Warn­schuss für Kirch­ners Kan­di­da­ten

Ar­gen­ti­ni­en Da­ni­el Scio­li muss über­ra­schend in die Stich­wahl. Wer das Ren­nen macht, ist of­fen

Donauwoerther Zeitung - - Politik - VON SAN­DRA WEISS Pue­b­la

Erst­mals in ei­nem hal­ben Jahr­hun­dert wird es in Ar­gen­ti­ni­en ei­ne Stich­wahl um das Prä­si­den­ten­amt ge­ben. Sechs St­un­den brauch­te das Wahl­ge­richt, be­vor es nach der Schlie­ßung der Ur­nen am Sonn­tag kurz vor Mit­ter­nacht ers­te Er­geb­nis­se be­kannt gab – so eng war das Kopf-an-Kopf-Ren­nen. Nach Aus­zäh­lung von 75 Pro­zent der Stim­men lag über­ra­schend der Her­aus­for­de­rer, der kon­ser­va­ti­ve Un­ter­neh­mer Mau­ricio Ma­cri, mit 35,6 Pro­zent der Stim­men knapp vor dem Kan­di­da­ten des link­s­pe­ro­nis­ti­schen Re­gie­rungs­la­gers, Da­ni­el Scio­li, der auf 35,3 Pro­zent kam.

In der Stich­wahl im No­vem­ber wird nun der Dritt­plat­zier­te, der pe­ro­nis­ti­sche Dis­si­dent Ser­gio Mas­sa, das Züng­lein an der Waa­ge spie­len. Für ihn stimm­ten dem­nach 21 Pro­zent der Wäh­ler. Das Er­geb­nis ist ein her­ber Rück­schlag für Prä­si­den­tin Cristina Kirch­ner, die hoff­te, ihr Kan­di­dat kön­ne be­reits in der ers­ten Run­de den Sieg da­von­tra­gen, und die sich noch bei der Stimm­ab­ga­be zu­ver­sicht­lich zeig­te, dass ihr Er­be fort­ge­führt wer­de.

In ei­ner An­spra­che vor sei­nen aus­ge­las­sen fei­ern­den An­hän­gern sprach Ma­cri von ei­nem his­to­ri­schen Tag. „Dies ver­än­dert das Land“, sag­te der 56-jäh­ri­ge ehe­ma­li­ge Bür­ger­meis­ter von Bu­e­nos Ai­res und Ex-Prä­si­dent des Fuß­ball­klubs Bo­ca Ju­ni­ors. Er ver­sprach, in den kom­men­den Wo­chen hart zu ar­bei­ten, um das Ver­trau­en der üb­ri­gen Wäh­ler zu ge­win­nen. Der Er­folg für die kon­ser­va­ti­ve Op­po­si­ti­on war um­so grö­ßer, als sie ers­ten Er­geb­nis­sen zu­fol­ge auch die wich­tigs­te Pro­vinz des Lan­des, Bu­e­nos Ai­res, er­obern konn­te.

Die op­po­si­tio­nel­le Kan­di­da­tin Ma­ria Eu­ge­nia Vi­dal setz­te sich Teil­er­geb­nis­sen zu­fol­ge mit 39 Pro­zent ge­gen den Kan­di­da­ten des Re­gie­rungs­la­gers, Aní­bal Fernán­dez, durch. Fernán­dez, der auf 34 Pro­zent der Stim­men kam, gilt als ei­ner der engs­ten Ver­trau­ten des Ehe­paars Kirch­ner seit de­ren Re­gie­rungs­an­tritt im Jahr 2003 und war zu­letzt Ka­bi­netts­chef Kirch­ners.

Scio­li zeig­te sich in sei­ner Re­de eben­falls kämp­fe­risch. Ar­gen­ti­ni­en sei in ei­ner schwie­ri­gen La­ge und brau­che jetzt Er­fah­rung und kei­nen Sprung ins Un­ge­wis­se, er­klär­te der 58-Jäh­ri­ge. Nur die Pe­ro­nis­ten ga­ran­tier­ten die So­zi­al­hil­fe für die so­zi­al Schwa­chen, be­ton­te der ehe­ma­li­ge Mo­tor­boot-Renn­fah­rer und ver­sprach Steu­er­be­frei­un­gen für Ar­me und Rent­ner. Au­ßer­dem wer­de er Ar­gen­ti­ni­ens Wür­de ge­gen die Fi­nanz­haie ver­tei­di­gen, er­klär­te er un­ter An­spie­lung auf die Hed­ge­fonds, die seit der Zah­lungs­un­fä­hig­keit 2002 ver­su­chen, trotz des von 90 Pro­zent der Gläu­bi­ger an­ge­nom­me­nen Um­schul­dungs­plans die vol­le Rück­zah­lung der Schul­den­bonds ein­zu­kla­gen und da­mit Ar­gen­ti­ni­ens Rück­kehr auf die in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­märk­te zu blo­ckie­ren.

Der po­li­ti­sche Er­be Kirch­ners wird au­ßer­dem mit ei­ner sta­gnie­ren­den Wirt­schaft, ei­ner über­be­wer­te­ten Wäh­rung und ho­her In­fla­ti­on zu kämp­fen ha­ben.

Foto: Juan Ma­b­ro­ma­ta, afp

Se­hen so Sie­ger aus? Kaum. Für den pe­ro­nis­ti­schen Kan­di­da­ten Da­ni­el Scio­li war die ers­te Run­de der Prä­si­dent­schafts­wah­len ei­ne Ent­täu­schung.

Foto: Ilyas Aken­gin, afp

Tür­ki­sche Spe­zi­al­kräf­te beim Ein­satz in Diyarbakir.

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