Le­ben­de Le­gen­de: B&O setzt mit dem BeoLab 50 neue Maß­stä­be in De­sign und Klang

Die Tüft­ler aus dem dä­ni­schen Stru­er sind be­kannt für Ex­tra­va­ganz – so­wohl in­nen, als auch au­ßen. Was der Bang & Oluf­sen BeoLab 50 da so zu bie­ten hat, ist al­ler­hand. Er­fah­ren Sie es in un­se­rem Test­be­richt!

Digital Tested - - Inhalt - ALEX RÖSER, STE­FAN GOEDECKE

Kom­men an­spruchs­vol­le tech­ni­sche Aus­ge­stal­tung und ex­tra­va­gan­tes De­sign in ei­nem dä­ni­schen Laut­spre­cher zu­sam­men, kann es sich da­bei ei­gent­lich nur um ein Pro­dukt des Hau­ses Bang & Oluf­sen han­deln. Die le­gen­dä­re Spea­ker-Schmie­de ist mit ei­nem Jah­res­um­satz im drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich ne­ben Dy­n­au­dio wohl die er­folg­reichs­te und be­kann­tes­te Adres­se der HiFi-Sze­ne im klei­nen nord­eu­ro­päi­schen Kö­nig­reich. Doch auch be­kann­te Na­men wie Pod­spea­kers, Cl­int und Scan-Speak ha­ben ih­ren Sitz auf der Halb­in­sel. Be­reits zwei Jah­re ist es her, da be­ging das Un­ter­neh­men aus Stru­er sei­nen neun­zigs­ten Jah­res­tag. Als Sze­ne-Di­no ver­kauft sich Bang & Oluf­sen je­doch nicht, denn mo­derns­te tech­no­lo­gi­sche Aus­ar­bei­tung und fu­tu­ris­ti­sche Pro­dukt­ge­stal­tung ge­hö­ren auch im Jahr 2017 zu den kenn­zeich­nen­den At­tri­bu­ten ei­nes Pro­duk­tes aus dem Hau­se B&O. Da­bei ist an­zu­mer­ken, dass das Cre­do der Dä­nen hier nicht lau­tet „De­sign und In­no­va­ti­on“, son­dern „De­sign durch In­no­va­ti­on“. So er­hielt zum Bei­spiel der 1960 auf den Markt ge­brach­te „Ronds­tra­ler“, B&Os ers­ter 360 Grad-Hoch­tö­ner, sei­ne au­ßer­ge­wöhn­li­che Er­schei­nung be­reits durch die aus­ge­fuchs­te Kon­zep­ti­on des Schall­wand­lers: Zwei ver­ti­kal an­ge­ord­ne­te Hoch­ton­trei­ber sind ein­an­der zu­ge­wandt und durch ei­nen Dop­pel­ke­gel von­ein­an­der ge­trennt. Die brei­te Ko­ni­zi­tät des Dop­pel­ke­gels re­flek­tiert die auf ihn ab­ge­strahl­ten Schall­wel­len in al­le Rich­tun­gen und wirkt so­mit ef­fek­tiv dem an­sons­ten sehr ge­rich­te­ten Ab­strahl­ver­hal­ten von Hoch­tö­nern ent­ge­gen. Erik Rør­baek Mad­sen lie­fer­te als Chef-Akus­ti­ker in den 50er und 60er Jah­ren so­mit al­lein durch die Kon­struk­ti­on des „Ronds­tra­ler“be­reits ei­ne Steil­vor­la­ge für die be­son­de­re Form­spra­che des Trei­bers. Als pro­mi­nen­tes­ter Fe­der­füh­rer gilt wohl der

Schwe­de Sig­vard Ber­na­dot­te, wel­cher sei­ner­zeit nicht nur Re­gie­as­sis­tent am deut­schen Thea­ter in Berlin war, son­dern auch ein Sohn des schwe­di­schen Kö­nigs Gus­tav Adolf VI. und so­mit ein On­kel der am­tie­ren­den dä­ni­schen Kö­ni­gin Ma­ga­re­the II. Im Jah­re 2015 zum hun­dert­jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um des dä­ni­schen Laut­spre­cher­baus von der Da­nish In­no­va­ti­on of Sound ver­öf­fent­lich­ten Buch „Da­nish Loud­spea­kers“wird der An­spruch B&Os recht hu­mo­ris­tisch zu­sam­men­ge­fasst: Laut­spre­cher von Bang & Oluf­sen sei­en da­zu ent­wi­ckelt, die Er­war­tun­gen ei­nes Kun­den aus der „nor­ma­len Welt“zu er­fül­len und nicht für Mu­sik­lieb­ha­ber á la „Ein Stuhl – Kei­ne Freun­de“.

