Dort­mund darf träu­men

Mit viel Herz schlägt die Bo­rus­sia den FC Bay­ern nach zwei­ma­li­gem Rück­stand 3:2. Nun hat die Mann­schaft von Lu­ci­en Fav­re schon sie­ben Punk­te Vor­sprung auf den Meis­ter

Der Tagesspiegel - - SPORT - Von Da­vid Joram, Dort­mund

Es gab mal ei­ne Zeit, da wur­den To­re von Ro­bert Le­wan­dow­ski in Dort­mund be­son­ders laut ge­fei­ert. Aber da trug der pol­ni­sche Fuß­bal­ler eben auch noch ein schwarz-gel­bes Jer­sey und schoss To­re ge­gen sei­nen ak­tu­el­len Ver­ein, den FC Bay­ern Mün­chen. Zum Bei­spiel am 11. April 2012, als die Bay­ern letzt­mals als Ver­fol­ger von Bo­rus­sia Dort­mund an der Stro­bel­al­lee an­tra­ten. Der BVB ge­wann das Spiel mit 1:0, ein paar Wo­chen spä­ter die Deut­sche Meis­ter­schaft und kurz dar­auf noch den DFB-Po­kal – dank ei­nes fu­rio­sen 5:2-Sie­ges im Fi­na­le von Ber­lin.

Vor dem Spit­zen­spiel an die­sem elf­ten Bundesliga-Spiel­tag, in das die Bay­ern mit vier Punk­ten Rück­stand gin­gen, hat­ten vie­le Bo­rus­sen ge­hofft, die Ge­schich­te mö­ge sich wie­der­ho­len. Ein No­vem­be­r­a­bend wie im April soll­te es wer­den, den An­fang vom En­de der er­drü­cken­den sechs­jäh­ri­gen Do­mi­nanz der Dau­er­meis­ter­bay­ern mar­kie­ren. Und so kam es dann auch – trotz Ro­bert Le­wan­dow­ski. 3:2 (0:1) ge­wann der Ta­bel­len­füh­rer Bo­rus­sia Dort­mund ge­gen Bay­ern Mün­chen und liegt nun schon sie­ben Punk­te vor den dritt­plat­zier­ten Münch­nern. Die bei­den Kopf­ball­to­re von Ro­bert Le­wan­dow­ski reich­ten den Bay­ern nicht, weil Reus eben­falls zwei­mal traf und der ein­ge­wech­sel­te Pa­co Al­ca­cer vor 81 365 Zu­schau­ern den End­stand be­sorg­te.

„Wir ha­ben ein tol­les Fuß­ball­spiel ge­se­hen, an dem bei­de Teams ih­ren An­teil hat­ten“, sag­te Bay­erns Trai­ner Ni­ko Ko­vac. Über den An­teil, den sein Team zu die­sem tol­len Spiel bei­trug, wird er aber in­ten­si­ver nach­den­ken müs­sen. Wie ei­ne Schü­ler­mann­schaft hat­ten sich die Bay­ern nach der Pau­se über­rum­peln las­sen, teils flat­ter­haft – wie Mats Hum­mels – die Bäl­le an ih­re leicht­fü­ßi­gen Ge­gen­spie­ler ver­lo­ren. Es schien so, als wisch­ten die Bo­rus­sen die im­men­se Er­fah­rung und Rou­ti­ne der Münch­ner bei­sei­te wie ei­ne läs­ti­ge Flie­ge von der Fens­ter­schei­be, um wie­der freie Sicht auf ih­re ei­gent­li­chen Zie­le zu be­kom­men. Die Wucht, mit der Dort­mund in der zwei­ten Halb­zeit auf die Süd­tri­bü­ne und das Tor von Ma­nu­el Neu­er spiel­te, ließ we­nig Zwei­fel zu, wor­in die Zie­le be­stan­den. Ers­tens: den Se­ri­en­meis­ter be­sie­gen. Zwei­tens, über den Spiel­tag hin­aus ge­dacht: Die Deut­sche Meis­ter­schaft ge­win­nen.

