Ana­log­ab­schal­tung auch im Ka­bel:

Vo­da­fo­ne schal­tet 2018 ana­lo­ge TV-Si­gna­le ab

Digital Tested - - Inhalt - STE­FAN HOFMEIR

Seit 1995 gibt es di­gi­ta­les Fern­se­hen über Sa­tel­lit, kur­ze Zeit spä­ter auch im Ka­bel. Pri­vat­sen­der wie RTL und ProSie­ben müs­sen laut ei­ner Auf­la­ge des Bun­des­kar­tell­amts spä­tes­tens seit Früh­jahr 2013 un­ver­schlüs­selt di­gi­tal sen­den. Ei­gent­lich hät­te man schon dann das ana­lo­ge Fern­se­hen im Ka­bel ab­schal­ten kön­nen. Via Ter­restrik und Sa­tel­lit ist das ana­lo­ge Fern­se­hen schon seit Jah­ren be­en­det. Über IPTV gab es von An­fang an nur di­gi­ta­le Si­gna­le. Ka­bel­haus­hal­te gel­ten je­doch als be­son­ders tech­niku­naf­fin, ge­ra­de äl­te­re Men­schen hiel­ten am ana­lo­gen Emp­fang fest. Doch ist die Zahl der Noch-Di­gi­tal­ver­wei­ge­rer der­ma­ßen ge­ring ge­wor­den, dass sich Po­li­tik und Netz­be­trei­ber nun end­lich trau­en ab­zu­schal­ten. Im eu­ro­päi­schen Aus­land, ins­be­son­de­re Ös­ter­reich und die Schweiz, war man mu­ti­ger und hat dies be­reits voll­zo­gen.

Uni­ty­me­dia Vor­rei­ter

Auch Uni­ty­me­dia als größ­ter Ka­bel­netz­be­trei­ber in Ba­den-Würt­tem­berg, Hes­sen und Nord­rhein-West­fa­len ist den Schritt im Som­mer ge­gan­gen. Pro Bun­des­land gab es so­ge­nann­te „Chan­ge-Days“, an de­nen das ana­lo­ge Fern­se­hen ab­ge­schal­tet und die di­gi­ta­len Pro­gram­me auf die frei ge­wor­de­nen Fre­quen­zen um­ge­legt wur­den. Das macht Sinn, denn so sind dann al­le di­gi­ta­len Pro­gramm­pa­ke­te wie­der un­ter­halb von 450MHz und funk­tio­nie­ren auch in äl­te­ren Haus­ver­tei­l­an­la­gen. Der dar­über­lie­gen­de Fre­quenz­be­reich ist dann ex­klu­siv für das schnel­le Ka­be­l­in­ter­net re­ser­viert, für das die Haus­ver­tei­l­an­la­gen eh auf­ge­rüs­tet wer­den müs­sen. Bei Uni­ty­me­dia ging der Chan­ge Day so rich­tig in die Ho­se. Das lag da­ran, dass auf ein­mal wich­ti­ge Pro­gram­me auf Fre­quen­zen ver­scho­ben wur­den, die über die Luft von an­de­ren Di­ens­ten be­legt sind und bei ver­al­te­ten Haus­ver­teil­net­zen ins TV-Ka­bel ein­strah­len und dann stö­ren. Uni­ty­me­dia muss­te mehr­mals nach­bes­sern und hat­te auch zwei Chan­ge­days ver­scho­ben.

Start zu Jah­res­be­ginn

Vo­da­fo­ne star­tet nun am 9. Ja­nu­ar im baye­ri­schen Lands­hut und Um­ge­bung das ers­te Pi­lot­pro­jekt zur Voll­di­gi­ta­li­sie­rung. Ana­log-TV und das UKW-Ka­bel­ra­dio wer­den an die­sem Tag ab­ge­schal­tet, die Di­gi­tal­sen­der neu ge­ord­net. Bis En­de 2018 will das Un­ter­neh­men al­le sei­ne Ka­bel­net­ze in ganz Deutsch­land um­ge­stellt ha­ben. Wäh­rend es in den an­de­ren Bun­des­län­dern mehr auf frei­wil­li­ger Ba­sis im Rah­men ei­ner Ab­ma­chung pas­siert, ha­ben die Län­der Sach­sen und Bay­ern ge­setz­li­che Grund­la­gen ge­schaf­fen. Dort ist Netz­be­trei­bern so­gar ver­bo­ten, nach dem 31.12.2018 noch ana­lo­ge Rund­funk­si­gna­le aus­zu­strah­len. Mit Rund­funk­si­gna­len sind TV- und Ra­dio­si­gna­le ge­meint, so­mit sind auch beim UKW-Ka­bel­ra­dio die Ta­ge ge­zählt.

Nutz­nie­ßer In­ter­net

Um die 250MHz wer­den so im Ka­bel frei, die haupt­säch­lich für noch schnel­le­res Ka­be­l­in­ter­net im neu­en Stan­dard DOSCIS 3.1 ge­nutzt wer­den sol­len. Der Upload-Traf­fic war bis­her un­ter­halb des UKW-Be­reichs und soll künf­tig bis zu zir­ka 240 MHz hoch­ge­hen. Das be­darf auch neu­er Haus­an­schluss­ver­stär­ker, die die­sen Fre­quenz­be­reich auch in die rich­ti­ge Rich­tung un­ter­stüt­zen. Auch soll es ober­halb des bis­he­ri­gen End­punkts bei 862MHz noch wei­ter­ge­hen bis min­des­tens 1200MHz. Das Be­darf an schnel­lem In­ter­net ist un­ge­bro­chen hoch. Vo­da­fo­ne will in sei­nem TV-Ka­bel­netz in Bay­ern groß­flä­chig ei­ne Da­ten­über­tra­gungs­ra­te von 1 GBit/s an­bie­ten.

Wei­ter ana­log

Auch wenn die Ka­bel­netz­an­bie­ter das ana­lo­ge Fern­se­hen ab­schal­ten, ganz aus­zu­rot­ten ist es noch nicht. Ei­ni­ge Al­ten­hei­me, Fran­ken­häu­ser oder Fit­ness-Stu­di­os ha­ben noch zu vie­le Emp­fangs­ge­rä­te zur Ver­fü­gung, die nur ana­lo­ge Si­gna­le ver­ar­bei­ten kön­nen. Die­se wer­den sich Kopf­stel­len zu­le­gen, die die di­gi­ta­len Si­gna­le vor Ort wie­der re-ana­lo­gi­sie­ren. Teil­wei­se auch be­zu­schusst von den Ka­bel­netz­be­trei­bern.

Auch klei­ne­re Ka­bel­netz­be­trei­ber kün­di­gen nun den Ana­log­aus­stieg an. Der Ham­bur­ger Netz­be­trei­ber Wil­helm.tel kün­dig­te an, sei­ne net­ze zwi­schen dem 28. No­vem­ber und 25. März um­zu­stel­len.

Die Ana­log­ab­schal­tung ist Vor­aus­set­zung für die Gi­ga­bit-Ge­sell­schaft

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