Wird Po­len ei­ne an­de­re Re­pu­blik?

Macht­wech­sel Die Na­tio­nal­kon­ser­va­ti­ven ha­ben die Par­la­ments­wahl ge­won­nen. Wie­der wird ei­ne Frau die Re­gie­rung füh­ren. Aber im Hin­ter­grund zieht ein al­ter Be­kann­ter die Fä­den

Donauwoerther Zeitung - - Politik - War­schau

Der Auf­tritt von Par­tei­chef Ja­roslaw Kac­zyn­ski nach dem Wahl­sieg sei­ner Na­tio­nal­kon­ser­va­ti­ven klang zwar ver­söhn­lich, ließ bei vie­len Po­len aber den­noch die Alarm­glo­cken schril­len. Denn ob­wohl sich ab­zeich­ne­te, dass Kac­zyns­kis Par­tei „Recht und Ge­rech­tig­keit“(PiS) mit ei­ner ab­so­lu­ten Mehr­heit im neu­en Par­la­ment rech­nen kann, warb Kac­zyn­ski für ein „brei­tes Bünd­nis“der kon­ser­va­ti­ven Kräf­te. Aus Sicht von Aleksan­der Smo­lar, Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler und Prä­si­dent der Ba­to­ry-Stif­tung, kann das nur ei­nes be­deu­ten: Kac­zyn­ski ver­sucht, ei­ne ver­fas­sungs­än­dern­de Mehr­heit im Par­la­ment auf­zu­bau­en. Mit ei­ner zwei Drit­tel-Mehr­heit kön­ne das pol­ni­sche Grund­ge­setz ge­än­dert und das seit 1989 be­ste­hen­de po­li­ti­sche Sys­tem um­ge­stal­tet wer­den – so sei­ne Be­fürch­tung.

Die PiS si­cher­te sich nach Pro­gno­sen des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts Ip­sos vom Mon­tag 232 der ins­ge­samt 460 Sit­ze im Se­jm. Auf die li­be­ra­le Bür­ger­platt­form (PO) der schei­den­den Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Ewa Ko­pacz ent­fie­len 137 Man­da­te. Lin­ke Par­tei­en sind dem­nach erst­mals seit dem En­de des Kom­mu­nis­mus 1989 nicht mehr im Par­la­ment ver­tre­ten. Die Wahl­be­tei­li­gung er­reich­te knapp 52 Pro­zent.

Kommt sie nun al­so doch, die „Vier­te Re­pu­blik“, die Kac­zyn­ski und sein 2010 beim Ab­sturz der Prä­si­den­ten­ma­schi­ne über Russ­land ge­tö­te­ter Zwil­lings­bru­der Lech Kac­zyn­ski stets schaf­fen woll­ten? Ge­meint ist ein Po­len tra­di­tio­nel­ler Wer­te, nicht der von den Rech­ten an­ge­fein­de­te Staat, der aus ih­rer Sicht nach dem En­de des Kom­mu­nis­mus im Jahr 1989 die Abrech­nung mit der Ver­gan­gen­heit ver­passt hat­te? Es wä­re ein grund­le­gen­der Um­bruch.

„Heu­te wur­de die Drit­te Re­pu­blik be­gra­ben. Das ist nach 26 Jah­ren end­lich das En­de!“, re­agier­te das rechts­ka­tho­li­sche Nach­rich­ten­por­tal Fron­da.pl eu­pho­risch auf den be­vor­ste­hen­den Macht­wech­sel. Mit Prä­si­dent An­drzej Du­da steht zu­dem be­reits ein Na­tio­nal­kon­ser­va­ti­ver an der Spit­ze des Staa­tes – auch wenn der mit ei­ner Deutsch­leh­re­rin ver­hei­ra­te­te Du­da die Skep­sis Kac­zyns­kis ge­gen­über dem mäch­ti­gen west­li­chen Nach­barn nicht zu tei­len scheint.

