Xo­ro HRT 8772 HDD: Ers­ter DVBT2-Re­cei­ver mit ein­ge­bau­ter Fest­plat­te und Twin-Tu­ner

Ei­ne gro­ße Men­ge an Re­cei­vern für DVB-T2 HD ha­ben wir im Test­la­bor mitt­ler­wei­le un­ter die Lu­pe ge­nom­men. Dar­un­ter wa­ren auch ei­ni­ge Mo­del­le mit Auf­nah­me­funk­ti­on auf ex­ter­ne Da­ten­trä­ger. Di­gi­tal­re­cei­ver mit in­ter­ner Fest­plat­te sind in die­sem Be­reich al­lerd

Digital Fernsehen - - Inhalt - MI­KE BAUERFEIND

Den HRT 8772 HDD gibt es da­bei im Han­del in meh­re­ren Ver­sio­nen. Wer be­reits über ei­ne pas­sen­de Fest­plat­te im For­mat 2,5 Zoll ver­fügt, wird si­cher zum Ge­rät oh­ne vor­in­stal­lier­ten Da­ten­trä­ger grei­fen. Al­le an­de­ren kön­nen sich zwi­schen dem Mo­dell mit 1TB oder 2 TB ent­schei­den. Bei die­sen Va­ri­an­ten ist die Fest­plat­te be­reits ab Werk in­stal­liert und der Käu­fer muss sich hier um nichts wei­ter küm­mern. Un­ser Test­modell ver­fügt üb­ri­gens über ei­ne ver­bau­te Fest­plat­te mit 1TB Ka­pa­zi­tät. Da­mit der Re­cei­ver sei­ner Auf­ga­be als Auf­nah­me ge­recht wird, ha­ben die Ent­wick­ler dem Ge­rät ei­nen Twin-Tu­ner spen­diert. Gleich­zei­tig ei­nen an­de­ren Sen­der wäh­rend ei­ner lau­fen­den Auf­nah­me schau­en ist so­mit pro­blem­los mög­lich.

Schi­ckes De­sign

Der kom­pakt ge­bau­te Re­cei­ver macht ei­ne gu­te Fi­gur. Da­zu trägt das schmu­cke bern­stein­far­be­ne vier­stel­li­ge nu­me­ri­sche Dis­play an der Front bei. Die­ses kommt al­ler­dings nur in dunk­ler Um­ge­bung rich­tig zur Gel­tung. Schlim­mer noch: Bei star­ker Hel­lig­keit oder gar di­rek­ter Son­nen­ein­strah­lung auf das Ge­rät ist das Dis­play über­haupt nicht mehr les­bar. Schick ist auch der uni­ver­sel­le Be­di­en­knopf in der Mit­te. Der sil­ber­far­be­ne Ring hebt sich da­bei be­son­ders mar­kant vom rest­li­chen Schwarz ab. Da­mit las­sen sich auch oh­ne Fern­be­die­nung Sen­der wech­seln, die Laut­stär­ke re­geln und das Ge­rät Ein- und Aus­schal­ten. Hin­ter der kom­plett ab­klapp­ba­ren Front ver­steckt sich noch die ein­ge­bau­te Fest­plat­te, die sich bei ge­nau­er Be­trach­tung prak­ti­scher­wei­se als Wech­sel­fest­plat­te ent­puppt. Ei­nen USB-An­schluss gibt es da­ge­gen front­sei­tig nicht. Die­ser ver­steckt sich hin­ten am Ge­rät. Dort fin­den wir auch den ob­li­ga­to­ri­schen HDMI-Aus­gang, ei­nen op­ti­schen Di­gi­tal­aus­gang so­wie ei­nen ana­lo­gen Aus­gang. Die­ser be­steht al­ler­dings aus ei­ner Spe­zi­al­buch­se. Um das Ge­rät via Scart an ei­nen äl­te­ren Röh­ren­fern­se­her an­zu­schlie­ßen, wird ein Spe­zi­al­ad­ap­ter be­nö­tigt. Die­ser ist im Lie­fer­um­fang al­ler­dings nicht ent­hal­ten, son­dern muss bei Be­darf se­pa­rat er­wor­ben wer­den. Dann gibt es noch ei­ne Netz­werk­buch­se und ei­nen (der­zeit funk­ti­ons­lo­sen) Chip­kar­ten­le­ser. Das Netz­teil ist ex­tern aus­ge­führt, ein al­ter­na­ti­ver Be­trieb an ei­ner Au­to­bat­te­rie mit op­tio­na­lem Ad­ap­ter ist al­so mög­lich. Kri­tik­punk­te: Es gibt kei­nen Netz­schal­ter und der An­ten­nen­ein­gang ist nicht durch­ge­schleift. Un­güns­tig ist auch das Feh­len di­rek­ter ana­lo­ger Au­dio­aus­gän­ge. Der An­schluss ei­nes ex­ter­nen Ver­stär­kers oh­ne op­ti­schen Di­gi­tal­ein­gang ist nur über den Um­weg über ei­nen Scart-Ad­ap­ter und ei­nen wei­te­ren Ad­ap­ter zur Ab­nah­me des Ton­signals mög­lich.

