Das Stim­mungs­tief

Nach dem Är­ger mit den Ul­tras ver­liert bei Fortu­na Düs­sel­dorf deut­lich

Der Tagesspiegel - - SPORT - Von Ste­fan Her­manns, Düs­sel­dorf

Es sah wirk­lich trost­los aus. Der Ober­rang im Os­ten: zum Gäh­nen leer. Der Ober­rang im Nor­den: zum Gäh­nen leer. Und auch sonst gab es in der Are­na von Fortu­na Düs­sel­dorf über­all vie­le freie Plät­ze. Im­mer­hin: Es klang zu­min­dest wie Fuß­ball. Das lag auch an den Gäs­ten im Nord­os­ten. Sie schwenk­ten ih­re Fah­nen, san­gen und schrien. An­ders als vor ei­ner Wo­che feu­er­ten die An­hän­ger von Her­tha BSC ihr Team wie­der an – was an­ge­sichts der Um­stän­de ei­ne durch­aus be­mer­kens­wer­te Leis­tung war. Ihr Aus­flug an den Rhein en­de­te mit ei­ner frus­trie­ren­den 1:4 (0:0)-Nie­der­la­ge ge­gen den bis­he­ri­gen Ta­bel­len­letz­ten der Fuß­ball-Bundesliga. „Das tut weh“, sag­te Trai­ner Pal Dar­dai. Seit nun­mehr fünf Spie­len, seit dem2:0 ge­gen die Bay­ern En­de Sep­tem­ber, ist sei­ne Mann­schaft nun schon oh­ne Sieg.

Dar­dai hat­te nach dem 0:3 ge­gen Leip­zig zwei Än­de­run­gen vor­ge­nom­men: Vla­di­mir Da­ri­da und Ja­vai­ro Dil­ro­sun rück­ten für Fa­bi­an Lus­ten­ber­ger und den er­krank­ten Mar­vin Plat­ten­hardt ins Team. Aus dem 3-4-3 wur­de wie­der das ge­wohn­te 4-2-3-1. Doch da­mit war die Ar­beit für Hert­has Trai­ner noch lan­ge nicht ge­tan. Nach nicht mal ei­ner hal­ben St­un­de sah er sich zum Ein­grei­fen ge­zwun­gen, weil Ni­k­las Stark mit ei­ner Fuß­prel­lung hum-

HER­THA BSC

pelnd den Platz ver­ließ. Kurz vor der Pau­se folg­te Ma­xi­mi­li­an Mit­tel­städt, der für zwei tak­ti­sche Fouls Gelb-Rot ge­se­hen hat­te. Dar­dai rüg­te sei­ne Nai­vi­tät, auch wenn es ei­ne har­te Ent­schei­dung war. "Ich be­glei­te ihn nur", sag­te Mit­tel­städt über sein zwei­tes Foul. „Wenn der Schieds­rich­ter da­für Gelb gibt, muss er 25 Gel­be Kar­ten zei­gen und fünf Ro­te.“Der Platz­ver­weis war der Wen­de­punkt in ei­nem Spiel, das sich für Her­tha über wei­te Stre­cken ähn­lich an­fühl­te wie ei­ne auf­zie­hen­de Er­käl­tung: ir­gend­wie un­an­ge­nehm. „Es gab Spie­le, wo wir mit der Un­ter­zahl klar ge­kom­men sind“, sag­te Dar­dai. „Hier nicht.“

