In­sel in der Groß­stadt

Die Schoensten Wohntraeume - - CONTENTS - TEXT : MA­RI­ON HELLWEG FO­TOS: DA­NIE­LA MC ADDEN BEI­DE FÜR BLOTT­NER VER­LAG

Ma­ria Sil­via zeigt, wie man auch in ei­ner pul­sie­ren­den Stadt wie Bu­e­nos Ai­res ei­ne Ruhe­oa­se für sei­ne Fa­mi­lie schaf­fen kann.

Pul­sie­rend und laut – Bu­e­nos Ai­res sprüht über vor Le­ben. Ma­ria Sil­via Loi­te­gui schuf hier ei­ne Ru­he-Oa­se für die gan­ze Fa­mi­lie.

Lässt man die 220 Qua­drat­me­ter gro­ße Woh­nung beim Ein­tre­ten auf sich wir­ken, glaubt man kaum, dass Ma­ria Sil­via Loi­te­gui le­dig­lich zwei Wo­chen da­zu be­nö­tig­te, sie in die­sen Zu­stand zu ver­set­zen. „Be­vor wir ein­zo­gen, hat­te ich 14 Ta­ge Zeit, um die Woh­nung auf Vor­der­mann zu brin­gen“, er­in­nert sich Ma­ria. „Auf der Trep­pe traf ich zwei an­de­re In­nen­ar­chi­tek­ten, die in der Woh­nung un­ter uns ar­bei­te­ten.“Als ich ih­nen er­zähl­te, wann mei­ne Woh­nung be­zugs­fer­tig sein soll­te, schau­ten sie mich stau­nend an.“Doch Ma­ria, die sich in das denk­mal­ge­schütz­te Haus von 1929 ge­ra­de­zu ver­liebt hat­te, wuss­te ge­nau, dass das kei­ne Fik­ti­on war. „Es ist viel schwie­ri­ger, bei ei­nem Kun­den ein­zu­rich­ten, als bei sich selbst“, sagt sie. „In frem­de Köp­fe muss man sich erst ein­mal hin­ein­den­ken, das kann dau­ern. Was mich selbst an­geht, so weiß ich ge­nau, was ich will und was mir ge­fällt.“Frü­her hat­te Ma­ria mit ih­rer fünf­köp­fi­gen Fa­mi­lie am Stadt­rand in ei­nem Haus mit Gar­ten ge­wohnt. Doch als sie das zen­tral ge­le­ge­ne, neo­klas­si­zis­ti­sche Ge­bäu­de be­sich­tig­te, war ihr klar, das die Woh­nung mit den ex­trem ho­hen De­cken und dem Blick auf den Pa­la­cio San Mar­tín ihr neu­es Re­fu­gi­um in Bu­e­nos Ai­res sein wür­de. „Ich se­he es als Pri­vi­leg an, in ei­ner so wun­der­schö­nen Alt­bau­woh­nung le­ben zu dür­fen“, schwärmt sie. Da der Zu­stand des neu­en Do­mi­zils sehr gut war und Ma­ria auch die Kü­che über­neh­men konn­te, wa­ren wirk­lich nur kos­me­ti­sche Än­de­run­gen nö­tig. Die ge­sam­te Woh­nung wur­de weiß ge­stri­chen und das kunst­vol­le Par­kett ab­ge­schlif­fen und neu ver­sie­gelt. „Ich ent­schied mich be­wusst ge­gen Vor­hän­ge und Tep­pi­che, um die Räu­me nicht klei­ner wir­ken zu las­sen, als sie sind“, er­klärt Ma­ria. Hin­sicht­lich des In­te­ri­eurs ka­men all ih­re al­ten Mö­bel zum Ein­satz. Le­dig­lich das ei­ne oder an­de­re Stück ließ Ma­ria auf­pols­tern und mit neu­em Stoff be­zie­hen.

