Zwei Wel­ten tref­fen auf­ein­an­der

Kri­se Im­mer mehr Ur­lau­ber wer­den mit Flücht­lin­gen kon­fron­tiert. Das hat Fol­gen

Donauwoerther Zeitung - - Reise-journal - VON HANS-WER­NER RO­DRI­AN in­fo www.asi­si.de

Ei­ne Elf­jäh­ri­ge geht am Ba­de­strand bei Si­de in der Tür­kei durch die Lie­ge­stuhl­rei­hen. Das Mäd­chen ver­sucht ge­mein­sam mit ei­ner Freun­din, Ge­trän­ke zu ver­kau­fen. Was­ser, Co­la, Spri­te. Nur die we­nigs­ten Ur­lau­ber be­mer­ken: Die bei­den sind sy­ri­sche Flücht­lin­ge.

Wie der klei­nen Was­ser­ver­käu­fe­rin geht es in der Tür­kei Hun­dert­tau­sen­den. Das Land hat 2,2 Mil­lio­nen Ver­trie­be­ne vor al­lem aus Sy­ri­en und dem Irak auf­ge­nom­men, schätzt das Uno-Flücht­lings­hilfs­werk UNHCR. An­ders als auf den grie­chi­schen In­seln ver­tei­len sich die meis­ten übers Land, im­mer auf der Su­che nach ei­nem Dach über dem Kopf und we­nigs­tens kurz­fris­ti­ger Ar­beit. Jetzt, wo an der tür­ki­schen Ri­vie­ra die meis­ten Ho­tels bis zum Früh­jahr schlie­ßen, zie­hen auch die Ta­ge­löh­ner wei­ter.

Über­all in Eu­ro­pa hat die Flücht­lings­wel­le die Ur­laubs­zie­le er­reicht. In Ita­li­en und auf Mal­ta lan­den die Ge­stran­de­ten per Boot, Kroa­ti­en durch­que­ren sie zu Fuß, aus Spa­ni­en ver­stö­ren die Fern­seh­bil­der von Men­schen, die über den Zaun von Me­lil­la und Ceu­ta klet­tern.

Ös­ter­reich ist gleich dop­pelt be­trof­fen: Aus Slo­we­ni­en kom­men der­zeit Tau­sen­de. Aus Deutsch­land, be­kla­gen Ho­te­liers, kom­men da­ge­gen im­mer we­ni­ger Ur­lau­ber: Ver­ant­wort­lich da­für ma­chen die Tou­ris­ti­ker ge­sperr­te Bahn­li­ni­en und lan­ge Schlan­gen vor den Au­to­bahnG­renz­sta­tio­nen. Längst geht bei Ho­te­liers, Rei­se­ver­an­stal­tern und Flug­ge­sell­schaf­ten die Angst um, die in­ner­eu­ro­päi­schen Grenz­kon­trol­len könn­ten wie­der per­ma­nent ein­ge­führt wer­den.

In Deutsch­land über­le­gen Be­trei­ber von Ho­tels und Fe­ri­en­an­la­gen, ob es nicht ren­ta­bler ist, statt an­spruchs­vol­ler Ur­lau­ber dank­ba­re Flücht­lin­ge zu be­her­ber­gen. So er­wägt of­fen­bar der Fe­ri­en­park Ham­bach­tal im Huns­rück, zu­nächst über den Win­ter 1500 Flücht­lin­ge ein­zu­quar­tie­ren. In Pas­sau bot ein Ho­te­lier sei­ne drei Vier-Ster­ne-Her­ber­gen als Flücht­lings­un­ter­künf­te an – pi­kan­ter­wei­se als Re­ak­ti­on auf die Plä­ne ei­nes Nach­barn, ge­gen­über ein Asyl­be­wer­ber­heim zu bau­en. Auch das Ma­ri­tim-Ho­tel in Hal­le an der Saa­le ist seit 1. Ok­to­ber Flücht­lings­un­ter­kunft.

In Berlin macht die Ge­schich­te von ei­nem Hos­tel die Run­de, das sei­ne Bet­ten­zahl kur­zer­hand von 280 auf 700 auf­stock­te und von der Stadt pro Bett 20 Eu­ro kas­siert. Und von den 38 Ra­ma­da-Ho­tels in Deutsch­land die­nen min­des­tens drei zeit­wei­se als Flüchtlingsquartiere: Das Haus an der Mes­se Han­no­ver ist sonst au­ßer­halb der Mes­se­zei­ten so­wie­so still­ge­legt; die An­la­ge in Ei­sen­hüt­ten­stadt wird eta­gen­wei­se ans Bran­den­bur­ger In­nen­mi­nis­te­ri­um ver­mie­tet. Und das Haus in Hah­nen­klee im Harz dient bis En­de 2016 kom­plett als Flücht­lings­un­ter­kunft.