Rich­tungs­wei­send

Dies passt in der Tat zum Cre­do der Dä­nen, om­ni­di­rek­tio­na­len Klang zu rea­li­sie­ren, um Mu­sik von übe­r­all im Raum und nicht nur vom Sweet Spot ge­nie­ßen zu kön­nen. Ne­ben dem Rund­strah­ler ver­such­te man sich die­ser Ma­xi­me oben­drein durch raf­fi­nier­te und auf­wen­di­ge Trei­ber­an­ord­nun­gen an­zu­nä­hern. Beim Flagg­schiff der le­gen­dä­ren BeoLab-Se­rie, dem BeoLab 90, ist dies be­reits auf be­ein­dru­cken­de Wei­se ge­lun­gen. Das über­aus kom­ple­xe Ar­ran­ge­ment der ver­schie­de­nen Chas­sis er­mög­lich­te dem 35 000 Eu­ro-Bo­li­den ei­ne un­glaub­li­che Streu­ung der Hö­hen von bis zu über 120 Grad! Über­trof­fen wird dies wohl nur von dem Bau­teil, wel­ches auch bei un­se­rem Prüf­ling, dem BeoLab 50 Ver­wen­dung fin­det. Wir schrei­ben das Jahr 1996, als Chef-Akus­ti­ker Poul Pra­es­t­gaard auf Emp­feh­lung ei­nes Kol­le­gen Sau­sa­li­to Au­dio Works in Los An­ge­les auf­sucht. Das klei­ne Un­ter­neh­men, wel­ches noch heu­te sei­nen Sitz na­he ka­li­for­ni­schen Küs­ten­me­tro­po­le hat, kam näm­lich mit ei­ner äu­ßerst in­ter­es­san­ten Er­fin­dung da­her: der akus­ti­schen Lin­se. Es brauch­te ei­ni­ge Jah­re des Tri­al and Er­ror, bis das Sys­tem erst­mals in ei­nem Laut­spre­cher aus Stru­er ver­baut wur­de: dem BeoLab 5, ge­stal­tet vom lang­jäh­ri­gen Haus­de­si­gner von Bang & Oluf­sen Da­vid Le­wis. Der BeoLab 5 schaff­te es mit sei­nem De­büt im Jahr 2002 ganz neue Maß­stä­be in Sa­chen Ab­strahl­ver­hal­ten zu set­zen. Selbst na­he der 50 Ki­lo­hertz-Mar­ke schafft es der Stand­laut­spre­cher noch, die 150 Grad lo­cker zu über­tref­fen. Fast über das ge­sam­te Spek­trum hin­weg reicht der Klang­ge­ber so­gar fast an die 200 Grad her­an. Die akus­ti­sche Lin­se ar­bei­tet da­bei ähn­lich ei­ner op­ti­schen Lin­se. Der nach oben ge­rich­te­te Hoch­tö­ner gibt sei­ne Schall­wel­len in ei­nen Wa­ve-Gui­de, wel­cher die­se an­hand sei­ner Form qua­si ei­nem „Brenn­punkt“zu­führt, zu­nächst bün­delt und dann durch ei­nen wei­te­ren Fo­kus ge­zielt streut. Die ge­wölb­te Ober­flä­che der Lin­se or­ga­ni­siert hier die un­ge­wöhn­lich brei­te, räum­li­che Ab­strah­lung der ho­hen Fre­quenz­bän­der.

