Kriegs­er­klä­rung leicht ge­macht

Ex­pe­ri­ment In ZDF­neo ist zu se­hen, wie schnell Kon­flik­te aus­bre­chen

Donauwoerther Zeitung - - Fernsehen Aktuell Am Dienstag - ZDF­neo, 21.45 Uhr

Frie­den zu schaf­fen ist schwie­ri­ger als Krieg. Denn für den Aus­bruch ei­nes Krie­ges braucht es nach Be­ob­ach­tun­gen des Kon­flikt-Ex­per­ten Chris­to­pher Les­ko nur drei Glau­bens­sät­ze, die in den Köp­fen der Mit­glie­der ei­nes Vol­kes, ei­ner Ge­sell­schaft oder ei­ner Grup­pe her­um­spu­ken: 1. Wir sind die Gu­ten. 2. Die an­de­ren sind die Bö­sen. 3. Die an­de­ren wol­len uns et­was weg­neh­men.

Wie schnell sich auch mit ein­fachs­ten Mit­teln und so­gar un­ter den künst­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Rea­li­ty­show im Fern­se­hen ein Kon­flikt zwi­schen zwei will­kür­lich de­fi­nier­ten Grup­pen er­zeu­gen lässt, zeigt Les­ko in „Plötz­lich Krieg? – Ein Ex­pe­ri­ment“(Di­ens­tag und Mitt­woch um 21.45 Uhr, ZDF­neo). Da­bei geht es um zwei Teams aus je­weils sechs nor­ma­len jun­gen Leu­ten, die mit psy­cho­lo­gi­schen Tricks ge­gen­ein­an­der auf­ge­hetzt und schon bald hand­greif­lich wur­den. Ver­letzt wur­de da­bei nie­mand, doch Les­ko und sei­ne Kol­le­gen wa­ren von der Ge­walt­be­reit­schaft und der Grup­pen­dy­na­mik er­schro­cken, ob­wohl sie da­mit ge­rech­net hat­ten.

Er­schre­ckend ist die­ses so­zi­al­psy­cho­lo­gi­sche Ex­pe­ri­ment vor al­lem aus ei­nem Grund: Die me­di­ener­fah­re­nen Mit­spie­ler wur­den zwar nicht über Sinn und Zweck des Gan­zen in­for­miert, wuss­ten da­bei aber ge­nau, dass sie Teil ei­ner mehr­tä­gi­gen Rea­li­ty­show sind. Trotz­dem konn­ten sie fast nach Be­lie­ben in Rich­tung ei­nes Kon­flikts ma­ni­pu­liert wer­den. Er­schre­ckend auch, wie we­nig es braucht, dass zwi­schen zwei in ge­trenn­ten Camps un­ter­ge­brach­ten Grup­pen of­fe­ner Streit um Res­sour­cen aus­bricht, in die­sem Fall um Le­bens­mit­tel-Ra­tio­nen, die dem ei­nen Team ge­währt und dem an­de­ren vor­ent­hal­ten wur­den. Um die Wut der Kan­di­da­ten auf die an­de­re Grup­pe zu schü­ren, wur­de so­wohl in Team Rot als auch in Team Blau ein Maul­wurf ein­ge­schleust.

In di­ver­sen Wett­kampf-Spie­len tra­ten schon bald of­fe­ne Ag­gres­sio­nen zu­ta­ge. Vor al­lem beim letz­ten Kräf­te­mes­sen, ei­ner Art Rug­by, ent­lud sich die Wut so man­ches Kan­di­da­ten ex­plo­si­ons­ar­tig und es kam zu phy­si­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Doch da­mit war das Ex­pe­ri­ment noch nicht zu En­de: In ei­ner fi­na­len Pha­se soll­ten die Grup­pen un­ter An­lei­tung von Les­ko wie­der Frie­den mit­ein­an­der schlie­ßen.

„Ziel des Ex­pe­ri­ments war, zu un­ter­su­chen und zu zei­gen, wel­che Ein­fluss­fak­to­ren bei der Ent­ste­hung von Kon­flikt­be­reit­schaft und Krieg ei­ne zen­tra­le Rol­le spie­len“, sagt Les­ko. Ein zwei­tes Ziel sei ge­we­sen, zu zei­gen, dass auch ein Frie­dens­schluss mög­lich ist, was sich je­doch häu­fig als das schwie­ri­ge­re Un­ter­fan­gen her­aus­stellt. Mar­tin We­ber

Foto: ZDF/Tho­mas Ernst

Die­se Was­ser­schlacht ist ei­ner von meh­re­ren Wett­kämp­fen, die zwei Teams in „Plötz­lich Krieg“aus­tra­gen. Das TV-Ex­pe­ri­ment auf ZDF­neo zeigt, wie schnell spie­le­ri­scher Ei­fer zu Hand­greif­lich­kei­ten füh­ren kann.

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