USS In­dia­na­po­lis – Men Of Cou­ra­ge

Digital Tested - - Inhalt - FAL­KO THEUNER

Es stimmt, dass der vor­lie­gen­de Film von dem Stu­dio Pa­tri­ot Pic­tu­res pro­du­ziert wur­de, des­sen Na­me zu­nächst ver­mu­ten lässt, dass es sich auf po­li­tisch kon­ser­va­ti­ve, mi­li­tan­te Fil­me spe­zia­li­siert hat. Al­ler­dings täuscht die­ses Vor­ur­teil, denn im Oeu­vre des Stu­di­os lie­gen ne­ben ei­ni­gen Nicolas-Ca­ge-Fil­men wie „To­ka­rev“und „Ven­ge­an­ce“auch recht tief­grün­di­ge Dra­men wie et­wa „I Am Micha­el“und „Wild Hor­ses“. Lässt man al­so die­ses Vor­ur­teil ge­gen­über der Pro­duk­ti­ons­fir­ma hin­ter sich, wird man auch nicht all­zu über­rascht sein, wenn sich „USS In­dia­na­po­lis“als über­ra­schend un­pa­trio­ti­scher und so­gar in An­sät­zen kri­ti­scher Film ent­puppt.

Der ge­schicht­li­che Hin­ter­grund der Film­hand­lung ist näm­lich mehr als bri­sant: 1945 soll die Atom­bom­be „Litt­le Boy“in Ja­pan zum Ein­satz kom­men, was nach heu­ti­gen ge­schätz­ten Zah­len über 66000 Men­schen das Le­ben kos­te­te – die meis­ten da­von Zi­vi­lis­ten. Bis heu­te lei­den tau­sen­de Über­le­ben­de und de­ren Nach­kom­men an den ver­ur­sach­ten Strah­len­schä­den. Um die Atom­bom­be in Reich­wei­te zu brin­gen, wer­den Tei­le von ihr über den See­weg nach Ti­ni­an ge­bracht, wo­bei das trans­por­tie­ren­de Kriegs­schiff USS In­dia­na­po­lis so un­schein­bar wir nur ir­gend mög­lich wir­ken soll. Ganz oh­ne Es­kor­te ma­chen sich da­her der von Nicolas Ca­ge ge­spiel­te Ka­pi­tän McVay und sei­ne Cr­ew auf, um die omi­nö­se Fracht an ih­ren Be­stim­mungs­ort zu brin­gen. Die Fracht wird im Film üb­ri­gens nicht wei­ter the­ma­ti­siert, und die Über­ga­be fin­det qua­si nur in ei­nem Mo­no­log des Ka­pi­täns statt, so­dass die Atom­bom­ben-Dis­kus­si­on für den Film ei­ne re­la­tiv un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le spielt. Am An­fang und am En­de wer­den kri­ti­sche Wor­te zu die­ser Form der Kriegs­füh­rung ge­äu­ßert, wo­bei „Litt­le Boy“hand­lungs­tech­nisch le­dig­lich die Ur­sa­che da­für ist, dass die „USS In­dia­na­po­lis“kom­plett schutz­los durch ja­pa­ni­sche Ge­wäs­ser ge­schickt wird und auch spä­ter kei­nen No­t­ruf aus­sen­den darf, da das Un­ter­fan­gen Top Se­cret ist.

„Ti­ta­nic“vs. „Der wei­ße Hai“?