Er­stein­rich­tung

Der Re­cei­ver ist mit we­ni­gen Klicks funk­ti­ons­be­reit. Beim ers­ten Start wer­den nur drei Punk­te ab­ge­fragt: Sys­tem­spra­che, mög­li­che Span­nungs­ver­sor­gung für die An­ten­ne und es wird ein au­to­ma­ti­scher Such­lauf durch­ge­führt. Nach we­ni­gen Mi­nu­ten ist die­ser be­en­det. Lei­der wer­tet der Re­cei­ver of­fen­bar LCN nicht aus, denn die Sen­der wer­den in der Rei­hen­fol­ge des Auf­fin­dens in der Ka­nal­lis­te ab­ge­spei­chert. Da es aber im ei­gent­li­chen Me­nü ei­nen pas­sen­den Me­nü­punkt gibt und LCN dort ab Werk de­ak­ti­viert ist, ver­su­chen wir es mit ein­ge­schal­te­ter LCN-Funk­ti­on noch­mals. Lei­der je­doch oh­ne Er­folg: Auch beim zwei­ten Such­lauf lan­den die Ka­nä­le un­sor­tiert in der Haupt­ka­nal­lis­te. Zum Glück gibt es aber zu­sätz­lich acht Fa­vo­ri­ten­lis­ten. Dort kön­nen die Lieb­lings­sen­der ab­ge­legt und nach dem per­sön­li­chen Be­darf sor­tiert

wer­den. Den­noch wä­re es schö­ner ge­we­sen, wenn das Ge­rät die an sich schon brauch­ba­re Sor­tie­rung di­rekt von DVB-T2 über­neh­men wür­de.

Stan­dard-Fern­be­die­nung

Den Si­gnal­ge­ber des Xo­ro HRT 8772 HDD ha­ben wir in der ei­nen oder an­de­ren Form schon bei di­ver­sen an­de­ren Re­cei­vern und so­gar Di­gi­tal­ra­di­os ge­se­hen. Die­se Fern­be­die­nung ist schon funk­tio­nell und ver­fügt auch über di­ver­se Tas­ten mit Spe­zi­al­funk­tio­nen. Al­les in al­lem ist sie aber ein we­nig klein und dürf­te vor al­lem bei Nut­zern mit gro­ßen Hän­den nicht im­mer so gut an­kom­men. Lei­der ist der Trend zur Mi­nia­tu­ri­sie­rung die­ses wich­ti­gen Be­dien­ele­men­tes aber bei vie­len Her­stel­lern zu be­ob­ach­ten.

Im Be­trieb

Trotz et­was ha­ke­li­ger Fern­be­die­nung lässt sich der Re­cei­ver ins­ge­samt gut be­die­nen. Beim Ka­nal­wech­sel oder Druck auf die In­fo-Tas­te in­for­miert ein OSD nicht nur über die ak­tu­el­le Sen­dung und de­ren Lauf­zeit, son­dern zeigt auch gleich die nach­fol­gen­de Sen­dung mit an. Noch aus­führ­li­cher in­for­miert der EPG. Die­ser lässt sich von der Mehr­ka­nal­vor­schau mit fünf Sen­dern auch auf Ein­zel­ka­nal­um­schau um­stel­len. Selbst­ver­ständ­lich las­sen sich hier auch Auf­nah­me di­rekt aus dem EPG her­aus pro­gram­mie­ren. Et­was scha­de fan­den wir, dass der Re­cei­ver trotz Netz­werk­an­schluss über na­he­zu kei­ne Hy­bridfunk­tio­nen ver­fügt. Le­dig­lich ei­ne Wet­ter-App und ei­nen RSS-Re­a­der gibt es. Bei­des wird Nut­zer nicht vom Ho­cker rei­ßen. Auch Hb­bTV und da­mit Fre­e­net TV Con­nect ist mit dem Ge­rät lei­der nicht nutz­bar. Hier stellt sich al­so tat­säch­lich die Fra­ge, war­um man den HRT 8772 HDD über­haupt mit dem hei­mi­schen Netz­werk ver­bin­den soll. Nicht über­ra­gend fan­den wir auch die Um­schalt­zei­ten des Ge­rä­tes. Zwi­schen 2 und 4 Se­kun­den gönnt sich der Re­cei­ver für ei­nen Ka­nal­wech­sel, was kei­ne Spit­zen­leis­tung ist.

