Ist Mar­ke­ting mög­lich mit dem The­ma Be­hin­de­rung?

„Ja, das geht“, sagt Ge­schäfts­füh­rer Rein­hold Scharpf. Es gibt so­gar po­si­ti­ve Re­ak­tio­nen

Der Westallgäuer - - Allgäu-Wirtschaft -

Wer­bung und Mar­ke­ting strei­chen meist Su­per­la­ti­ve her­aus. Schnells­tes Au­to, mo­derns­te Kla­mot­ten, cools­tes Han­dy und so wei­ter. Wie aber ver­hält es sich, wenn der Kern ei­nes Un­ter­neh­mens so gar nichts Markt­schreie­ri­sches hat – wie zum Bei­spiel beim All­gäu Art Ho­tel in Kempten? Das knapp zwei Jah­re al­te Haus ist kom­plett bar­rie­re­frei und bie­tet ein dif­fe­ren­zier­tes An­ge­bot für Men­schen mit Be­hin­de­run­gen. Auch knapp die Hälf­te der Be­diens­te­ten des Ho­tels ha­ben ein Han­di­cap.

Ist nun Mar­ke­ting mit dem The­ma Be­hin­de­rung über­haupt mög­lich? „Ja, das geht“, sagt Ge­schäfts­füh­rer Rein­hold Scharpf als jetzt der Mar­ke­ting Club All­gäu zu Gast im All­gäu Art Ho­tel war. Be­hin­de­rung sei zum Glück ein Stück Nor­ma­li­tät ge­wor­den, re­fe­rier­te Scharpf. In­klu­si­on – al­so das Ein­be­zie­hen von be­hin­der­ten Men­schen in den Ar­beits­pro­zess – sei ei­ne ge­samt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be. „Wir ver­mit­teln da­durch auch neue Wer­te wie zum Bei­spiel Ent­schleu­ni­gung“, sagt der Ge­schäfts­füh­rer. Es kom­me bei den Gäs­ten durch­aus gut an, wenn es in ei­ni­gen Be­rei­chen et­was lang­sa­mer ge­he.

Das Pu­bli­kum im All­gäu Art Ho­tel ist ge­mischt. Zum ei­nen über­nach­ten Ge­schäfts­rei­sen­de, zum an­de­ren Men­schen mit Be­hin­de­rung. Ge­ra­de für letz­te­re Grup­pe ist das Haus aus­ge­rich­tet – zum Bei­spiel mit tie­fer ge­setz­ten Tür­klin­ken, da­mit die­se auch von Roll­stuhl­fah­rern leicht zu er­rei­chen sind, mit zum Teil hö­hen­ver­stell­ba­ren Toi­let­ten, Wi­ckel-Lie­gen auch für Er­wach­se­ne oder roll­stuhl­ge­rech­te Ti­sche.

Scharpf sieht ein gro­ßes Po­ten­zi­al bei Ur­lau­bern mit Be­hin­de­run­gen. Es ge­be Stu­di­en, die von ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro spre­chen, die in Bay­ern zu­sätz­lich um­zu­set­zen wä­ren, wenn es Be­hin­der­ten bes­ser mög­lich wä­re zu rei­sen. Des­halb müs­se man die An­ge­bo­te für Be­hin­der­te noch viel stär­ker pu­blik ma­chen und auch die so­zia­len Me­di­en da­mit be­spie­len. Selbst­ver­ständ­lich ar­bei­te das Ho­tel mit Rei­se­ver­an­stal­tern zu­sam­men, die sich auf den Ur­laub für Be­hin­der­te spe­zia­li­siert ha­ben.

Das ers­te Jahr sei wirt­schaft­lich schwie­rig ge­we­sen, räumt Scharpf ein. „Heu­er wol­len wir zwei Mil­lio­nen Eu­ro Um­satz er­rei­chen“, sagt der Ge­schäfts­füh­rer. Das müss­te bei ei­ner Aus­las­tung von 75 Pro­zent zu er­rei­chen sein. Als gemeinnütziger In­te­gra­ti­ons­be­trieb ha­be das Ho­tel kei­ne Ge­winn-Ab­sich­ten. „Wir sind zu­frie­den mit ei­ner schwar­zen Null“, sagt Scharpf.

„Wir ha­ben kei­ne Ge­win­nAb­sich­ten. Wir sind zu­frie­den mit ei­ner schwar­zen Null.“

Rein­hold Scharpf, Ge­schäfts­füh­rer All­gäu Art Ho­tel

Fo­to: Ste­fa­nie Dürr

Wie funk­tio­niert das Mar­ke­ting im Art Ho­tel Kempten? Dar­über in­for­mier­te sich jetzt der Mar­ke­ting Club All­gäu mit sei­ner Vi­ze-Prä­si­den­tin Pe­tra Krei­bich (links). Rechts Re­zep­tio­nis­tin Bir­git Gam­mel.

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