Wur­den in den ers­ten 50 Mi­nu­ten al­so die Cha­rak­te­re ein­ge­führt und als ein Hau­fen sym­pa­thi­scher, manch­mal auch un­ge­stü­mer Män­ner eta­bliert, so wid­met sich das zwei­te Ka­pi­tel der Be­sat­zung, die das von ei­nem Ja­pa­ni­schen U-Boot ver­senk­te Kriegs­schiff noch ver­las­sen konn­ten. Die fünf fol­gen­den Ta­ge auf of­fe­ner See mit nur we­ni­gen Vor­rä­ten, an­grei­fen­den Hai­en und fehl­plat­zier­ten Hier­ar­chi­en sind al­so das Haupt­dra­ma, das sich bis zur 90. Mi­nu­te an Fil­men wie „Der wei­ße Hai“oder auch „Ti­ta­nic“be­dient, wo­bei die vi­su­el­len Ef­fek­te das TV-Ni­veau nicht über­schrei­ten (eher SyFy als HBO-Ni­veau). Das drit­te und letz­te Ka­pi­tel be­fasst sich in nicht all­zu kur­zen 40 Mi­nu­ten wie­der­um mit dem Nach­spiel des Gan­zen, das in ei­ner Ge­richts­ver­hand­lung Ka­pi­tän McVays Schuld oder auch Un­schuld an dem Un­glück be­wer­tet. Der Film wie­der­um wer­tet die­se Ge­richts­ver­hand­lung an sich als ne­ga­tiv. In­ter­es­sant ist hier vor al­lem die Be­geg­nung des US-Ka­pi­täns mit dem ja­pa­ni­schen Tor­pe­do-Schüt­zen (Yu­t­a­ka Takeu­chi), der hier ge­gen ihn aus­sa­gen soll. Zwar in­sze­nier­te Re­gis­seur Ma­rio Van Pee­bles ge­nau die­se Un­ter­hal­tung ziem­lich pa­the­tisch und rühr­se­lig, den­noch wird klar, in wel­chem Zwie­spalt mit sich die bei­den Sol­da­ten le­ben. War es rich­tig, dass McVay den Atom­bom­ben-Ein­satz er­mög­lich­te? Wel­che Vor­wür­fe macht sich Ha­shi­mo­to, dass er die „USS In­dia­na­po­lis“nicht schon vor de­ren Mis­si­ons-Er­fül­lung ab­ge­schos­sen hat? Und wel­che, dass er so vie­le Men­schen mit sei­nem Ab­schuss in den Tod ge­ris­sen hat? Die Tren­nung von „Sol­dat“und „Mann“er­scheint hier zwin­gend er­for­der­lich, wo­bei ein Sol­dat na­tür­lich auch im­mer wis­sen soll­te, wo­für er ei­gent­lich kämpft. Der ab­schlie­ßen­de Mo­no­log über die Un­sin­nig­keit und Fa­ta­li­tät des Krie­ges lässt kei­nen Zwei­fel da­ran, dass hier kei­ne Ver­herr­li­chung statt­fin­det und dass es sich auch nicht um ein 130-mi­nü­ti­ges Wer­be­vi­deo fürs Mi­li­tär han­delt. Zu­gleich ist die Ins­ze­nie­rung des an Fil­me wie „Pe­arl Har­bor“(2001) an­ge­lehn­ten Mach­werks nicht mehr ganz zeit­ge­mäß, da vie­les pa­the­tisch und un­au­then­tisch wirkt. Sieht man al­ler­dings über die mä­ßi­gen Ef­fek­te und glatt ge­bü­gel­ten, ste­reo­ty­pen Cha­rak­te­re hin­weg, so bleibt ein un­ter­halt­sa­mes 1950er-Jah­re-Dra­ma (un­ter­bro­chen von ei­nem Sur­vi­val-Film mit Hai­en), das sich mit Schuld­fra­gen be­schäf­tigt so­wie mit der Rol­le des Auf­trag­ge­bers, näm­lich der Re­gie­rung. Wün­schens­wert wä­re viel­leicht noch ein we­nig mehr mul­ti­per­spek­ti­vi­sche Darstel­lung ge­we­sen, aber im­mer­hin kommt die ja­pa­ni­sche Sei­te und de­ren nicht ge­ra­de we­ni­ger dra­ma­ti­sche und mensch­li­che Per­spek­ti­ve in dem Film vor.

Ka­pi­tän McCay (Nicolas Ca­ge) und sei­ne Cr­ew er­le­ben dra­ma­ti­sche Sze­nen im Meer

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