Pay-TV

Dank ein­ge­bau­tem Ent­schlüs­se­lungs­mo­dul ist auch der Emp­fang von Fre­e­net TV mög­lich. Auf Wunsch wer­den al­so ge­gen ei­nen Mo­nats­be­trag auch die Pri­vat­sen­der in HD hell und kön­nen auch auf Fest­plat­te auf­ge­zeich­net wer­den. Hier­zu ist dann nach der Test­pha­se ei­ne Re­gis­trie­rung bei Fre­e­net er­for­der­lich. Dort kann der Re­cei­ver auch für Auf­nah­men frei­ge­schal­tet wer­den, falls die­se nicht funk­tio­nie­ren. Mit un­se­rem Test­mus­ter hat­ten wir da­mit al­ler­dings kei­ne Pro­ble­me, die Auf­zeich­nun­gen klapp­ten von An­fang an auch oh­ne zu­sätz­li­che Ak­ti­vie­rung.

Auf­nah­men

Wird die Re­cord-Tas­te auf der Fern­be­die­nung ge­drückt, star­tet das Ge­rät ei­ne So­fort­auf­nah­me. Die­se rich­tet sich von der Län­ge her al­ler­dings nicht nach dem EPG und der ak­tu­el­len Sen­dung, son­dern ist ab Werk auf 3 St­un­den ein­ge­stellt. Die­se Stan­dard-Auf­nah­me­dau­er lässt sich auf Wunsch aber auch in den Ein­stel­lun­gen in­di­vi­du­ell an­pas­sen. Kom­for­ta­bler geht es über den Ti­mer. Am ele­gan­tes­ten wird die­ser über den EPG pro­gram­miert. Dann rich­tet sich die Auf­nah­me­dau­er nach der Sen­dung mit ent­spre­chen­der (eben­falls ein­stell­ba­rer) Vor- und Nach­lauf­zeit. Mit Ein­schrän­kun­gen muss der Nut­zer bei Auf­zeich­nung der Pri­vat­sen­der in HD rech­nen. Die­se be­tref­fen zum Glück aber nur die Sen­der der RTL-Grup­pe, wo es die schon von HD Plus be­kann­te Vor­spulsper­re gibt.

Auch im Time­s­hift ist dort das Vor­spu­len un­ter­sagt. Im Ge­gen­satz da­zu las­sen sich Sen­dun­gen von ProSie­benSat.1 und al­le frei emp­fang­ba­ren Sen­der oh­ne jeg­li­che Ein­schrän­kun­gen auf­zeich­nen.

Mul­ti­me­dia

Ne­ben der Wie­der­ga­be der Auf­zeich­nun­gen las­sen sich na­tür­lich auch Fil­me, Fo­tos und Mu­sik­da­tei­en von ex­tern an­ge­schlos­se­nen Da­ten­trä­gern wie­der­ge­ben. Hier über­zeugt das Ge­rät durch gu­te Wie­der­ga­be­funk­tio­nen. Un­se­re Test­me­di­en wer­den größ­ten­teils ab­ge­spielt und auch das wich­ti­ge Um­schal­ten des Au­dio­ka­nals funk­tio­niert. Nicht un­ter­stützt wird di­vx und wmv HD. Kei­ne Pro­ble­me be­rei­te­ten hin­ge­gen mkv, avi oder mp4. Prak­tisch ist üb­ri­gens die Mög­lich­keit, mit­tels der Rechts-/ Link­s­tas­ten des Steuer­kreu­zes schnell durch den ab­ge­spiel­ten Film zu zap­pen.

