Auch der „Gauk­ler­vo­gel“macht mit

Kul­tu­ren-Treff In Bäu­men­heim tref­fen sich Asyl­be­wer­ber und Hel­fer zwei­mal im Mo­nat zu ei­ner un­ge­zwun­ge­nen Run­de. Da geht es um Pro­ble­me, aber auch um das Mit­ein­an­der

Donauwoerther Zeitung - - An Donau, Lech Und Schmutter - VON HEL­MUT BIS­SIN­GER Bäu­men­heim

Mo­ha­med ist be­un­ru­higt. Der 24-Jäh­ri­ge hat ei­nen Brief vom Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on er­hal­ten: die Ein­la­dung zu ei­nem zwei­ten In­ter­view-Ter­min in sei­nem Asyl­ver­fah­ren. Er muss kom­men­de Wo­che er­neut in München vor­spre­chen. Die Hel­fer im „Treff der Kul­tu­ren“im Haus der Ver­ei­ne in Bäu­men­heim be­ru­hi­gen den jun­gen Sy­rer: „Al­les ganz nor­mal.“

Sol­che und ähn­li­che Pro­ble­me kön­nen die Asyl­be­wer­ber im All­tag be­spre­chen, aber jetzt auch zwei­mal im Mo­nat beim „Treff der Kul­tu­ren“. Al­ko­hol gibt es kei­nen, aber der Ren­ner ist so­wie­so Ap­fel­saft. Ein ganz be­son­de­rer Ap­fel­saft. Mo­ha­med und sein Freund Ah­met ha­ben mit an­de­ren Asyl­be­wer­bern in Ham­lar Äp­fel auf­ge­le­sen und sie in Her­berts­ho­fen pres­sen las­sen. 500 Li­ter wa­ren es am En­de. Sie wer­den nun beim „Treff der Kul­tu­ren“an­ge­bo­ten. Ei­nen Teil ha­ben die Flücht­lin­ge aber auch der Ca­ri­tas in Donauwörth ge­schenkt, „als klei­nes Dan­ke­schön“, sagt Ah­met.

An die­sem Abend füllt sich das Haus der Ver­ei­ne nur lang­sam. Ei­ni­ge ken­nen sich, an­de­re sind neu. „Künf­tig wol­len wir zum Bei­spiel auch Ge­sell­schafts­spie­le an­bie­ten“, hat In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­te Irm­gard Hu­ber ei­ne Idee. Und „Sunshi­ne Deer“ali­as Tho­mas Will­höft möch­te auch ei­nen Bei­trag leis­ten. Der „Gauk­ler­vo­gel“, wie er sich selbst nennt, will mit den Ju­gend­li­chen Mu­sik ma­chen. Der ge­lern­te Thea­ter­päd­ago­ge be­ab­sich­tigt, dem­nächst mit Trom­meln beim Treff vor­bei­zu­schau­en. Dann könn­ten die Deut­schen Lie­der sin­gen, aber auch die Aus­län­der mit ih­ren Rhyth­men zu ei­nem stim­mungs­vol­len Abend bei­tra­gen.

Die Aus­län­der, das sind haupt­säch­lich Sy­rer. Aber auch Ab­dul­ga­ni aus So­ma­lia ist ge­kom­men. Er spricht schon recht or­dent­lich deutsch. In sei­nem Schlepp­tau: Ger­ry aus Eri­trea. Ob dies sein rich­ti­ger Na­me ist, weiß auch Hu­ber nicht. Aber ver­mut­lich ist sein ei­gent­li­cher Na­me so schwer aus­zu­spre­chen, dass er sich eben ein­fach Ger­ry nen­nen lässt.

Der jun­ge Mann ist eher zu­rück­hal­tend. „Je­der ist an­ders“, weiß Me­la­nie Kac, die zum run­den Tisch ge­hört, der sich um die Sor­gen, Nö­te und Fra­gen küm­mert, die täg­lich auf­tre­ten. „Vom Arzt­be­such bis hin zum Ein­kau­fen“, man sei viel­fäl­tig ge­fragt, er­zählt sie. Ähn­li­ches be­rich­tet Ma­ria Pan­zirsch. Sie will Schul­psy­cho­lo­gin wer­den und stu­diert in Eich­stätt. Psy­cho­lo­gi­sches Ge­schick ist denn auch im­mer wie­der wich­tig. Ge­ra­de an die­sem Abend. Ein Asyl­be­wer­ber aus Sy­ri­en, der an­sons­ten im­mer en­ga­giert mit­ar­bei­tet, ist nicht ge­kom­men: Er hat er­fah­ren, dass 15 Mit­glie­der sei­ner Fa­mi­lie bei der Flucht er­trun­ken sind. „Das drückt na­tür­lich auf die Stim­mung in der Un­ter­kunft“, zeigt Hu­ber Ver­ständ­nis.

Spä­ter kommt auch noch Man­fred Seel da­zu. Auch er ist vom Ge­mein­de­rat be­stell­ter In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­ter. Seel be­rich­tet, wie man die schutz­be­dürf­ti­gen Men­schen in Bäu­men­heim in­te­grie­ren will: mit Sprach­kur­sen, aber auch Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten. Da­zu ge­hö­re der „Treff der Kul­tu­ren“, aber auch an­de­re Ak­tio­nen. So wür­de je­der Asyl­be­wer­ber in Bäu­men­heim, falls er es wünscht, ein Fahr­rad er­hal­ten. Zehn Eu­ro müs­se er da­für zah­len, die er bei der Rück­ga­be des Ra­des wie­der er­hal­te. Lei­der sei es wie bei so vie­lem: Die Flücht­lin­ge hät­ten kei­ne Er­fah­rung mit Rä­dern. Die Fol­ge: „Es gibt im­mer et­was zu re­pa­rie­ren“, lacht Seel.

Er und Hu­ber freu­en sich, dass „der Treff gut an­ge­nom­men wird“. Spon­tan ist ei­ne Grup­pe von Asyl­be­wer­bern mit ih­ren deut­schen Hel­fe­rin­nen aus dem Do­nau­wör­ther Stadt­teil Nordheim her­über­ge­kom­men. Es tut of­fen­bar gut, un­ter Gleich­ge­sinn­ten mit ähn­li­chem Schick­sal ei­nen mög­lichst un­be­küm­mer­ten Abend zu ver­brin­gen.

Foto: Bis­sin­ger

Neu in Bäu­men­heim: der Treff der Kul­tu­ren. Irm­gard Hu­ber und Man­fred Seel als In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­te der Ge­mein­de sind zwei­mal im Mo­nat Gast­ge­ber.

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