Par­klets sind ei­ne Zu­mu­tung

Der Tagesspiegel - - LESER MEINUNG - — Da­na Beth­ken­ha­gen, Ber­lin-Kreuz­berg

„Aus­wei­tung der Be­geg­nungs­zo­ne“vom 28. Sep­tem­ber

Die Berg­mann­stra­ße war, bis sie zur Be­geg­nungs­zo­ne er­nannt wur­de, ein schö­ner Ort, an dem man sich gern mit Freun­den und Nach­barn trifft und die Fa­mi­lie zu ei­nem Be­such ein­lädt. Da­mit ist jetzt Schluss. Vor den vie­len klei­nen Ca­fés, Re­stau­rants und Lä­den wer­den im­mer mehr von den aus­la­den­den Me­tall- und Holz­kon­struk­tio­nen in­stal­liert und neh­men der be­lieb­ten Stra­ße kom­plett den Charme. Ich fra­ge mich, wer sich da be­geg­nen soll? Wer legt sich denn bit­te schön auf zwei Lie­ge­stüh­le di­rekt an der Stra­ße? Noch da­zu im Herbst oder Win­ter? Und zei­gen sie mir bit­te auch nur ei­nen An­woh­ner, der sei­nen Lap­top auf ei­ne The­ke legt, die zur Fahr­bahn zeigt und dort ar­bei­tet. Auch schön: Die fünf fest­ge­schraub­ten Bar­ho­cker, die ein­fach so in der Land­schaft ste­hen und in ei­nem so brei­ten Ab­stand zu­ein­an­der auf­ge­baut sind, dass man laut spre­chen muss, um sein Ge­gen­über zu ver­ste­hen. Der Bau­se­nats­ver­wal­tung soll­te das be­kannt sein; schon bei der Vor­stel­lung des Pro­jek­tes im Co­lum­bia-Thea­ter gab es kaum Zu­spruch, da­für aber viel Kri­tik. Hö­ren woll­te die nie­mand, ist ja be­schlos­sen und so­wie­so für den gu­ten Zweck: Ver­kehrs­be­ru­hi­gung. We­der uns noch den Ver­kehr be­ru­higt das gan­ze Pro­jekt. Im Ge­gen­teil: Wenn ich mor­gens oder abends mit dem Fahr­rad un­ter­wegs bin, gleicht das ei­ner Mut­pro­be. Die Par­klets ver­en­gen die Fahr­bahn noch ein Stück­chen wei­ter und ma­chen es vor al­lem Rad­lern schwer. Ge­nerv­te An­woh­ner und Lie­fe­ran­ten, die ver­zwei­felt ei­nen Park­platz su­chen und im­mer wie­der um den Kiez krei­sen, stel­len sich im­mer häu­fi­ger in die zwei­te Rei­he. Für die Rad­fah­rer geht das Sla­lom­fah­ren los. Muss ich hin und wie­der das Au­to neh­men, ha­be ich kei­ne Ah­nung, wo ich es ab­stel­len soll. Dar­an hat auch die Park­raum­be­wirt­schaf­tung rein gar nichts ver­än­dert. Egal, ob auf dem Rad oder im Au­to, zu Hau­se oder auf der Stra­ße – die Par­klets sind ei­ne Zu­mu­tung. Und al­les auf Kos­ten des Steu­er­zah­lers.

Wie kann so viel Geld für so et­was Sinn­lo­ses aus­ge­ge­ben wer­den, wenn ein paar Ecken wei­ter die Ro­sa-Parks-Grund­schu­le En­de letz­ten Schul­jah­res an­kün­di­gen muss, auf­grund von Geld­man­gel die AGs ein­stel­len zu müs­sen. Noch ha­ben Geg­ner des Pro­jekts die Mög­lich­keit, den Ab­bau der Par­klets zu er­zwin­gen. Am 12. No­vem­ber star­tet die On­line­be­tei­li­gung auf mein.ber­lin.de. Da kann ich nur ra­ten: Macht mit!

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