Der De­bü­tant

Doch wen­den wir uns jetzt end­lich un­se­rem Prüf­ling zu: Der BeoLab 50 reiht sich op­tisch so­fort ins Sor­ti­ment der BeoLab-Se­rie ein. Ver­ant­wort­lich zeigt sich hier die No­to Gm­bH, ein klei­nes Un­ter­neh­men aus Hürth, in der Nä­he von Köln. Ne­ben ei­ner Viel­zahl Pro­duk­te ab­seits des HiFi-Mark­tes trägt das De­sign-Bü­ro um Tho­mas Fra­cken­pohl be­reits für den le­gen­dä­ren BeoLab 90 und zwei Ge­rä­te aus B&Os BeoSound-Rei­he Rech­nung. Die vor­der­sei­tig ver­bau­ten Trei­ber sind hin­ter ei­ner schwar­zen Tex­til­be­span­nung ver­steckt, wäh­rend die rück­sei­tig zu­lau­fen­den Sei­ten­wän­de mit hel­len Holz­rip­pen ver­klei­det sind, so­dass die da­hin­ter ver­bor­ge­nen Trei­ber samt Ver­stär­ker pro­blem­los mit küh­len­der Frisch­luft ver­sorgt wer­den kön­nen. Da­bei bli­cken wir beim BeoLab 50 auf sie­ben im en­er­gie­ef­fi­zi­en­ten Class-D-Prin­zip ar­bei­ten­de 300 Watt star­ke Ver­stär­ker­ein­hei­ten aus dem Hau­se ICE­power, ei­nem Toch­ter­un­ter­neh­men von Bang & Oluf­sen. Ne­ben dem 1,9 cm Hoch­tö­ner wer­den beim Dä­nen drei 10cm Mit­tel­tö­ner und drei 25 cm Tief­ton­trei­ber an­ge­spielt. Zwar ist der BeoLab 50 mit knapp 109 Zen­ti­me­tern Hö­he nur un­be­deu­tend klei­ner als sein gro­ßer Bru­der, je­doch bringt er mit 61 Ki­lo­gramm deut­lich we­ni­ger als die Hälf­te der Mas-

se auf die Waa­ge. Im 90er sind je­doch auch gan­ze 18 Scan-Speak-Trei­ber mit schwe­ren Neo­dym­ma­gne­ten ver­baut, im BeoLab 50 zäh­len wir „bloß“sie­ben – ei­ner da­von die er­wähn­te akus­ti­sche Lin­se. Klei­ner Le­cker­bis­sen ist hier des­sen Mo­to­ri­sie­rung. Ganz ge­nau: Beim An­schal­ten des Schall­wand­lers fährt der Hoch­tö­ner au­to­ma­tisch aus dem Alu­mi­ni­um-Top­pa­nel und zeigt über ei­ne de­zen­te farb­li­che Aus­leuch­tung der Lin­se den Ar­beits­zu­stand des Klang­ge­bers an. Der BeoLab 50 ar­bei­tet üb­ri­gens im Mas­ter-Sla­ve-Prin­zip. Das heißt, dass der so­ge­nann­te „Mas­ter“des Ste­reo­paa­res al­le an­fal­len­den Auf­ga­ben be­züg­lich Si­gnal­füt­te­rung und -pro­zes­sie­rung über­nimmt und sich stell­ver­tre­tend ins Netz­werk schal­tet.

Think Big

Zwei Fea­tu­res ma­chen un­se­ren Prüf­ling ein­deu­tig zu ei­nem Laut­spre­cher aus dem Jahr 2017: Ac­tive Room Com­pen­sa­ti­on (ARC) und Beam Width Con­trol (BWC). Im Lie­fer­um­fang des BeoLab 50 ist ein Mess­mi­kro­fon ent­hal­ten. Ist dies mit dem Mas­ter ver­bun­den, kann in der B&O App ei­ne akus­ti­sche Aus­mes­sun­gen des Rau­mes durch­ge­führt wer­den, in­dem die Spea­ker ver­schie­de­ne Si­nus-Sweeps wie­der­ge­ben. Durch ei­ne Viel­zahl di­ver­ser Fil­te­run­gen wer­den dann un­er­wünsch­te akus­ti­sche Ei­gen­hei­ten des Rau­mes aus­ge­gli­chen. Be­reits er­wähnt wur­de das mo­to­ri­sier­te Aus­fah­ren der akus­ti­schen Lin­se des BeoLab 50. Doch hört des­sen Be­we­gungs­freu­de dort nicht auf. Denn durch die BWC zeigt sich die akus­ti­sche Lin­se nicht nur ver­ti­kal, son­dern auch ho­ri­zon­tal sehr be­weg­lich. In den zwei Werks­ein­stel­lun­gen „Nar­row“und „Wi­de“schließt, bzw. öff­net sich Lin­se um die Streu­ung der Hö­hen ge­zielt auf den Hör­platz zu len­ken oder weit im Raum zu ver­tei­len, hält man sich nicht im so ge­nann­ten „Sweet Spot“auf. Des Wei­te­ren er­mög­licht die­ses Fea­tu­re, Re­fle­xio­nen von Sei­ten­wän­den vor­zu­beu­gen, um so ein rei­ne­res Klang­bild zu er­hal­ten. Ne­ben die­sen bei­den be­son­de­ren Op­tio­nen des BeoLab 50 fin­det der Nut­zer na­tür­lich oben­drein Grund­ein­stel­lung, wie ei­nen Zwei­band- und ei­nen pa­ra­me­tri­schen Zehn­band-Equa­li­zer.