Dass die Düs­sel­dor­fer nach zu­letzt sechs Nie­der­la­gen hin­ter­ein­an­der kein ge­stei­ger­tes In­ter­es­se an schö­nem Fuß­ball ver­spür­ten, war durch­aus zu ver­ste­hen. „Wir ha­ben sehr vor­sich­tig ge­spielt“, sag­te Fortu­nas Trai­ner Fried­helm Fun­kel über die ers­te Hälf­te. Ro­bust und bra­chi­al, so ver­such­te es der Auf­stei­ger man­gels an­de­rer Mög­lich­kei­ten. Dass am En­de der ers­ten Halb­zeit acht Tor­schüs­se für ihn no­tiert wa­ren, täusch­te ein we­nig. Der Kopf­ball von Do­di Lu­ke­bakio in der 45. Mi­nu­te war der ein­zi­ge Tor­schuss, den die For­tu­nen von in­ner­halb des Straf­raums ab­ge­ge­ben hat­te. Der Ball flog deut­lich über die Lat­te. Hert­has Tor­wart Ru­ne Jarstein, in der ers­ten Hälf­te weit­ge­hend be­schäf­ti­gungs­los, kam schon weit vor En­de der Pau­se aus der Ka­bi­ne, um sich von Tor­wart­trai­ner Zsolt Pe­try ein paar Bäl­le um die Oh­ren schie­ßen zu las­sen.

Her­tha war bis da­hin die spie­le­risch klar bes­se­re Mann­schaft, hat­te zwei Drit­tel Ball­be­sitz, mach­te aber zu we­nig aus der Über­le­gen­heit. Nach Eck­stö­ßen und Frei­stö­ßen wur­de es im­mer­hin mal se­mi­ge­fähr­lich. Die bes­te Ge­le­gen­heit hat­te Ond­rej Du­da, der schnel­ler schal­te­te als sein Düs­sel­dor­fer Ge­gen­spie­ler, plötz­lich frei vor Micha­el Ren­sing stand, den Ball aber nicht an Fortu­nas Tor­hü­ter vor­bei­be­kam. Es war die ein­zi­ge Sze­ne, in der Hert­has Spiel­ma­cher auf­fiel.

Nach der Pau­se – mit Ver­tei­di­ger Jor­dan Tor­u­na­rig­ha für Stür­mer Ve­dad Ibi­se­vic, än­der­te sich das Spiel kom­plett. Die Düs­sel­dor­fer hat­ten nun den Ball, und sie mach­ten es, wi­der Er­war­ten, nicht schlecht: spiel­ten ge­dul­dig, lie­ßen Her­tha lau­fen und nutz­ten die gan­ze Brei­te des Fel­des. So wie in der 50. Mi­nu­te, als Ni­ko Gie­ßel­mann den Ball nach ei­nem Dia­go­nal­pass aus der Luft in den Straf­raum spiel­te und Ta­ka­shi Usa­mi mit ei­nem wuch­ti­gen Schuss un­ter die Lat­te zum 1:0 für die Düs­sel­dor­fer traf. Es war das ers­te Tor des Auf­stei­gers nach 267 Mi­nu­ten.

Pal Dar­dai nahm kurz dar­auf die letz­te sei­ner drei Wech­sel­mög­lich­kei­ten in An­spruch, brach­te Da­vie Sel­ke für den blas­sen Du­da. Sel­ke er­ziel­te zwar kurz vor Schluss mit sei­nem ers­ten Sai­son­tref­fer das 1:3. Aber am Ge­samt­bild än­der­te das nichts mehr.

Her­tha schaff­te es in Un­ter­zahl nicht, die Kon­trol­le über das Ge­sche­hen zu­rücker­lan­gen. Statt­des­sen kon­ter­ten die Düs­sel­dor­fer, als hät­ten sie plötz­lich die Lust an der Of­fen­si­ve ent­deckt. Nach ei­ner St­un­de er­höh­te Rou­wen Hen­nings auf 2:0, kurz vor Schluss traf der ein­ge­wech­sel­te Be­ni­to Ra­man so­gar noch zwei­mal für ei­ne Mann­schaft, die in den zehn Spie­len zu­vor gera­de mal sechs To­re er­ziel­te. Selbst Hert­has Ul­tras ver­ging da erst ein­mal die Lust am Sin­gen.

Fo­to: Ma­ri­us Be­cker/dpa

Über­sprun­gen. Fortu­na Düs­sel­dorf mit Do­di Lu­ke­bakio Ngan­do­li (links) ließ Hert­has Mann­schaft alt aus­se­hen.

Fo­to: Koch/Ima­go

Pro­tes­ten­de. Die Fans un­ter­stüt­zen Her­tha in Düs­sel­dorf wie­der.

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