Selbst in der Flug­bran­che ist das Flücht­lings­the­ma prä­sent: Air Berlin be­stä­tig­te im Au­gust, Char­ter­flü­ge für ab­ge­wie­se­ne Asyl­be­wer­ber durch­zu­füh­ren. Luft­han­sa ver­kauft dem Staat zur Ab­schie­bung Ein­zel­plät­ze auf re­gu­lä­ren Li­ni­en­ma­schi­nen, wie die Welt be­rich­tet.

Es ist of­fen­sicht­lich: Die Rei­se­bran­che kann die Flücht­lin­ge nicht weg­lä­cheln. Auf Kos gibt es laut ei­ner Tui-Spre­che­rin „Nach­fra­gen von Kun­den“, of­fen­bar auch Um­bu­chungs­wün­sche. Aber Un­si­cher­heit ist kein Stor­no­grund. Wer ge­bucht hat, der muss wohl rei­sen oder zu­min­dest zah­len. Wo das Fern­se­hen von Flücht­lings­trecks be­rich­tet, blei­ben die Ur­lau­ber weg. So herrscht Rat­lo­sig­keit in der Bran­che. Es blieb bei Spen­den des Tra­vel In­dus­try Clubs und der Ree­de­rei Ai­da. Da­zu kam ei­ne Ak­ti­on des Ver­an­stal­ters All­tours, per Fe­ri­en­flie­ger ge­spen­de­te Klei­dung nach Kos zu brin­gen.

Was mög­lich wä­re, zeigt die ira­nisch­stäm­mi­ge Rei­se­un­ter­neh­me­rin Jas­min Tay­lor („JT Tou­ris­tik“). Sie hat be­reits 2014 ein Pro­jekt zur Ein­glie­de­rung weib­li­cher Flücht­lin­ge ge­star­tet. Das Augs­bur­ger „Grand­ho­tel Cos­mo­po­lis“be­her­bergt Asyl­be­wer­ber, Ge­schäfts­leu­te und Ur­lau­ber ganz be­wusst ge­mein­sam un­ter ei­nem Dach – laut Ho­tel­lei­tung durch­aus er­folg­reich.

Wie die Bran­che ins­ge­samt denkt, wur­de auf dem „Tou­ris­mus­gip­fel“in Berlin deut­lich. Da schwärm­te der Vor­sit­zen­de des Bun­des­ver­ban­des der Deut­schen Tou­ris­mus­wirt­schaft (BTW), Micha­el Fren­zel: Die Frei­zeit­wirt­schaft bie­te „mit drei Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten Chan­cen für al­le“. Bet­ten­ma­chen, Früh­stücks­ge­schirr weg­räu­men, das kann eben auch ein Un­ge­lern­ter aus Sy­ri­en. Wie das funk­tio­niert, lässt sich dem­nächst auch dort be­ob­ach­ten, wo die Kanz­le­rin die G7 zu­sam­men­brach­te. Ho­tel­chef Diet­mar Müller-El­mau vom Schloss­ho­tel El­mau kün­dig­te schon mal an, „20 bis 30 Lehr­lin­ge aus den Kri­sen­län­dern“ein­zu­stel­len. Das Pa­no­me­ter Leipzig hat wie­der ei­ne Welt­pre­mie­re: Bis 18. Sep­tem­ber 2016 ist hier Ya­de­gar Asi­sis mo­nu­men­ta­les 360˚-Pan­ora­ma „Gre­at Bar­ri­er Reef – Wun­der­welt Koral­len­riff“zu se­hen. Im Maß­stab 1:1 lädt das Rie­sen­rund­bild auf et­wa 3500 Qua­drat­me­tern zu ei­ner Ex­pe­di­ti­on an das größ­te Koral­len­riff der Er­de vor der Nord­ost­küs­te von Aus­tra­li­en. Der Künst­ler hat sich vor­ab in die Welt der Koral­len, Schwäm­me, Mu­scheln, See­ster­ne, Clown­fi­sche, Mee­res­schild­krö­ten, Ro­chen, Haie oder Za­cken­bar­sche im Pa­zi­fik ein­ge­fühlt, hat über und un­ter Was­ser re­cher­chiert, in Port Dou­glas mit Un­ter­stüt­zung von Ben Cropp, ei­nem Do­ku­men­tar­fil­mer und Tau­cher, der ihn an bis­lang un­ent­deck­te Or­te führ­te. Des­halb kann sich jetzt im Rie­sen­rund­bild die Un­ter­was­ser­welt des Gre­at Bar­ri­er Reef den Be­trach­tern so prä­sen­tie­ren, als wä­ren sie selbst un­ter Was­ser. Um ei­nen in der Na­tur un­mög­li­chen Über­blick über den kom­ple­xen Le­bens­raum zu er­mög­li­chen, hat Asi­si Na­tur­räu­me, die in der rea­len Welt nicht be­nach­bart sind, in ei­nem hy­per­rea­lis­ti­schen Pan­ora­ma zu­sam­men­ge­setzt. (li) Wer sagt, dass Rei­sen teu­er sein muss? Ein­fach am Wo­che­n­en­de spon­tan die Kof­fer pa­cken – und ab nach Wi­en. Wer auf Schi­cki­mi­ckiLu­xus ver­zich­ten kann und kein Pro­blem da­mit hat, sich mit Rei­sen­den aus al­ler Welt ein Zim­mer zu tei­len, der ist im Hos­tel in der Myr­t­hen­gas­se gut und güns­tig auf­ge­ho­ben. Kei­ne Zehn Mi­nu­ten zu Fuß von der In­nen­stadt und ei­nem le­cke­ren Ap­fel­stru­del ent­fernt.

