Zwei Brü­der für ein Land

Fol­gen die Kreut­zers auf Bun­des­trai­ner Sturm?

Der Tagesspiegel - - SPORT - Claus Vet­ter

Ber­lin - Als Chris­ti­an Ehr­hoff am spä­ten Frei­tag­abend vor ein Fern­seh­mi­kro­fon ge­zerrt wur­de, wirk­te der eins­ti­ge Eis­ho­ckey­pro­fi dar­über nicht gera­de er­freut. Der Deutsch­land Cup fin­det die­ser Ta­ge in Kre­feld statt, und da wohnt Ehr­hoff um die Ecke. So­mit schau­te sich der erst im April zu­rück­ge­tre­te­nen Ver­tei­di­ger die Spie­le der eins­ti­gen Kol­le­gen an. Aber wenn ein Ehr­hoff schon da ist, be­kommt er na­tür­lich auch die Bun­des­trai­ner­fra­ge ge­stellt – wes­we­gen er so un­glück­lich drein­schau­te. Der ehe­ma­li­ge Na­tio­nal­spie­ler sag­te: Nein, so ein Amt kom­me für ihn erst ein­mal nicht in Fra­ge. Er ha­be schließ­lich noch kei­ne Er­fah­rung als Trai­ner und ge­nie­ße nach zwei Jahr­zehn­ten Pro­fi­sport nun erst ein­mal die frei­en Wo­che­n­en­den mit der Fa­mi­lie.

Seit­dem be­kannt ist, dass Mar­co Sturm den Deut­schen Eis­ho­ckey-Bund (DEB) ver­lässt und schon am Mon­tag in die USA fliegt, um bei den Los An­ge­les Kings als Co-Trai­ner zu ar­bei­ten, ist die öf­fent­li­che Su­che nach ei­nem Nach­fol­ger in vol­lem Gan­ge. Der DEB hat be­kannt­ge­ge­ben, dass es ein deut­scher Trai­ner sein soll. Wo­mit sich wie­der­um der Kan­di­da­ten­kreis ein­engt. Bes­ten­falls soll­te es so­gar ein deut­scher Trai­ner sein, der gu­te Kon­tak­te in die Na­tio­nal Ho­ckey Le­ague (NHL) hat, so wie et­wa Sturms Vor­gän­ger Uwe Krupp und eben Sturm selbst. Da­mit die deut­schen Spie­ler, die in der bes­ten Li­ga der Welt spie­len, auch kom­men, wenn der Bun­des­trai­ner ruft. Und nicht al­le lust­los ih­re Teil­nah­me an ei­ner WM ab­sa­gen, weil sie den Bun­des­trai­ner nicht ernst neh­men oder kaum ken­nen – so ge­sche­hen bei Sturms Vor­gän­ger Pat Cor­ti­na. Al­so war es lo­gisch, dass Ehr­hoff ge­fragt wur­de, der war mit 862 Spie­len in der NHL so oft auf dem Eis wie kein an­de­rer deut­scher Ver­tei­di­ger und kennt die dort be­schäf­tig­ten deut­schen Stars wie Le­on Drai­saitl oder To­bi­as Rie­der.

Ei­nen an­de­ren mit ei­nem Pro­fil wie Ehr­hoff hat gibt es nicht, wo­mit sich der Kreis der Kan­di­da­ten ver­klei­nert. Dass Pa­vel Gross und oder Ha­rold Kreis nun ins Spiel kom­men, ist ver­ständ­lich und un­wahr­schein­lich – die bei­den er­fah­re­nen Trai­ner ha­ben Ver­trä­ge in Mann­heim und Düs­sel­dorf und wer­den ih­re gu­ten Jobs kaum für das Amt des Bun­des­trai­ners auf­ge­ben, zu­mal das wa­cke­lig ist: Mar­co Sturm hin­ter­lässt mit dem Ge­winn der olym­pi­sche Sil­ber­me­dail­le ein schwe­res Er­be, da kann ein Trai­ner ei­gent­lich nicht ge­win­nen. Auch wenn DEB-Prä­si­dent Franz Reindl ei­nen Über­gangs­trai­ner aus der Deut­schen Eis­ho­ckey-Li­ga (DEL) nicht aus­schloss.

Da­bei liegt die Lö­sung wo­mög­lich ganz nah beim Deutsch­land Cup – räum­lich ge­se­hen. Chris­tof Kreut­zer, ein ge­bür­ti­ger Kre­fel­der, könn­te das Amt­des Bun­des­trai­ners über­neh­men. Ak­tu­ell ist der eins­ti­ge Trai­ner der DEG, 2016 Trai­ner des Jah­res in der DEL, beim Zweit­li­gis­ten Bad Nau­heim un­ter Ver­trag. Kreut­zer hat in Düs­sel­dorf ei­ni­gen jun­gen Spie­lern zum Durch­bruch ver­hol­fen – wie et­wa den Nie­der­ber­ger-Brü­dern Ma­thi­as und Le­on oder auch Bernd Eb­ner. Der ist wie Tor­wart Ma­thi­as Nie­der­ber­ger auch beim Deutsch­land Cup. Beim zwei­ten Tur­nier­spiel am Sonn­abend ge­gen die Schweiz (Deutsch­land ver­lor es 3:4 (1:0, 1:2, 2:0/0:1) nach Pen­al­ty­schie­ßen) stand al­ler­dings Dan­ny aus den Bir­ken (Mün­chen) im Tor. Im ers­ten Tur­nier­spiel hat­ten die Deut­schen 3:4 nach Ver­län­ge­rung ge­gen Russ­land ver­lo­ren. Am Sonn­tag spie­len sie zum Ab­schluss ge­gen die Slo­wa­kei (14.30 Uhr, live auf Sport 1).

Auch Chris­tof Kreut­zers Bru­der Da­ni­el, lang­jäh­ri­ger Na­tio­nal­spie­ler, war im Kre­fel­der Sta­di­on. Er könn­te sei­nem Bru­der künf­tig as­sis­tie­ren. Bei­de hät­ten zu­min­dest ei­nen gu­ten Draht zu den deut­schen Spie­lern. Si­cher wird Franz Reindl mit ih­nen Ge­sprä­che füh­ren. Zwar sag­te der DEB-Prä­si­dent am Ran­de des Deutsch­land Cups, dass sich die Ent­schei­dung für ei­nen neu­en Trai­ner hin­zie­hen wer­de („Wir ha­ben kei­nen Zeit­druck“). Doch das darf nicht ir­ri­tie­ren. Denn: Bis­lang schei­nen sie beim Ver­band nicht nur kei­nen Zeit­druck, son­dern auch kei­nen rech­ten Plan zu ha­ben.

Fo­to: dpa

Wie­der nur ein Punkt. Der Münch­ner Boyle (vorn) im Spiel die Schweiz.

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