„Man kann ja nicht nach Dort­mund fah­ren und sa­gen, ich will ei­nen Drei­er ein­fah­ren“, hat­te Bay­erns Prä­si­dent Uli Ho­en­eß vor dem Du­ell beim Lieb­lings­ri­va­len ora­kelt, ver­bun­den mit dem Hin­weis, dass die Bay­ern nicht als Fa­vo­rit nach Dort­mund fah­ren wür­den, son­dern, ja tat­säch­lich, „als Au­ßen­sei­ter“. Der zwei­te Durch­gang soll­te Ho­en­eß Recht ge­ben – und den BVB zum Ti­tel­kan­di­da­ten Num­mer eins rei­fen las­sen.

Kei­ne fünf Mi­nu­ten wa­ren in die­sem ge­spielt, da er­wisch­te Neu­er den zu schnel­len Reus im Straf­raum am Fuß, was ei­nen Elf­me­ter und das 1:1 durch den ge­foul­ten Schüt­zen zur Fol­ge hat­te. Der BVB wirk­te nicht nur in die­ser Sze­ne agi­ler, sprit­zi­ger. Selbst der er­neu­te Rück­stand – wie­der traf Le­wan­dow­ski per Kopf – konn­te die Schwarz-Gel­ben nicht stop­pen. Zwi­schen­zeit­lich spiel­te sich die Fav­re-Elf in ei­nen re­gel­rech­ten Rausch, ver­gaß aber das To- re­schie­ßen. Erst ver­gab Reus nach ei­ner St­un­de das si­cher ge­glaub­te 2:2, weil Kim­mich im letz­ten Mo­ment ret­te­te, dann hat­te der kurz zu­vor für Göt­ze ein­ge­wech­sel­te Pa­co Al­ca­cer ei­nen Auf­tritt, den er nicht in Er­in­ne­rung be­hal­ten will. Hum­mels, der in der Pau­se über Schwin­del­ge­füh­le ge­klagt hat­te, ver­lor den Ball an den flin­ken San­cho. Der eil­te auf und da­von, und be­dien­te Al­ca­cer. War­um der Spa­nier aus drei Me­tern den Ball nicht di­rekt ins Tor schoss, son­dern noch ei­nen äu­ßerst un­nö­ti­gen Ha­ken schlug, bleibt sein Ge­heim­nis.

Reus kor­ri­gier­te das Mal­heur kurz dar­auf mit ei­nem wuch­ti­gen Schuss ins lin­ke Eck, das Sta­di­on tanz­te. Erst recht als Al­ca­cer dem schwarz-gel­ben An­hang doch noch feins­te Kost prä­sen­tier­te und mit ei­nem fei­nen Lup­fer Neu­er über­wand. Von den Bay­ern kam nach dem 3:2 nicht mehr viel, nur Le­wan­dow­ski traf in der Nach­spiel­zeit noch­mal, al­ler­dings im Ab­seits ste­hend.

Un­ver­dient wä­re der Aus­gleich nicht ge­we­sen, weil die Bay­ern in der ers­ten Halb­zeit stark ge­spielt hat­ten, ab­ge­klärt und sou­ve­rän wirk­ten, den Ball si­cher durch die ei­ge­nen Rei­hen lau­fen lie­ßen, und ihn häu­fi­ger be­sa­ßen als der BVB. „30 Mi­nu­ten lang war Bay­ern viel bes­ser“, be­fand Fav­re, „sie ha­ben das Spiel be­herrscht.“Am En­de kön­ne er aber sa­gen, dass der Sieg kein un­ver­dien­ter war – wes­halb nun ganz Dort­mund von ei­ner Sai­son wie an­no 2012 träu­men darf.

Fo­to: Ina Fass­ben­der/dpa

Jetzt le­gen wir mal so rich­tig los. Mar­co Reus traf gleich zwei Mal ge­gen die Bay­ern. Und nach sei­nem Aus­gleichs­tref­fer zum 2:2 leg­ten die Dort­mun­der dann noch nach und be­zwan­gen den Meis­ter.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.