Ich kann an kei­nem Trö­del vor­bei­ge­hen

An­ti­qui­tä­ten und Stil­mö­bel sind die Haupt­ak­teu­re in der Woh­nung, die durch ih­ren klas­si­zis­ti­schen Stil ei­ne per­fek­te Büh­ne da­für bie­tet. Der ge­schwun­ge­ne Ka­min mit Mu­schel­appli­ka­tio­nen, dem ein Zwil­ling auf der an­de­ren Sei­te des Wohn­zim­mers ge­gen­über­steht, zi­tiert die fran­zö­si­sche neo­klas­si­zis­ti­sche Epo­che. Ge­nau wie der Spie­gel dar­über, der dem oh­ne­hin gro­ßen Raum noch mehr Tie­fe ver­leiht. In der gan­zen Woh­nung fin­det man ori­gi­na­le ar­chi­tek­to­ni­sche De­tails wie die fran­zö­si­schen Bal­ko­ne mit schmie­de­ei­ser­nen Ge­län­dern so­wie na­tür­lich die raum­ho­hen Flü­gel­tü­ren, die al­le Zim­mer auf ein­la­den­de Art ver­bin­den und reiz­vol­le Ein­bli­cke schaf­fen. Auch die Fens­ter sind raum­hoch und las­sen viel Licht hin­ein und ge­stat­ten ei­nen groß­ar­ti­gen Blick auf die Alt­stadt von Bu­e­nos Ai­res. Der brei­te, lan­ge Wohn­flur hat fast mu­sea­len Cha­rak­ter. Über­all hän­gen kost­ba­re, gold­ge­rahm­te Bil­der italienischer Ma­ler, die in pas­sen­den Grup­pie­run­gen ar­ran­giert wur­den. Der hoch­glanz­po­lier­te St­ein­fuß­bo­den in Ter­raz­zo-Op­tik macht dem im­po­san­ten Ge­bäu­de al­le Eh­re. Ein be­son­de­rer Platz in der groß­zü­gi­gen Woh­nung ist die maß­ge­fer­tig­te Bi­b­lio­thek, die dank Ma­ri­as Lie­be zum De­tail be­son­ders abends durch die vie­len Wand­lam­pen sehr ein­drucks­voll wirkt. In den Re­ga­len ste­hen nicht nur zahl­rei­che kost­ba­re al­te Bü­cher, son­dern auch vie­le an­de­re er­le­se­ne An­ti­qui­tä­ten. „Ich kann an kei­nem Trö­del­la­den oder An­ti­qui­tä­ten-Shop vor­bei­ge­hen“, lacht Ma­ria. Sie ver­bringt oft ih­re frei­en Wo­che­n­en­den auf Floh­märk­ten und Mö­belauk­tio­nen, um das pas­sen­de In­ven­tar und reiz­vol­le Ac­ces­soires zu fin­den. Ihr aus­ge­zeich­ne­tes Ge­spür für For­men und Ma­te­ria­li­en lässt sie stets die rich­ti­gen Stof­fe für ei­ne neue Pols­te­rung fin­den, die die Mö­bel dann behaglich und gleich­zei­tig ele­gant wir­ken las­sen. Und dass Ma­ria auch Sinn für Hu­mor be­sitzt, sieht man an ei­ni­gen Tü­ren und Wän­den, die sie mit hand­schrift­li­chen Zi­ta­ten von Os­car Wil­de ver­se­hen ließ. Lä­chelnd schwärmt sie: „Ich lie­be sei­nen fei­nen Hu­mor!“

SA­LON Ma­ria hat die ge­sam­te Woh­nung in Weiß strei­chen las­sen. Auch für die Mö­bel be­vor­zugt sie die­sen strah­len­den Ton.

GU­TES AU­GE Ma­ria hat ein per­fekt ent­wi­ckel­tes Ge­fühl für Har­mo­nie, Ele­ganz und Ge­müt­lich­keit. Sie schuf ei­ne In­sel der Ent­span­nung.

FERN-SE­HEN Der Ses­sel am Fens­ter mit Aus­sicht auf die Alt­stadt ist Ma­ri­as Lieb­lings­platz. Hier sitzt sie am Abend und ge­nießt den Blick.

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