In ei­ner ru­hi­gen Sei­ten­stra­ße hin­ter dem Volks­thea­ter liegt das Hos­tel et­was ver­steckt. Ein ge­pfleg­ter Alt­bau mit auf­wen­dig ver­zier­ter Fas­sa­de. In­nen sieht es ju­gend­li­cher aus. Jun­ges und freund­li­ches Per­so­nal be­grüßt die Gäs­te, die Mehr­bett­zim­mer sind groß, hell und sehr sau­ber. Nur wer im un­te­ren Teil der Stock­bet­ten schläft, hat Aus­sicht auf ei­ni­ge Krit­ze­lei­en auf dem Bett dar­über. Aber auch die wer­den re­gel­mä­ßig über­malt. Tipp: Wer au­ßer­halb der Haupt­sai­son an­reist, hat Chan­cen, ein güns­ti­ges Sechs-Bet­tZim­mer al­lei­ne zu be­woh­nen. Toi­let­te und Du­sche muss sich der Gast tei­len, zu ei­nem mor­gend­li­chen Stau vor den Ba­de­zim­mern kommt es aber ei­gent­lich nicht.

Nä­her am Stadt­zen­trum geht kaum, zu­min­dest nicht zu so güns­ti­gen Prei­sen. Knapp zehn Mi­nu­ten dau­ert ein Spa­zier­gang in die In­nen­stadt, vor­bei an in­di­schen Re­stau­rants, Yo­ga-Lä­den mit Klang­scha­len und Traum­fän­gern in der Aus­la­ge, dem „Käuz­chen“– ein Kul­t­re­stau­rant in Wi­en, in das sich nur ge­le­gent­lich Tou­ris­ten ver­ir­ren – und dem tra­di­tio­nel­len Wie­ner Kaf­fee­haus Rai­mund am Volks­thea­ter, wo le­cke­rer Ap­fel­stru­del auf der Spei­se­kar­te steht.

Kul­tur- und Wis­sen­schafts­be­geis­ter­te ha­ben das Kul­tur- und Na­tur­his­to­ri­sche Mu­se­um (ei­nes der be­deu­tends­ten Na­tur­mu­se­en welt­weit) di­rekt der Nä­he. Und wer mit Mu­se­en we­nig an­fan­gen kann, der macht auf der Park­an­la­ge zwi­schen den bei­den ein­an­der zu­ge­wand­ten Ge­bäu­den ein Pick­nick.

Linda Sendlinger

In un­se­rer Ru­brik*„Zim­mer-Ser­vice“stel­len wir Ho­tels, Pen­sio­nen und Fe­ri­en­häu­ser vor, die un­se­re Re­dak­ti­ons­mit­glie­der und Mit­ar­bei­ter aus­pro­biert ha­ben und be­mer­kens­wert fan­den.

Ju­gend­her­ber­ge Myr­t­hen­gas­se, Myr­t­hen­gas­se 7, 1070 Wi­en 0043/ 1/ 52363160 Schlaf­saal ab 19 Eu­ro, Pri­vat­zim­mer ab 45 Eu­ro

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