Hoff­nun­gen auf Un­ter­stüt­zung für grund­le­gen­de Än­de­run­gen kann sich die PiS et­wa bei der Zu­sam­men­ar­beit mit der Be­we­gung Kukiz des ehe­ma­li­gen Rock­mu­si­kers Pa­wel Kukiz ma­chen. Die­ser sprach sich wie­der­holt ge­gen die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen aus – ganz so wie Kac­zyn­ski und an­de­re PiS-Po­li­ti­ker, die vor Über­frem­dung und an­geb­lich ein­ge­schlepp­ten Krank­hei­ten war­nen. So be­haup­te­te Kac­zyn­ski im Wahl­kampf, Flücht­lin­ge bräch­ten „Cho­le­ra auf die grie­chi­schen In­seln, die Ruhr nach Wi­en und ver­schie­de­ne Pa­ra­si­ten“. Die Ge­sprä­che zwi­schen der EU und Po­len über die Ver­tei­lung von Flücht­lin­gen dürf­ten künf­tig schwie­ri­ger wer­den.

Die Bau­ern­par­tei PSL hat­te schon wäh­rend des Wahl­kampfs vor­sich­tig die Füh­ler Rich­tung PiS aus­ge­streckt. Und selbst bei der bis­he­ri­gen Re­gie­rungs­par­tei, der li­be­ral­kon­ser­va­ti­ven Bür­ger­platt­form PO, könn­te die PiS wo­mög­lich ko­ope­ra­ti­ons­wil­li­ge Part­ner fin­den. Der rech­te PO-Flü­gel hat­te in der ver­gan­ge­nen Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ei­nen Ge­setz­ent­wurf der Re­gie­rung zur Ein­füh­rung ho­mo­se­xu­el­ler Part­ner­schaf­ten zum Schei­tern ge­bracht. Nun ist die­ses Ge­setz in wei­te Fer­ne

„Heu­te wur­de die Drit­te Re­pu­blik be­gra­ben. Das ist nach 26 Jah­ren end­lich das En­de!“

Das rechts­ka­tho­li­sche Por­tal „Fron­da.pl“

ge­rückt. Ist dem­nächst das oh­ne­hin re­strik­ti­ve Ab­trei­bungs­recht be­droht?

PiS-Spit­zen­kan­di­da­tin Bea­ta Szydlo, die nun Mi­nis­ter­prä­si­den­tin wird, fiel im Wahl­kampf nicht durch ex­tre­me Po­si­tio­nen auf und mach­te vie­le Wahl­ver­spre­chen. Sie kün­dig­te an, Steu­ern und das Ren­ten­al­ter zu sen­ken so­wie die So­zi­al­leis­tun­gen zu er­hö­hen. Ih­re au­ßen­po­li­ti­schen Vor­stel­lun­gen sind da­ge­gen weit­ge­hend un­be­kannt.

Die Er­in­ne­rung an die Re­gie­rungs­zeit von Ja­roslaw Kac­zyn­ski (2006 bis 2007) ist aber noch le­ben­dig. Kac­zyn­ski sah Po­len von Deutsch­land und Russ­land be­droht – mal wirt­schaft­lich, mal po­li­tisch. Der deut­sche Re­gie­rungs­spre­cher Stef­fen Seibert be­ton­te in­des, man wer­de auch nach dem Wech­sel mit War­schau eng zu­sam­men­ar­bei­ten.

Die de­si­gnier­te Re­gie­rungs­che­fin Bea­ta Szydlo sitzt be­reits seit 2005 für die PiS im Par­la­ment. Zu­vor war die 52-Jäh­ri­ge sie­ben Jah­re lang Bür­ger­meis­te­rin der Stadt Br­zes­z­c­ze bei Au­schwitz. Im Früh­jahr lei­te­te sie das er­folg­rei­che Wahl­kampf­team des jet­zi­gen Prä­si­den­ten An­drzej Du­da.

Foto: Pa­wel Su­pernak, dpa

Bea­ta Szydlo von der na­tio­nal­kon­ser­va­ti­ven Par­tei „Recht und Ge­rech­tig­keit“wird neue Re­gie­rungs­che­fin in War­schau.

Foto: afp

Jim­my Mora­les ist am Ziel: Er wird neu­er Prä­si­dent von Gua­te­ma­la.

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