­set­zes­re­form. Die An­mel­der der De­mons­tra­ti­on, die vor die von Mi­nis­ter­prä­si­dent Diet­mar Wo­id­ke (SPD) ge­führ­te Staats­kanz­lei zog, spra­chen von 2300 Teil­neh­mern. An­de­re Be­ob­ach­ter spra­chen von mehr als 1000 Teil­neh­mern.

Bran­den­burgs rot-ro­te Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on will der Po­li­zei mehr Be­fug­nis­se ge­ben – vor al­lem we­gen wach­sen­der Ter­ror­ge­fahr. Nach dem kürz­lich ver­ab­schie­de­ten Ent­wurf sol­len et­wa Ter­ror­ver­däch­ti­ge künf­tig bis zu vier Wo­chen in Ge­wahr­sam ge­nom­men, Kon­takt- und Auf­ent­halts­ver­bo­te für Ge­fähr­der ver­hängt und Mes­sen­ger­diens­te über­wacht wer­den kön­nen, wo­bei zu­meist ein Rich­ter­be­schluss nö­tig ist. Die Schlei­er­fahn­dung wird von der Grenz­re­gi­on zu Po­len auf die Au­to­bah­nen und Bun­des­stra­ßen aus­ge­wei­tet. Auch die Vi­deo­über­wa­chung öf­fent­li­cher Plät­ze soll aus­ge­wei­tet wer­den. Weil der Ent­wurf auf Druck der Lin­ken ent­schärft wur­de und On­li­ne-Durch­su­chung und Fuß­fes­seln ge­gen Ter­ror­ver­däch­ti­ge nach baye­ri­schem Vor­bild ge­stri- chen wur­den, war­fen CDU und AfD der SPD ei­nen Knie­fall vor dem Ko­ali­ti­ons­part­ner vor. Das Geg­ner­bünd­nis kri­ti­sier­te, mit dem Ge­setz wür­den Über­wa­chungs­be­fug­nis­se aus­ge­wei­tet und un­zu­läs­si­ge Ein­grif­fe in die Grund­rech­te der Bür­ger er­laubt. „Men­schen wer­den in dem Ge­setz als Dau­er­ge­fahr be­han­delt“, sag­te ei­ne Bünd­nis­spre­che­rin.

Zu­vor hat­ten am Sams­tag vor dem Land­tag in Pots­dam nach Ver­an­stal­ter­an­ga­ben 300 Land­wir­te, Schä­fer und Jä­ger da­für de­mons­triert, wei­te Tei­le des Lan­des zur wolfs­frei­en Zo­ne zu er­klä­ren. Über­all, wo Men­schen und Wei­de­tie­re sind, müss­ten – die bis­lang streng ge­schütz­ten – Wöl­fe kon­se­quent ge­jagt wer­den. Der Wolf wer­de sys­te­ma­tisch ver­harm­lost. Der Bran­den­bur­ger Um­welt­ver­band BUND­er­klär­te, wolfs­freie Zo­nen be­deu­te­ten „fak­tisch die Wie­der­aus­rot­tung des Wol­fes in Bran­den­burg.“Laut Agrar­mi­nis­te­ri­um sind sol­che Zo­nen nicht mög­lich. Die Um­welt­mi­nis­ter­kon­fe­renz hat­te am Frei­tag be­schlos­sen, dass der Bund bis Früh­jahr 2019 ei­ne rechts­si­che­re Grund­la­ge zur Ent­nah­me, al­so zum Ab­schuss, pro­ble­ma­ti­scher Wöl­fe zum Schutz von Wei­de­tier­hal­tern vor­le­gen sol­le. Das Lan­des­um­welt­amt geht da­von aus, dass 37 Wolfs­ru­del und ein ein­zel­nes Paar in Bran­den­burg le­ben. axf

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