Ein Ab­schied mit Schmer­zen

Lind­sey Vonn ist der letz­te weib­li­che Me­gastar ih­res Sports. Nach der kom­men­den Sai­son will sie ih­re von Ver­let­zun­gen ge­präg­te Kar­rie­re be­en­den – und jagt ei­nen al­ten Re­kord

Der Westallgäuer - - Sport -

Das Gla­mour-Girl des Ski­sports hört auf den ei­ge­nen Kör­per: US-Alpin-Star Lind­sey Vonn gibt sich nur noch ei­nen Win­ter Zeit, um ih­ren größ­ten sport­li­chen Traum zu er­rei­chen. Im kom­men­den Früh­jahr be­en­det die Ab­fahrtsOlym­pia­sie­ge­rin von 2010 ih­re Kar­rie­re. Bis da­hin will sie den Ur­al­tRe­kord von In­ge­mar Sten­mark bre­chen. Die schwe­di­sche Ski-Le­gen­de der 1970er und 1980er Jah­re fei­er­te 86 Welt­cup-Sie­ge. Vonn kommt bis­her auf 82. Min­des­tens fünf Sie­ge will die zwei­fa­che Welt­meis­te­rin in den kom­men­den Mo­na­ten al­so noch schaf­fen. Dann ist für die Ju­gend­Freun­din von Ma­ria Höfl-Riesch Schluss, und der al­pi­ne Ski­sport wird sei­nen der­zeit letz­ten weib­li­chen Me­gastar ver­lie­ren.

Noch bei Olym­pia in Pyeong­chang im Fe­bru­ar hat­te sie er­klärt, sie wol­le so lan­ge fah­ren, bis sie den Re­kord ge­knackt ha­be. Nun sag­te sie dem US-Sen­der NBC, sie wer­de auch auf­hö­ren, falls sie die Best­mar­ke von Sten­mark nicht über­bie­ten soll­te. „Wenn ich sie er­rei­che, wür­de ein Traum wahr wer­den. Wenn nicht, hat­te ich trotz­dem ei­ne un­glaub­lich Für die Kar­rie­re setz­te Vonn ih­re Ge­sund­heit aufs Spiel er­folg­rei­che Kar­rie­re. Ich bin im­mer noch die Ski­fah­re­rin mit den meis­ten Sie­gen al­ler Zei­ten.“

Im Al­ter von 33 Jah­ren macht sich Vonn, de­ren Kar­rie­re von ei­ner lan­gen Ver­let­zungs­ge­schich­te ge­prägt ist, of­fen­bar doch um ih­re Ge­sund­heit Sor­gen. „Phy­sisch bin ich am Punkt, an dem es kei­nen Sinn mehr macht. Ich möch­te gern ak­tiv blei­ben, wenn ich äl­ter bin, des­we­gen muss ich an die Zu­kunft den­ken und mich nicht nur auf das kon­zen­trie­ren, was jetzt an­steht.“

We­gen ei­nes Kreuz­band­ris­ses ver­pass­te Vonn 2014 die Win­ter­spie­le in Sot­schi, in Pyeong­chang hol­te sie Bron­ze in der Ab­fahrt und ver­ab­schie­de­te sich da­nach mit Trä­nen von Olym­pia. Wie hart das Kraft­pa­ket stets mit ih­rem Kör­per um­ging, zeig­te ihr Come­back nach ei­ner Arm­ver­let­zung An­fang 2017. „Wenn ich noch ein­mal stür­ze, wird es kom­pli­ziert. Es ist al­les vor­be­rei­tet, es gibt ei­nen Not­fall­plan“, er­klär­te sie. Denn ih­re Ner­ven wa­ren be­schä­digt. Zu­dem sprach sie öf­fent­lich von De­pres­sio­nen. Ne­ben den her­aus­ra­gen­den sport­li­chen Fä­hig­kei­ten und den vie­len Ver­let­zun­gen fiel die Blon­di­ne im­mer auch durch ei­nen gro­ßen Gla­mour­fak­tor auf. Die lang­jäh­ri­ge sport­li­che Weg­ge­fähr­tin von Ma­ria Höfl-Riesch sorg­te auch durch ero­ti­sche Fo­tos oder ih­re frü­he­re Be­zie­hung mit Golf­star Ti­ger Woods für Auf­se­hen. Mitt­ler­wei­le ist sie mit dem Eis­ho­ckey­pro­fi P.K. Sub­ban li­iert.

Ih­re jet­zi­ge Rück­tritts­an­kün­di­gung kommt nicht über­ra­schend, be­reits im Sep­tem­ber hat­te sie öf­fent­lich über das Kar­rie­re­en­de nach dem kom­men­den Win­ter nach­ge­dacht. Nun plant sie Starts bei al­len Ab­fahr­ten und Su­per-G-Ren­nen, aber nicht mehr im Rie­sen­sla­lom und Sla­lom. Ih­re Sai­son be­gin­nen will Vonn An­fang De­zem­ber im ka­na­di­schen La­ke Loui­se, ih­ren Ab­schied dürf­te sie dann beim Welt­cup-Fi­na­le Mit­te März in Sol­deu in An­dor­ra ge­ben. Da­nach kann Vonn sich ge­schäft­li­che Ak­ti­vi­tä­ten in den Be­rei­chen Be­au­ty und Klei­dung vor­stel­len. „Ich weiß ehr­li­cher­wei­se nichts da­von, wie man ein Ge­schäft an­fängt, aber ich weiß, was mei­ne Lei­den­schaf­ten sind“, sag­te sie. Wer in den USA ih­re Rol­le als Ski­s­tern­chen über­neh­men könn­te, ist noch of­fen. Viel­leicht die erst 23 Jah­re al­te Mi­kae­la Shif­frin. Sie hat schon zwei­mal olym­pi­sches Gold ge­won­nen, zu Vonns Po­pu­la­ri­tät fehlt ihr aber noch ei­ni­ges.

Fo­to: Ro­bert Jä­ger, epa

Trotz vie­ler schwe­rer Ver­let­zun­gen hat Lind­sey Vonn in ih­rer Kar­rie­re 82 Welt­cup-Ren­nen ge­won­nen. Um den Re­kord von In­ge­mar Sten­mark zu kna­cken, müss­te sie in ih­rer Ab­schieds­sai­son fünf­mal oben auf dem Trepp­chen ste­hen.

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