Fest­plat­te

Er­wähnt wer­den soll­te noch­mal die ein­ge­bau­te Fest­plat­te. Die­se hat­te bei un­se­rem Test­ge­rät ei­ne Ka­pa­zi­tät von 1 Te­ra­byte und war fest im Ge­rät ver­baut. Be­son­ders prak­tisch ist das nicht, denn ei­gent­lich ist die Fest­plat­te ja über ei­nen Mecha­nis­mus ent­nehm­bar, oh­ne das Ge­häu­se zu öff­nen. Schließ­lich gibt es den Re­cei­ver ja auch oh­ne ein­ge­bau­te Fest­plat­te, so dass der Nut­zer die­se nach Be­lie­ben tau­schen kann. Of­fen­bar soll dies aber bei den fest ver­bau­ten Da­ten­trä­gern ver­hin­dert wer­den, was na­tür­lich dem Sinn des von au­ßen zu­gäng­li­chen Wech­sel­rah­mens ent­ge­gen­steht. Wir schaff­ten es je­den­falls nicht, bei un­se­rem Test­ge­rät die ver­bau­te Fest­plat­te zu ent­neh­men und auch das Hand­buch lässt den Nut­zer hier im Re­gen ste­hen.

Hy­bridfunk­tio­nen

Hier gibt es ei­gent­lich nicht viel mehr zu sa­gen. Die Netz­werk­funk­tio­nen be­schrän­ken sich lei­der nur auf zwei we­nig prak­ti­sche Apps. We­der Hb­bTV noch Hy­bridfern­se­hen (Fre­e­net TV Con­nect) funk­tio­nie­ren. We­nigs­tens ein paar nütz­li­che Apps hät­te Xo­ro dem Di­gi­tal­re­cei­ver durch­aus spen­die­ren kön­nen. Vi­el­leicht wird hier ja noch et­was über ein Firm­ware­up­date nach­ge­scho­ben, zu er­war­ten ist das al­ler­dings nicht. Mo­men­tan ist der An­schluss der Netz­werk­buch­se prak­tisch nicht not­wen­dig.

Fa­zit

Der HRT 8772 HDD sam­melt auf je­den Fall Bo­nus­punk­te als ers­ter DVB-T2-Re­cei­ver mit ein­ge­bau­ter Fest­plat­te und dem prak­ti­schen Twin-Tu­ner. So rich­tig gut ein­ge­bun­den hat Xo­ro die Auf­nah­me­funk­ti­on aber nicht. Das sieht man vor al­lem an der feh­len­den sen­dungs­be­zo­ge­nen So­fort­auf­nah­me­funk­ti­on. An­sons­ten aber ist das Ge­rät ein so­li­der ter­res­tri­scher Re­cei­ver, der we­der mit gro­ßen Schwä­chen, aber auch kei­nen über­ra­gen­den High­lights punk­ten kann. Är­ger­lich ist auch die feh­len­de LCN-Sor­tie­rung der Sen­der. Mit über 200 Eu­ro für die Va­ri­an­te mit 1 TB Fest­plat­te ge­hört das Ge­rät auch nicht zu den Schnäpp­chen. Da ist ei­ne Kom­bi­na­ti­on auf Re­cei­ver mit ex­ter­ner Fest­plat­te un­ter Um­stän­den um ei­ni­ges güns­ti­ger.

Auch die So­fort­auf­nah­me könn­te kom­for­ta­bler sein. Stan­dard­mä­ßig wer­den drei St­un­den am Stück auf­ge­zeich­net. Ei­ne EPG-ba­sier­te So­fort­auf­nah­me gibt es nicht

...stan­dard­mä­ßig ist aber oh­ne­hin die Mehr­ka­nal­an­sicht ak­ti­viert. Hier kön­nen dann auch Ti­mer über die ro­te Tas­te ein­ge­rich­tet wer­den

Ent­täu­schend sind die Netz­werk­funk­tio­nen des Re­cei­vers. Le­dig­lich ei­ne Wet­ter-App und ein RSS-Feed­view­er sind hier ver­füg­bar

Der EPG in­for­miert über lau­fen­de und nach­fol­gen­de Sen­dun­gen. Im Ein­zel-EPG las­sen sich al­ler­dings nicht di­rekt Auf­nah­men pro­gram­mie­ren...

In der Fa­vo­ri­ten­lis­te kön­nen die ge­wünsch­ten Pro­gram­me in der pas­sen­den Rei­hen­fol­ge ab­ge­legt wer­den

Das Me­nü des Ge­rä­tes ist wei­test­ge­hend selbst­er­klä­rend und er­laubt die Ein­rich­tung des Ge­rä­tes nach den ei­ge­nen Be­dürf­nis­sen

Die Rück­sei­te des Re­cei­vers hält nicht vie­le Über­ra­schun­gen be­reit. Der Ein­schub für die Chip­kar­te ge­hört zum in­te­grier­ten Ir­de­to-Ent­schlüs­se­lungs­mo­dul, wird der­zeit aber nicht ver­wen­det

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.