Kar­ten­lo­ses Pay-TV: Vor- und Nach­tei­le von em­bed­ded Sys­te­men

Wie es scheint, hat die Smart­card bald aus­ge­dient. Im­mer mehr Pay-TV-An­bie­ter set­zen auf kar­ten­lo­se Sys­te­me. Bei­spie­le da­für sind das ver­schlüs­sel­te DVB-T2 in Deutsch­land und Ös­ter­reich.

Digital Fernsehen - - Inhalt - THO­MAS RIEG­LER

Was bringt der Wech­sel auf kar­ten­lo­se Ver­schlüs­se­lungs­sys­te­me in der Pra­xis? Sind sie eher Fluch oder ein Se­gen für den Zu­schau­er?

Smart­cards

Der, aus der Sicht der Pro­gramm­an­bie­ter, gro­ße Nach­teil von Smart­cards ist, dass sich die­se qua­si über­all rein­ste­cken las­sen. Al­so nicht nur in da­für zer­ti­fi­zier­te Mo­du­le oder Set­top-Bo­xen. Sie las­sen sich auch in Ge­rä­ten be­trei­ben, mit de­nen sich mehr an­stel­len lässt, als von den TV-Sen­dern ge­wünscht. So las­sen sich et­wa ner­vi­ge Auf­nah­me­re­strik­tio­nen um­ge­hen. Für die Nut­zer prak­tisch ist auch das Card­sha­ring, bei dem man von meh­re­ren Re­cei­vern im Haus­halt über das Heim­netz­werk auf die­sel­be Smart­card zu­grei­fen kann. Was in der Pra­xis et­wa Pay-TV auf al­len TV-Ge­rä­ten in der Woh­nung be­deu­tet, oh­ne et­wa da­für ein Abo für Zweit­ge­rä­te ab­schlie­ßen zu müs­sen. Hat man es ge­schafft, ei­ne aus­län­di­sche Kar­te, et­wa für ös­ter­rei­chi­sches oder Schwei­zer TV über Sa­tel­lit, zu be­kom­men, kön­nen auf die­sem Weg eben­falls meh­re­re Bo­xen auf sie zu­grei­fen. Was ein enor­mer Zu­ge­winn an Kom­fort be­deu­tet. Glei­ches trifft auch für HD-Plus-Kar­ten zu. Vor­aus­set­zung da­für ist le­dig­lich, dass man die Bo­xen in die „rich­ti­gen“Ge­rä­te, Stich­wort Li­nux, steckt.

Le­gal und il­le­gal

Lei­der ist der Weg vom Card­sha­ring im ei­ge­nen Heim­netz­werk bis zum Zu­griff auf ei­ne Smart­card über das In­ter­net ein kur­zer. In­si­der wis­sen das. Im­mer wie­der wer­den sol­che il­le­ga­le Zu­schau­er­grup­pen, die mit we­ni­gen Kar­ten Pay-TV aus dem Inund Aus­land gu­cken, aus­ge­ho­ben. Ih­nen win­ken saf­ti­ge Stra­fen. Es ist nur ver­ständ­lich, dass Pay-TV-An­bie­ter, wie et­wa Sky, kein In­ter­es­se da­ran ha­ben kön­nen, dass sich meh­re­re bis sehr vie­le Haus­hal­te nur ein ein­zi­ges Abo tei­len. Wür­den das al­le ma­chen, wür­den Pay-An­bie­ter kei­ne Abon­nen­ten und so­mit kei­ne Ein­nah­men mehr ha­ben und es wür­de sie mit der Zeit auch nicht mehr ge­ben.

Smart­cards ha­ben zu­dem den Nach­teil, dass sie von Spe­zia­lis­ten aus­ge­le­sen wer­den kön­nen. Die­se fin­den dann in der Re­gel frü­her oder spä­ter auch We­ge, wie sie de­ren Si­cher­heits­kri­te­ri­en um­ge­hen und kna­cken kön­nen. Dar­in liegt auch die Ur­sa­che, wes­halb De­ko­dier­kar­ten nicht be­lie­big lan­ge Ver­wen­dung fin­den, son­dern im­mer wie­der ge­gen neue, si­che­re­re Kar­ten­ver­sio­nen aus­ge­tauscht wer­den. Ös­ter­rei­cher wis­sen et­wa ein Lied da­von zu sin­gen, dass ih­re Smart­cards al­le fünf Jah­re zu er­set­zen sind.

