Donau Zeitung

Was jetzt beim The­ma Kurz­ar­beit wich­tig ist

Die Bun­des­re­gie­rung setzt zur Si­che­rung von Ar­beits­plät­zen wei­ter auf den Aus­bau von Kurz­ar­beit. Die Co­ro­na-Son­der­maß­nah­men wur­den bis En­de 2021 ver­län­gert. Was be­deu­tet das kon­kret?

- Ma­rie von der Tann, dpa Business · Berlin · Bundestag of Germany · Bundestag · Netto · Auch · German Taxpayers Federation

Ber­lin Die Co­ro­na-Son­der­re­geln für die Kurz­ar­beit wur­den vom Bun­des­tag bis En­de 2021 ver­län­gert. Das so­ge­nann­te Ge­setz zur Be­schäf­ti­gungs­si­che­rung soll zur Fol­ge ha­ben, dass Un­ter­neh­men in der Kri­se mög­lichst kei­ne Mit­ar­bei­ter ent­las­sen. Was müs­sen Be­schäf­tig­te jetzt wis­sen?

Was be­deu­tet die Kurz­ar­beit-Re­ge­lung kon­kret?

Kurz­ar­bei­ter­geld be­trägt üb­li­cher­wei­se 60 Pro­zent des aus­ge­fal­le­nen Net­to-Lohns. Ab dem vier­ten Be­zugs­mo­nat wird es nach den Co­ro­na-Son­der­re­geln von sei­ner üb­li­chen Hö­he auf 70 Pro­zent er­höht – für Be­rufs­tä­ti­ge mit Kin­dern von 67 auf 77 Pro­zent. Die­se Re­ge­lung gilt nun wei­ter. Ab dem sieb­ten Mo­nat in Kurz­ar­beit soll es wei­ter 80 bzw. 87 Pro­zent des Lohns ge­ben. Pro­fi­tie­ren sol­len da­von al­le Be­schäf­tig­ten, die bis En­de März 2021 in Kurz­ar­beit ge­schickt wer­den. Mi­ni­jobs bis 450 Eu­ro blei­ben bis En­de 2021 ge­ne­rell an­rech­nungs­frei.

Wer be­kommt kein Kurz­ar­bei­ter­geld?

Wer re­gu­lär und aus­schließ­lich auf 450-Eu­ro-Ba­sis ar­bei­tet oder wäh­rend der Co­ro­na-Kri­se bis zum 31. Ok­to­ber 2020 längs­tens fünf Mo­na­te oder 115 Ta­ge im Ka­len­der­jahr be­schäf­tigt wird, gilt nach Pa­ra­graf 8 im So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IV) als ge­ring­fü­gig Be­schäf­tig­ter und zahlt so­mit kei­ne Bei­trä­ge zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung. An ei­ne Pflicht zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ist das Kurz­ar­bei­ter­geld aber ge­kop­pelt.

Ist Kurz­ar­bei­ter­geld ab­ga­ben­frei? Das Kurz­ar­bei­ter­geld selbst ist steu­er­frei. Es un­ter­liegt aber bei der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung dem so­ge­nann­ten Pro­gres­si­ons­vor­be­halt. „Das be­deu­tet: Der Steu­er­satz für das üb­ri­ge steu­er­pflich­ti­ge Ein­kom­men er­höht sich“, er­klärt Uwe Rau­höft vom Bun­des­ver­band Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ei­ne in Ber­lin. Ob dies ei­ne Steu­er­nach­zah­lung mit sich bringt, hängt vom Ein­zel­fall ab. „In Fäl­len, in de­nen le­dig­lich zwei bis drei Mo­na­te zu 100 Pro­zent kurz ge­ar­bei­tet wur­de und dann wie­der die nor­ma­le Tä­tig­keit auf­ge­nom­men wird, ent­steht in der Re­gel kei­ne Steu­er­nach­zah­lung“, sagt Isa­bel Klo­cke vom Bund der Steu­er­zah­ler. Ihr zu­fol­ge müs­sen al­le, die im Jahr mehr als 410 Eu­ro Kurz­ar­bei­ter­geld er­hal­ten, ei­ne Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung er­stel­len.

Weih­nach­ten steht an – ver­rin­gert sich jetzt mein Ur­laubs­an­spruch? Es kann vor­kom­men, dass sich bei Kurz­ar­beit auch der Ur­laubs­an­spruch ver­rin­gert, er­klärt Alex­an­der Bre­der­eck, Fach­an­walt für Ar­beits­recht in Ber­lin. „Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof hat 2012 ent­schie­den, dass das mög­lich ist, wenn es ei­ne ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­rung zwi­schen Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber gibt.“Der Ent­schei­dung des EuGH zu­fol­ge kön­nen Ar­beit­ge­ber den Ur­laubs­an­spruch ei­nes Ar­beit­neh­mers im Ver­hält­nis zur Ar­beits­zeit­ver­kür­zung ver­rin­gern. Bei Kurz­ar­beit null ver­fällt dann der Ur­laubs­an­spruch für den be­tref­fen­den Zei­t­raum ganz. In je­dem Fall be­kom­men Ar­beit­neh­mer aber auch im Ur­laub wäh­rend Kurz­ar­beit ihr üb­li­ches Ge­halt.

Wirkt sich die Kurz­ar­beit-Re­ge­lung auf Mut­ter­schutz­lohn und El­tern­geld aus?

„Kurz­ar­bei­ter­geld wirkt sich we­der auf Mut­ter­schafts­geld noch Mut­ter­schutz­lohn min­dernd aus“, stellt Jo­han­nes Schipp, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, klar. Auch beim El­tern­geld wur­de ei­ne Aus­nah­me­re­ge­lung ge­schaf­fen, er­klärt Schipp. Die Leis­tun­gen be­rech­nen sich üb­li­cher­wei­se nach den Be­zü­gen der letz­ten zwölf Mo­na­te vor der Ge­burt. Das be­deu­tet, dass sich das El­tern­geld in der Re­gel ver­rin­gert, wenn ein Ar­beit­neh­mer in die­sem Zei­t­raum Kurz­ar­bei­ter­geld be­zo­gen hat. Für den Zei­t­raum zwi­schen 1. März und 31. De­zem­ber kön­nen Mo­na­te mit ge­rin­ge­rem Ein­kom­men bei der Be­rech­nung des El­tern­gelds auf An­trag aber aus­ge­klam­mert wer­den. Die co­ro­nabe­ding­te Re­du­zie­rung wür­de al­so kei­ne Rol­le bei der Be­rech­nung des El­tern­gelds spie­len. „Hier muss man noch ab­war­ten, in­wie­weit die bis En­de De­zem­ber be­ste­hen­de Aus­nah­me­re­gel auch nach 2020 wei­ter gilt.“

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Fo­to: dpa Rund um die Kurz­ar­beit gilt es ei­ni­ge Din­ge zu be­ach­ten.

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