„Für die Ewig­keit“

Mar­kus Lü­pertz In Bam­berg hat­te der Künst­ler einst ei­nen schwe­ren Stand. Ge­ra­de hier soll ein neu­es Pro­jekt ge­lin­gen

Donauwoerther Zeitung - - Feuilleton - VON MARION KRÜGER-HUNDRUP UND STE­FAN DOSCH Bam­berg Be­sich­ti­gung

Die Skep­sis war groß. Neue Kir­chen­fens­ter für Bam­bergs alt­ehr­wür­di­ge St.-Eli­sa­beth-Kir­che, ge­stal­tet von Mar­kus Lü­pertz? Von je­nem Künst­ler, der vor bald ei­nem Jahr­zehnt sei­ne Skulp­tu­ren in der gan­zen Stadt aus­ge­stellt und da­mit bei nicht we­ni­gen Alt­ein­ge­ses­se­nen re­ges Kopf­schüt­teln her­vor­ge­ru­fen hat­te, ja ei­ne der Ar­bei­ten so­gar mut­wil­lig zer­stört wur­de? Lü­pertz, des­sen „Apoll“seit 2009 nun eh schon na­he der Eli­sa­beth­kir­che steht – zum Spott so man­chen Bam­ber­gers, der die Bron­ze­fi­gur des mythischen Got­tes in An­spie­lung auf die für Lü­pertz ty­pi­sche zer­klüf­te­te For­men­spra­che als „Krüp­pa­la“ver­spot­tet?

Und doch scheint – an­ders als in Augs­burg, wo 2002 die Schen­kung ei­ner Skulp­tur für den öf­fent­li­chen Raum ge­kippt wur­de – in Bam­berg die Zu­stim­mung für den Künst­ler in­zwi­schen zu über­wie­gen. Wie an­ders wä­re zu er­klä­ren, dass ge­ra­de Lü­pertz als Gestal­ter neu­er Fens­ter für St. Eli­sa­beth aus­er­ko­ren wur­de und sei­ne Ent­wür­fe hier­für nun ak­tu­ell in ei­ner Aus­stel­lung in Bam­berg zeigt?

St. Eli­sa­beth ist die ehe­ma­li­ge Spi­tal­kir­che ei­ner bür­ger­li­chen So­zi­al­stif­tung. Das Got­tes­haus, das sich im Ei­gen­tum der Stadt Bam­berg be­fin­det und von der Dom­pfar­rei lit­ur­gisch ge­nutzt wird, wird der­zeit um­fas­send sa­niert. Der Chor wur­de um 1400 er­rich­tet, das Lang­haus knapp 100 Jah­re spä­ter. Bei der In­stand­set­zung des In­ne­ren am En­de des 19. Jahr­hun­derts wur­de auch das er­hal­te­ne Chor­schei­tel­fens­ter ge­stif­tet, wäh­rend die an­de­ren acht Fens­ter oh­ne bild­ne­ri­schen In­halt blie­ben. Die Lü­cke soll nun durch mo­der­ne Glas­ma­le­rei ge­schlos­sen wer­den.

Hans Ly­er, Pfar­rer von Sankt Eli­sa­beth, hat­te Lü­pertz ins Spiel ge­bracht. An­fangs schien das Pro­jekt un­ter kei­nem gu­ten Stern zu ste­hen, bei ei­nem Tref­fen mit Stadt­ver­tre­tern vor zwei Jah­ren zog der Künst­ler, wie lo­ka­le Me­di­en be­rich­te­ten, so­gar zorn­ent­brannt wie­der von dan­nen. Doch letzt­lich ar­ran­gier­te man sich und in­zwi­schen steht für die Um­set­zung des Vor­ha­bens ein brei­tes Bünd­nis, dar­un­ter der Künst­ver­ein, die Dom­pfarr­kir­chen­stif­tung und das Diö­ze­san­mu­se­um. Al­ler­dings: Der­zeit ver­han­deln die Initia­to­ren der Glas­fens­ter noch mit Lü­pertz über die Kos­ten für das Pro­jekt, das sich im sechs­stel­li­gen Eu­ro-Be­reich be­fin­den wird. Ge­sucht sind des­halb Spen­der und Spon­so­ren. Im kom­men­den Jahr soll mit den Ar­bei­ten be­gon­nen wer­den kön­nen.

Im Kunst­raum Kes­sel­haus, ein­ge­rich­tet in ei­nem ehe­ma­li­gen Kran­ken­haus, sind nun Lü­pertz’ Ent­wür­fe für St. Eli­sa­beth aus­ge­stellt. Sechs far­bi­ge Pa­pier­bah­nen, ei­ne je­de fünf Me­ter hoch in Ori­gi­nal­grö­ße der Fens­ter, da­zu ei­ne Rei­he von Zeich­nun­gen. Bar­ba­ra Kah­le, Vor­sit­zen­de des Kunst­ver­eins Bam­berg, hält schon al­lein die­se Wer­ke in ih­rer „vi­su­el­len Kraft“für ein be­ein­dru­cken­des künst­le­ri­sches State­ment. Sie spricht von „ex­pres­sio­nis­ti­scher For­men­spra­che mit aus­drucks­star­ken Bil­dern“. Die­se sei­en dar­auf an­ge­legt, sich im Kir­chen­raum mit des­sen Licht­ver­hält­nis­sen und Pro­por­tio­nen zu ent­fal­ten. Die ge­plan­ten Glas­fens­ter sol­len künf­tig aber nicht nur durch Licht, Form und Far­be Strahl­kraft ent­fal­ten, son­dern auch we­gen ih­rer re­li­giö­sen Bot­schaft. Lü­pertz greift Sze­nen aus dem Le­ben der Kir­chen­pa­tro­nin Eli­sa­beth auf, de­nen je­weils Wer­ke der Barm­her­zig­keit zu­ge­ord­net wer­den. „Es sind Bil­der des Glau­bens und ei­ner Hei­li­gen, die mit ih­rer über­zeit­li­chen For­de­rung nach Nächs­ten­lie­be ak­tu­el­ler ist denn je“, er­klärt Pfar­rer Hans Ly­er.

Mar­kus Lü­pertz selbst räumt bei der Ver­nis­sa­ge ein, dass es Fan­ta­sie brau­che, um sich die Fens­ter vor­zu­stel­len und hin­ter den Kar­tons Licht zu se­hen. Da­her sei er mit klop­fen­dem Her­zen ins Kes­sel­haus ge­kom­men – denn: „Pa­pier ist rup­pig.“Die Ma­le­rei be­zeich­net der 74-Jäh­ri­ge als ein „in­tel­li­gen­tes Me­tier“, das er als Tra­di­tio­na­list mit ak­tu­el­lem An­spruch aus­fül­le. Er wer­de al­les tun, dass die Fens­ter groß­ar­tig wer­den: „Das bin ich mir selbst schul­dig für die Ewig­keit.“

Bis 29. No­vem­ber im Kes­sel­haus Bam­berg, Un­te­re Sand­stra­ße 42, Fr 15 bis 18, Sa, So 11 bis 18 Uhr.

Foto: Ni­co­las Ar­mer, dpa

Mar­kus Lü­pertz vor ei­ner der Pa­pier­fah­nen, die sei­ne Ent­wür­fe für die Kir­che St. Eli­sa­beth zei­gen.

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