Die Ne­ben­flüs­se sind die Haupt­flüs­se

Dis­kus­si­on Ex­per­te Bern­hart kri­ti­siert wie zu­letzt in Tapf­heim die Pol­der-Plä­ne bei Marx­heim

Donauwoerther Zeitung - - An Donau, Lech Und Schmutter - Marx­heim/Bertoldsheim

Aka­de­mi­ker drü­cken sich ger­ne ge­wählt aus, ver­wen­den Fremd­wör­ter und ver­ste­cken ih­re Zwei­fel und ge­gen­tei­li­gen Mei­nun­gen meist hin­ter wis­sen­schaft­li­chen For­mu­lie­run­gen. Nicht so Pro­fes­sor Dr. Hans Bern­hart. Der Ex­per­te für Was­ser­bau an der Uni Karls­ru­he und freie Gut­ach­ter stieg hin­ab in die „Nie­de­run­gen der deut­schen Spra­che“, um den Zu­hö­rern un­miss­ver­ständ­lich klar zu ma­chen, was er von der Pol­d­er­pla­nung zwi­schen Bertoldsheim und Marx­heim hält: „Blöd­sinn“war da noch ei­nes der harm­lo­se­ren Wor­te.

Bern­hart ließ kei­nen Zwei­fel: „Die Be­trach­tung der TU und der Was­ser­wirt­schafts­äm­ter ent­lang der Do­nau ist viel zu ein­glei­sig.“Vie­le Mög­lich­kei­ten wür­den gar nicht un­ter­sucht. Und der Fo­kus ge­he nur in Rich­tung des Haupt­flus­ses – der Do­nau. Da­bei müss­ten be­reits die zu­flie­ßen­den Ne­ben­flüs­se be­ach­tet und in die Pla­nung ein­be­zo­gen wer­den. Denn an der Do­nau selbst sei die Be­trach­tung viel zu spät an­ge­setzt. „Nur wenn be­reits an al­len Ne­ben­flüs­sen der Do­nau Hoch­was­ser­schutz­maß­nah­men ge­trof­fen wer­den, kann das Pro­jekt er­folg­reich sein.“Bern­hart ver­such­te, im vol­len Saal der Schloss­gast­stät­te klar­zu­stel­len, dass man Hoch­was­ser­schutz dem Fluss selbst über­las­sen soll­te, denn: „Ge­steu­er­te Maß­nah­men müs­sen auch punkt­ge­nau ge­steu­ert wer­den. Wird der Pol­der zum fal­schen Zeit­punkt ge­flu­tet, bringt er bei ei­nem Hoch­was­ser gar nichts.“Und je­des Hoch­was­ser sei an­ders. Je­de Wel­le un­ter­schied­lich. Bern­hart zeig­te das an den Hoch­wäs­sern 1999, 2002, 2005 und 2013. Je­des Mal ka­men die Was­ser­höchst­stän­de auf an­de­re Art zu­stan­de. Flut­pol­der, wie in Rie­dens­heim ge­plant und in Step­perg ge­baut, lehnt der Wis­sen­schaft­ler grund­sätz­lich ab. Dort wür­de das Was­ser über meh­re­re Ta­ge ste­hen. Das zer­stö­re den Au­wald, denn der brau­che flie­ßen­des Was­ser. Au­ßer­dem wir­ke der Pol­der nicht wirk­lich weit fluss­ab­wärts. Al­so bes­ser: die Wie­der­an­bin­dung von frü­he­ren Au­wald­ge­bie­ten an die Flüsse. Aus­lei­tungs­mög­lich­kei­ten, wie bei­spiels­wei­se süd­lich von Marx­heim, da­mit sich das Was­ser ei­nen brei­ten und län­ge­ren Weg bah­nen kann. Da­zu müs­sen Dei­che zu­rück­ver­legt wer­den. Dann brau­che man kei­ne von Men­schen­hand ge­steu­er­ten Pol­der. Als funk­tio­nie­ren­des Bei­spiel brach­te Bern­hart das Do­nau­ried west­lich von Donauwörth. Dort ge­be es Aus­lei­tungs­mög­lich­kei­ten, die ei­nem Fließ­pol­der äh­nel­ten. Und dort wür­de das Was­ser flie­ßen, was der na­tür­li­chen Über­flu­tung der Au­wäl­der ent­sprä­che. Be­reits ge­rin­ge An­stau­hö­hen wür­den gro­ße Wir­kung zei­gen. Die ge­plan­te Stau­hö­he im Ber­tolds­hei­mer Flut­pol­der er­schreck­te Bern­hart re­gel­recht. Bei vier bis fünf Me­tern ge­he al­les, was dort wächst, ka­putt. Am Ober­rhein sei ei­ne ma­xi­ma­le An­stau­hö­he von 2,5 Me­ter er­laubt. Bern­harts Cre­do: „Es gibt mehr Mög­lich­kei­ten des Hoch­was­ser­schut­zes als die zwölf ge­plan­ten Flut­pol­der ent­lang der Do­nau. Und die Mög­lich­kei­ten müs­sen auf ih­re Wirk­sam­keit hin auch un­ter­sucht wer­den.“(mad)

Foto: Dittenhofer

Pe­ter von der Grün (links), Vor­sit­zen­der der Bür­ger­initia­ti­ve ge­gen den Flut­pol­der, und Ru­dolf Schu­bert vom Bund Na­tur­schutz Donauwörth wäh­rend der De­bat­te.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.