Neun To­te bei Raz­zia in der Tür­kei

IS-Ter­ro­ris­ten lie­fern Po­li­zei ein Feu­er­ge­fecht

Donauwoerther Zeitung - - Politik - VON SU­SAN­NE GÜSTEN Istan­bul/Diyarbakir

Die Po­li­zei kam vor Ta­ges­an­bruch, doch die Ex­tre­mis­ten wa­ren vor­be­rei­tet. Als schwer be­waff­ne­te Be­am­te am Mon­tag­mor­gen die Tür ei­nes Hau­ses im Wohn­vier­tel Hu­zu­rev­li in der süd­ost­tür­ki­schen Stadt Diyarbakir öff­ne­ten, das als Ver­steck mut­maß­li­cher Mit­glie­der der Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) galt, er­eig­ne­te sich ei­ne schwe­re Ex­plo­si­on: Die Dschi­ha­dis­ten hat­ten die Tür mit ei­ner Spreng­fal­le ver­se­hen, die zwei Po­li­zis­ten tö­te­te.

In den St­un­den nach der Ex­plo­si­on lie­fer­ten sich die Si­cher­heits­kräf­te und die im Haus ver­schanz­ten ISAn­hän­ger ein hef­ti­ges Feu­er­ge­fecht. Erst nach dem Tod von sie­ben Dschi­ha­dis­ten konn­te die Po­li­zei das Haus stür­men. Beim bis­her schwers­ten Zu­sam­men­stoß zwi­schen der tür­ki­schen Staats­macht und dem IS auf tür­ki­schem Bo­den, der mit au­to­ma­ti­schen Waf­fen und schwe­ren Ma­schi­nen­ge­weh­ren aus­ge­tra­gen wur­de, ka­men zwölf mut­maß­li­che Ex­tre­mis­ten in Po­li­zei­haft. Von ih­nen er­hof­fen sich die Er­mitt­ler wei­te­re Auf­schlüs­se über et­wai­ge IS-Struk­tu­ren in der Tür­kei.

Die Grup­pe in Diyarbakir ha­be seit dem ver­gan­ge­nen Frei­tag un­ter Be­ob­ach­tung ge­stan­den, er­klär­te die Re­gie­rung in An­ka­ra. Seit Ta­gen fahn­det die Po­li­zei fie­ber­haft nach vier IS-Ter­ro­ris­ten, die aus Sy­ri­en in die Tür­kei ge­kom­men sein sol­len, um zwei Wo­chen nach dem An­schlag von An­ka­ra mit mehr als hun­dert To­ten wei­te­re Ge­walt­ta­ten zu be­ge­hen. Zu dem Ter­ror-Quar­tett ge­hört nach Po­li­zei­an­ga­ben ei­ne aus Ka­sachs­tan stam­men­de Bun­des­bür­ge­rin. Die vier po­ten­zi­el­len ISSelbst­mord­at­ten­tä­ter könn­ten An­schlä­ge oder an­de­re spek­ta­ku­lä­re Ak­tio­nen wie Flug­zeug­ent­füh­run­gen pla­nen, mel­de­te die of­fi­zi­el­le Nach­rich­ten­agen­tur Ana­do­lu.

Ob die IS-Selbst­mord­kan­di­da­ten un­ter den Per­so­nen wa­ren, die am Mon­tag in Diyarbakir ge­fasst oder ge­tö­tet wur­den, stand zu­nächst nicht fest. Die Be­hör­den sind aber si­cher, Schlim­me­res ver­hin­dert zu ha­ben: In dem Haus sei­en gro­ße Men­gen an Waf­fen und Mu­ni­ti­on ge­fun­den wor­den.

Der An­schlag von An­ka­ra und zwei an­de­re Selbst­mord­an­schlä­ge im Som­mer mit ins­ge­samt fast 40 To­ten wa­ren nach Er­kennt­nis­sen der Er­mitt­ler von Mit­glie­dern ei­ner IS-Zel­le aus dem ost­tür­ki­schen Adiyaman ver­übt wor­den. Die gro­ße Fra­ge ist nun, wie vie­le sol­cher Zel­len es sonst noch gibt. Die Op­po­si­ti­on in An­ka­ra ver­wies auf Be­rich­te, wo­nach der IS in der Tür­kei rund 3000 An­hän­ger hat.

We­ni­ge Ta­ge vor der Par­la­ments­wahl am kom­men­den Sonn­tag lässt das Feu­er­ge­fecht von Diyarbakir die po­li­ti­schen Span­nun­gen wach­sen. Die le­ga­le Kur­den­par­tei HDP gibt der Re­gie­rung ei­ne Mit­schuld an der Ge­walt, wäh­rend Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan kur­di­sche Ex­tre­mis­ten als Mit­tä­ter nennt.

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