Flücht­lings-An­drang bringt Po­li­zei in Bay­ern ans Li­mit

Asyl Ge­werk­schaft warnt: Wich­ti­ge Auf­ga­ben blei­ben lie­gen. Zahl der Mi­gran­ten steigt wie­der. Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel räumt Pro­ble­me ein

Donauwoerther Zeitung - - Erste Seite - Augs­burg/München

An­ge­sichts der er­neut stei­gen­den Flücht­lings­zah­len warnt die baye­ri­sche Po­li­zei vor ei­ner Über­las­tung. Spe­zi­ell in den Grenz­ge­bie­ten in Ober- und Nie­der­bay­ern sei­en die Be­am­ten prak­tisch mit nichts an­de­rem als Flücht­lin­gen be­schäf­tigt, sagt der Lan­des­vor­sit­zen­de der Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GdP) in Bay­ern, Pe­ter Schall. „Die Kol­le­gen sind am Li­mit“, sagt Schall, „und die Fol­ge ist, dass an­de­re wich­ti­ge Auf­ga­ben lie­gen blei­ben.“Als Bei­spiel nennt Schall, dass Schlei­er­fahn­der in den grenz­na­hen Ge­bie­ten kaum mehr ih­ren Kern­auf­ga­ben – der Fahn­dung nach Die­bes­ban­den, Au­to­heh­lern oder Dro­gen­dea­lern – nach­kom­men könn­ten. Die Be­ar­bei­tung von Straf­an­zei­gen kön­ne län­ger dau­ern.

Be­son­ders stark be­las­tet ist die Be­reit­schafts­po­li­zei. „Die säuft zur­zeit kom­plett ab“, sagt der Lan­des­vor­sit­zen­de der Deut­schen Po­li­zei­ge­werk­schaft (DPolG), Her­mann Ben­ker. „Die­se Leu­te wer­den ver­heizt, sie ha­ben jetzt zum Teil zehn Wo­chen Ein­satz oh­ne frei­es Wo­che­n­en­de“, so Ben­ker. Han­nes Dax­ba­cher von der Be­reit­schafts­po­li­zei in Kö­nigs­brunn be­stä­tigt das: „Fuß­ball, Ok­to­ber­fest, Pe­gi­daDe­mos und da­zu noch Ein­sät­ze an der Gren­ze – un­se­re Leu­te sind pau­sen­los un­ter­wegs.“Auch die Bun­des­po­li­zei, die in ers­ter Li­nie für die Re­gis­trie­rung der Flücht­lin­ge an der Gren­ze zu­stän­dig ist, schafft das mo­men­ta­ne Pen­sum nur noch un­ter größ­ten An­stren­gun­gen.

Die Über­las­tung der Be­reit­schafts­po­li­zei (Be­po) hat un­mit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen auf die Di­enst­stel­len der Lan­des­po­li­zei. Denn nor­ma­ler­wei­se wer­den Hun­dert­schaf­ten der Be­po zur Un­ter­stüt­zung ge­ru­fen, bei­spiels­wei­se zu Fuß­ball­spie­len. Die­se Kräf­te ste­hen aber we­gen der Flücht­lings­pro­ble­ma­tik nicht mehr im bis­he­ri­gen Um­fang zur Ver­fü­gung. Die Po­li­zei­prä­si­di­en müs­sen die­se Auf­ga­ben mit ei­ge­nen Kräf­ten aus so­ge­nann­ten Ein­satz­zü­gen be­wäl­ti­gen. Die­se feh­len aber wie­der­um für Schwer­punkt­ein­sät­ze ge­gen Ein­bre­cher oder Ra­ser. „Wir sind in ei­nem Teu­fels­kreis“, sagt Ge­werk­schaf­ter Ben­ker. Und sein Kol­le­ge Schall kri­ti­siert: „Und die Po­li­tik ver­brei­tet nur Durch­hal­te­pa­ro­len.“

Sieg­fried Hart­mann, Spre­cher des Po­li­zei­prä­si­di­ums Schwa­ben Nord in Augs­burg, sieht aber gro­ße Un­ter­schie­de in den ein­zel­nen Re­gio­nen: „Augs­burg ist nicht Pas­sau.“Selbst­ver­ständ­lich wer­de der Auf­trag der öf­fent­li­chen Si­cher­heit er­füllt.

Der Baye­ri­sche Land­tag hat jüngst auf den Not­stand re­agiert und 500 zu­sätz­li­che Po­li­zei­be­am­te so­wie 80 An­ge­stell­te be­wil­ligt. Die Be­am­ten müs­sen aber erst ih­re Aus­bil­dung ab­sol­vie­ren und ste­hen frü­hes­tens in drei Jah­ren zur Ver­fü­gung.

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel hat bei ei­nem „Bür­ger­di­alog“in Nürn­berg er­neut Pro­ble­me in der Flücht­lings­po­li­tik ein­ge­räumt. Die­se sei bis­lang „nicht so ge­ord­net, wie sie sein könn­te“. Es feh­le bei­spiels­wei­se ei­ne ge­ord­ne­te Ver­tei­lung der Men­schen in der EU so­wie ei­ne Ab­ma­chung mit der Tür­kei. „Dar­an ar­bei­ten wir. Das ist al­les an­de­re als per­fekt“, so Mer­kel.

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