Kar­ten­lo­se Sys­te­me

Sie wer­den in letz­ter Zeit von im­mer mehr An­bie­tern eta­bliert. Sie ver­spre­chen sich da­von mehr Si­cher­heit. Schließ­lich ha­ben fin­di­ge PC-Freaks bei fest in Re­cei­vern oder Mo­du­len ein­pro­gram­mier­ten De­co­dier­sys­te­men kei­ne Chan­ce mehr, die­se aus­zu­le­sen und We­ge für nicht vom TV-An­bie­ter ge­wünsch­te An­wen­dun­gen zu er­mög­li­chen. Mit kar­ten­lo­sen De­co­dier­sys­te­men ist auch kein Card­sha­ring, egal ob nur im Heim­netz­werk oder über gro­ße Ha­cker­grup­pen über das In­ter­net, mehr mög­lich. Für je­den Fern­se­her braucht es die vom Pay-TV-Be­trei­ber aus­ge­ge­be­ne Box oder CI-Plus-Mo­dul­le. Ge­nau­so, wie wir es et­wa von Fre­e­net TV oder dem ös­ter­rei­chi­schen Sim­pliTV, bei­de DVB-T2, ken­nen.

Sat-Emp­fang be­trof­fen

Aber auch beim Sa­tel­li­ten­emp­fang meh­ren sich ka­bel­lo­se De­co­der­sys­te­me. So soll in Ös­ter­reich mit Sim­pliSAT noch heu­er ei­ne Sa­tel­li­ten­platt­form an den Start ge­hen, die oh­ne Smart­card das Aus­lan­gen fin­det. Zum Ein­satz kom­men sol­len Re­cei­ver mit be­reits in­te­grier­tem De­co­der und pro­gram­mier­ten CI-Plus-Mo­du­len, wel­che eben­falls kei­ne Kar­te be­nö­ti­gen. Auch im Aus­land sind kar­ten­lo­se Sys­te­me auf dem Vor­marsch. Wie et­wa in Skan­di­na­vi­en, wo Ca­nal Plus seit Kur­zem statt auf Smart­cards nur noch auf kar­ten­lo­se Kom­po­nen­ten setzt. Ein wei­te­res Bei­spiel ist der neue nie­der­län­di­sche Pay-TV-An­bie­ter Joy­ne, der

aus­schließ­lich auf fest pro­gram­mier­te Mo­du­le für den Emp­fang sei­ner Pa­ke­te setzt. Mit kar­ten­lo­sen Zu­gän­gen wird ver­schlüs­sel­tes Fern­se­hen zu­nächst ein­mal si­che­rer. Pi­ra­ten­tum in all sei­nen Fa­cet­ten wird da­mit ein Rie­gel vor­ge­scho­ben. Dies ist das ent­schei­den­de Kri­te­ri­um, war­um kar­ten­lo­ses Pay-TV bald all­ge­mein üb­lich sein dürf­te. Dass ein nicht zu un­ter­schät­zen­der Kom­fort-Ver­lust bei den Kun­den mit ein­her geht, küm­mert die Pay-An­bie­ter we­nig. Des­halb wird auch nicht groß er­wähnt, dass man co­dier­te Ka­nä­le künf­tig mit­un­ter nicht mehr mit ei­ner frei wähl­ba­ren Box se­hen kön­nen wird. Auch das Auf­zeich­nen be­lie­bi­ger In­hal­te muss nicht mehr so leicht ge­hen, wie jetzt.

Den­noch be­deu­ten card­less Sys­te­me im ge­wis­sem Sin­ne ein Mehr an Kom­fort. So brau­chen mit ih­nen kei­ne Smart­cards mehr aus­ge­wech­selt wer­den. Was den Zu­schau­ern Kos­ten und Mü­hen beim Kar­ten­tausch er­spart. Da­mit wer­den auch po­ten­ti­el­le Feh­ler­quel­len be­sei­tigt. Schließ­lich gibt es vier Mög­lich­kei­ten, wie man ei­ne Kar­te in den Schlitz ei­nes Mo­duls ste­cken kann. Nur ei­ne da­von ist die rich­ti­ge. Un­ter die­sem Aspekt wird der Emp­fang mit kar­ten­lo­sen Bo­xen oder Mo­du­len tat­säch­lich ver­ein­facht. Dass es sich da­bei um kein an den Haa­ren her­bei­ge­zo­ge­nes Ar­gu­ment han­delt, kann un­ter an­de­rem der ös­ter­rei­chi­sche Fach­han­del be­stä­ti­gen. Für Ot­to Nor­mal­ver­brau­cher mag der neue Trend durch­aus ein Ge­winn sein. Al­le, die auf hoch­wer­ti­ge Re­cei­ver set­zen und das Ma­xi­mum aus ih­ren An­la­gen her­aus­ho­len wol­len, kön­nen ihn als Gän­ge­lung und Ein­schrän­kung er­le­ben.

