Donau Zeitung

Über die stil­le Zeit

- VON JO­SEF KARG jo­sef.karg@augs­bur­ger‰all­ge­mei­ne.de Good News

Vie­le von uns seh­nen sich nach dem Gu­ten und dem Ech­ten. Zu­min­dest plap­pern sie das so da­her. Vom Wunsch zu Weih­nach­ten ist es ja nicht weit. Und vor dem Hei­li­gen Abend spielt sich tra­di­tio­nell die stil­le Zeit ab. Die heißt so, weil hier frü­her mal, als es im De­zem­ber noch ge­schneit hat, das Le­ben her­un­ter­ge­fah­ren wur­de.

Man könn­te auch sa­gen, die stil­le Zeit war ei­ne Art na­tür­li­cher Lock­down im Jah­res­lauf. Vie­le leb­ten dann in sich ge­kehrt. Chris­ten be­te­ten. Spä­ter än­der­te sich das ra­di­kal. Bis vor ei­nem Jahr war die­se dunk­le Zeit rund um die Uhr tag­hell aus­ge­leuch­tet. Auf rum­mel­platz­glei­chen Ad­vents­märk­ten schar­ten sich die Men­schen, dröhn­ten sich mit Glüh­wein zu und eil­ten von ei­ner Fei­er zur an­de­ren. Das Rad des Le­bens dreh­te sich vor Weih­nach­ten noch schnel­ler als sonst. Ja, an den Ta­gen vor dem Hei­li­gen Abend of­fen­bart sich ein Di­lem­ma der Mensch­heit. Sie sehnt sich nach dem ei­nen, lebt aber das an­de­re.

Denn jetzt gibt es sie wie­der, die stil­le, die schdaa­de Zeit. Zu ver­dan­ken ha­ben wir sie ei­nem Vi­rus: kei­ne Kn­ei­pen, kei­ne Par­ties, kei­ne zwang­haf­ten Fa­mi­li­en­be­su­che. Ei­gent­lich könn­ten wir uns nun ent­spannt zu­rück­leh­nen und die so ge­won­ne­ne freie Zeit ge­nie­ßen. Statt­des­sen seh­nen wir uns nach dem weih­nacht­li­chen Rum­mel. Selt­sam schon der Mensch, oder?

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