Das Mor­gan Pro­jekt

Digital Tested - - Film - MI­RI­AM HEINBUCH

mit der ver­letz­ten Wis­sen­schaft­le­rin Ka­thy (Jen­ni­fer Ja­son Leigh) und schnell wird klar, wo­mit sie es zu tun hat: Wäh­rend Lee von Mor­gan, ei­nem künst­lich er­schaf­fe­nen und mit syn­the­ti­scher DNA aus­ge­stat­te­ten Men­schen, als „es“re­det, be­steht die For­scher­crew dar­auf, Mor­gan als „sie“zu be­zeich­nen. Zum ei­nen wird sie als der gro­ße Durch­bruch des Teams ge­rech­net. Zum an­de­ren ist sie den Wis­sen­schaft­lern in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren ans Herz ge­wach­sen, und sie se­hen in ihr fast schon ein ei­ge­nes Kind. Sie konn­ten sie auf­wach­sen se­hen und hän­gen an ihr. Be­son­ders Amy (Ro­se Les­lie) ist fest ent­schlos­sen, das Mäd­chen zu be­schüt­zen. Lee sieht Mor­gan hin­ge­gen als Pro­dukt ih­res Un­ter­neh­mens und muss her­aus­fin­den, ob es ein ein­ma­li­ger Vor­fall war oder ob Ge­fahr von ihr aus­geht. Ih­re Vor­sicht ist nicht un­be­grün­det, denn ein paar Jah­re zu­vor ging in Hel­sin­ki ein ähn­li­ches Pro­jekt furcht­bar schief, das un­ter den For­schern vie­le Op­fer for­der­te.

Wer spielt mit wem?

Für den Zu­schau­er bleibt Lee ein ähn­lich ver­schlos­se­nes Rätsel wie für die For­scher auf der Sta­ti­on. Mor­gan hin­ge­gen dürf­te die­je­ni­gen, die vor der Lein­wand sit­zen deut­lich we­ni­ger über­ra­schen als die, die auf der Lein­wand ver­su­chen das Mäd­chen zu schüt­zen. Es ist trotz al­lem Sci­ence Fic­tion mit Ein­schlä­gen von Hor­ror, die sich in Grau-, Blau- und Grün­tö­nen ent­fal­ten. Man hat schnell sei­ne Ver­mu­tun­gen über Lee und Mor­gan, und als die Sa­che blu­tig wird, denkt man sich schon fast un­ver­blüfft „Tja, das ist ja schnell es­ka­liert“. Zwi­schen den Sze­nen ste­hen hier und da Rück­blen­den, die zei­gen sol­len, wie sich Mor­gan ent­wi­ckelt hat, was sie ge­formt hat. Auch wenn die Ge­schich­te von Re­gis­seur Lu­ke Scott, des­sen Va­ter Rid­ley Scott als Pro­du­zent mit­ge­wirkt hat, oft recht vor­her­seh­bar wirkt, ist die Span­nung trotz­dem gut auf­ge­baut und man kriegt die ei­ne oder an­de­re klei­ne Gän­se­haut. Die küh­le Stim­mung al­lein sorgt schon für Be­klem­mung, auch wenn sie es teil­wei­se schwie­rig macht, ech­te Nä­he zu den Fi­gu­ren zu spü­ren, für die si­cher die Re­tro­spek­ti­ven sor­gen sol­len. Man­ches kommt dann auch doch ganz an­ders, als er­war­tet.

Was ei­gent­lich ein we­nig aus dem Takt wirkt in die­sem Film, der bild- und ton­tech­nisch stil­si­cher da­her­kommt, ist das Tem­po. Viel­leicht hät­te der Plot bes­ser zu ei­ner Se­rie ge­passt, oder ei­nem Film mit mehr Spiel­län­ge. Das hät­te der Ent­wick­lung der Hand­lung und Cha­rak­te­re in­so­fern bes­ser ge­stan­den, dass viel un­aus­ge­schöpf­tes Po­ten­zi­al sich hät­te ent­wi­ckeln kön­nen. So bleibt vie­les un­be­ant­wor­tet und man hat gar nicht die Zeit, sich in den an­dert­halb St­un­den mit all den auf­ge­wor­fe­nen ethi­schen Fra­gen aus­rei­chend aus­ein­an­der­zu­set­zen. Mit an­de­ren Wor­ten: Der Film ist se­hens­wert. Nur, dass man ger­ne noch mehr da­von se­hen wür­de. Im Bo­nus­ma­te­ri­al be­fin­den sich ei­ne Kurz­do­ku, ein Kurz­film und ge­lösch­te Sze­nen in­klu­si­ve Au­dio­kom­men­tar. Das Me­nü sieht dar­über hin­aus sehr schick aus.

Mor­gan (Anya Tay­lor-Joy) und Lee Wea­thers (Ka­te Ma­ra) tref­fen im grau­en Auf­ent­halts­raum des „Pro­dukts“Mor­gan auf­ein­an­der, ge­trennt durch ei­ne Wand aus Glas

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