Bei­spiel Skan­di­na­vi­en

Wer sich et­wa in Nor­we­gen für ein Ca­nal-Di­gi­tal-Abo in­ter­es­siert, hat die Wahl zwi­schen ei­nem kar­ten­lo­sen Mo­dul oder ei­ner klei­nen Box des chi­ne­si­schen Her­stel­lers ADB. Sie trägt die Ty­pen­be­zeich­nung TNR2760ST. An ih­rer Front be­fin­den sich nur ein vier­stel­li­ges Dis­play, so­wie ein Ein-AusK­nopf. Rück­wärts sind je ein An­ten­nen­an­schluss für ei­ne Sat-Schüs­sel und für di­gi­ta­les An­ten­nen­fern­se­hen, wohl nur für DVB-T in MPEG-4, so­wie je ei­ne HDMI- und Scart-Buch­se zu fin­den. Wei­ter sind ei­ne USB- und Netz­werk-Schnitt­stel­le, so­wie der An­schluss für das ex­ter­ne 12-Volt-Netz­teil vor­han­den. Die Be­dien­ele­men­te des Hand­ge­bers be­schrän­ken sich auf die wich­tigs­ten Gr­und­funk­tio­nen. Ein Tas­te für ei­ne Auf­nah­me­funk­ti­on oder ei­ne für die Me­di­en­wie­der­ga­be sucht man al­ler­dings ver­ge­bens. Beim Ein­schal­ten macht die Box durch ih­re enor­me Träg­heit auf sich auf­merk­sam. Sie macht sich nicht nur beim Hoch­fah­ren, son­dern auch beim be­tä­ti­gen der Tas­ten be­merk­bar. Sie ist de­fi­ni­tiv kei­ne Box für Zap­per. Ein Blick in die Me­nüs ver­rät, dass der Re­cei­ver aus­schließ­lich für den Emp­fang des Ca­nal-Di­gi­tal-Pa­kets auf 1 Grad West aus­ge­legt ist. So fin­det sich kein Me­nü zur Tu­ner-Kon­fi­gu­ra­ti­on, über das der Re­cei­ver für den Emp­fang meh­re­rer Sa­tel­li­ten­po­si­tio­nen vor­ein­ge­stellt wer­den könn­te. Ei­nen ma­nu­el­len Sen­der­such­lauf gibt es eben­falls nicht. Wo­mit man mit der Box nur das se­hen kann, was vom An­bie­ter vor­ge­ge­ben wird.

Nur Stan­dard­bo­xen?

Es ist da­mit zu rech­nen, dass künf­ti­ge kar­ten­lo­se Bo­xen nur Stan­dar­d­an­for­de­run­gen er­fül­len wer­den. Wo­zu sie mit zahl­lo­sen Funk­tio­nen aus­stat­ten, die min­des­tens 90 Pro­zent der Nut­zer oh­ne­hin nicht brau­chen? Den meis­ten ge­nügt eben As­tra mit den deut­schen Ka­nä­len. Für sie wer­den sol­che Set­top-Bo­xen ge­baut wer­den.

Tu­n­er­kon­fi­gu­ra­ti­on ist bei die­ser Box nicht vor­ge­se­hen. Wo­mit auch kei­ne DiSEqC-Kon­fi­gu­ra­tio­nen an­ge­bo­ten wer­den

Im In­stal­la­ti­ons­me­nü fin­det sich nur ei­ne au­to­ma­ti­sche Sen­der­su­che. Ei­nen ma­nu­el­len Such­lauf gibt es nicht

Die Ca­nal-Di­gi­tal-Kar­te ließ sich auch noch in an­de­ren Ge­rä­ten be­trei­ben. Die­se Zeit ist nun lei­der auch bei Ca­nal Di­gi­tal vor­bei

Auch das Fre­e­net-TV-Mo­dul kommt oh­ne Kar­te aus. Card­sha­ring und Co sind so aus­ge­schlos­sen

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