Bang Bang!

Wir ent­schei­den uns beim Pra­xis­test für den op­ti­schen Ein­gang und stel­len so­mit ei­ne Ver­bin­dung zu un­se­rem Netz­werk­play­er von Cam­bridge Au­dio her. Aus dem Al­bum „I Eat The Sun And Drink The Rain“des deut­schen Kom­po­nis­ten Sven Hel­big, der üb­ri­gens ne­ben sei­nen be­kann­ten Cho­rä­len und Orches­ter­wer­ken auch Rammstein und Sno­op Dog pro­du­zier­te, er­klingt die „Ky­rie“für Chor und Elek­tro­nik, ge­sun­gen vom Vo­kal­cons­ort Berlin un­ter der Lei­tung Kris­ti­an Jär­vis. Nicht nur die Kom­po­si­ti­on ist fan­tas­tisch auf­ge­baut. Auch dem Klang­bild, wel­ches die bei­den BeoLab 50 zeich­nen, wohnt ei­ne wun­der­ba­re Tie­fen­staf­fe­lung in­ne.Wir schal­ten die akus­ti­sche Lin­se in den Mo­dus „Nar­row“und hö­ren ein­deu­tig, wie der Raum arg an Brei­te ein­büßt. Noch fei­ner ge­zeich­net tre­ten die Stim­men zwar nun zu Ta­ge, auch der na­tür­li­che Nach­hall in der Auf­nah­me ist bes­ser ver­nehm­bar, je­doch ist die Büh­ne der Ak­teu­re im Hör­la­bor deut­lich klei­ner ge­wor­den. Schwen­ken wir um zu „The Cur­se“von der dä­ni­schem Mu­si­ke­rin Agnes Obel. Auch hier be­rei­tet uns das Ste­reo­paar ein klang­li­ches Spek­ta­kel. Klar ge­setz­te Mit­ten, fein prä­sen­tier­te Ober­tö­ne, scharf ak­zen­tu­ier­te Tran­si­en­ten. Und mit was für ei­ner Na­tür­lich­keit das Tim­bre der Strei­cher zu­ta­ge tritt, ist schlicht­weg meis­ter­haft. Auf­fäl­lig ist hier die Art und Wei­se, wie Agnes Obels Ge­sang im Mix un­ter­ge­bracht ist. Nicht wie oft im Ste­reo­zen­trum, son­dern von links und rechts das Pan­ora­ma rah­mend, was von der un­fass­ba­ren räum­li­chen Brei­te des BeoLab 50 sehr ein­drucks­voll zum Bes­ten ge­ge­ben wird. Bravo!

Fa­zit

Frei­lich ist Bang & Oluf­sen nicht der ers­te An­lauf­punkt für die klei­ne HiFi-In­ves­ti­ti­on zwi­schen­durch, auch der BeoLab 50 Stand­laut­spre­cher ist mit ei­nem Stück­preis von 13 295 Eu­ro nicht ge­ra­de et­was für den schma­len Geld­beu­tel. Al­ler­dings steht au­ßer Fra­ge, dass die aus­ge­klü­gel­te tech­ni­sche Aus­stat­tung auch mu­si­ka­lisch für ei­nen ein­deu­ti­gen Mehr­wert sorgt und der Nut­zer hier klang­lich und auch op­tisch voll auf sei­ne Kos­ten kommt!

Zwei wei­te­re Tief­tö­ner fin­det man beim BeoLab 50 an den Sei­ten. Mit dem Hoch­tö­ner kom­men wir al­so auf gan­ze sie­ben Trei­ber – das ist mal ein State­ment

Die akus­ti­sche Lin­se des BeoLab 50 fährt beim Ein­schal­ten au­to­ma­tisch aus dem Ge­häu­se und lässt sich auch ho­ri­zon­tal ver­stel­len, was dem Klang mehr Brei­te be­schert

Die Trei­ber des BeoLab 50 sind auch dä­ni­scher Her­kunft: sie kom­men von ScanSpeak

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