Ei­ne Wel­le der Hilfs­be­reit­schaft

Schick­sal Die Frau von Frank Blaß ist kurz nach der Ge­burt des drit­ten Kin­des Se­bas­ti­an ge­stor­ben. Vie­le Men­schen spen­den für die Fa­mi­lie. Auch die Kar­tei der Not hilft

Donauwoerther Zeitung - - Blick Ins Ries | Sport Vor Ort - VON MAR­TI­NA BACH­MANN Wal­ler­stein Spen­den:

Se­bas­ti­an hat das Lä­cheln ent­deckt. Ur­plötz­lich be­gin­nen sei­ne Au­gen zu leuch­ten, er zieht die Mund­win­kel nach oben, gibt den Blick frei auf sei­nen zahn­lo­sen Mund und strahlt sein Ge­gen­über herz­er­wär­mend an. An die­sem Mor­gen, auf der lan­gen Holz­bank am gro­ßen Fa­mi­li­en-Ess­tisch, ist es Pa­pa Frank Blaß, der in den Ge­nuss von Se­bas­ti­ans char­man­tem Ba­by­lä­cheln kommt. „Mein Gro­ßer“, sagt der Fa­mi­li­en­va­ter ganz stolz, knud­delt sei­nen Sohn und lä­chelt zu­rück. End­lich kann er ge­nau das wie­der tun – lä­cheln.

Rund zwei Mo­na­te ist es nun her, dass Frank Blaß’ Frau Cor­ne­lia an ei­nem sep­ti­schen Schock ge­stor­ben ist – ge­ra­de ein­mal ei­ne Wo­che nach der Ge­burt von Se­bas­ti­an. Sie wur­de nur 29 Jah­re alt. Plötz­lich stand der 41-Jäh­ri­ge ganz al­lein da. Mit drei klei­nen Kin­dern, mit ei­nem Mi­niHand­wer­ker­be­trieb, mit sei­ner Trau­er, sei­ner Furcht vor der Zu­kunft. Er be­gann zu kämp­fen – doch wo be­gin­nen? Wo die Kraft her­neh­men für ei­nen Be­trieb, der oh­ne sei­nen vol­len Ein­satz droh­te, bank­rott zu ge­hen, für ei­nen Säug­ling, der 24 St­un­den Pfle­ge braucht, für zwei klei­ne Kin­der, Leo­nie und Niklas, die selbst dar­un­ter lei­den, dass die Ma­ma ein­fach nicht mehr da ist? Noch vor fünf Wo­chen droh­te die Ver­zweif­lung, ja die Aus­weg­lo­sig­keit über­hand­zu­neh­men. Doch seit­dem hat sich vie­les ge­tan. Seit Frank Blaß sei­ne Ge­schich­te in den Rie­ser Nach­rich­ten er­zählt hat.

Schon am Mor­gen des Ta­ges der Ver­öf­fent­li­chung ha­be ihn der Post­bo­te auf den Ar­ti­kel an­ge­spro­chen: „Er hat ge­sagt: Das hast du gut ge­macht.“Dann stan­den plötz­lich Nach­barn vor der Tür. Leu­te, mit de­nen die Blaß’ bis­her gar nichts zu tun hat­ten. „Die Frau hat mich ge­fragt, ob sie hel­fen kann. Ich ha­be ge­sagt, es ist schwie­rig, ich weiß nicht“, er­in­nert sich der Fa­mi­li­en­va­ter. Da nahm die Frau kur­zer­hand den Topf mit, in dem Blaß am Abend zu­vor ei­ne Sup­pe ein­bren­nen hat­te las­sen – er war er­schöpft auf dem So­fa ein­ge­schla­fen. Zu­rück be­kam er der Topf nicht nur sau­ber, son­dern mit Es­sen ge­füllt, er­in­nert sich der 41-Jäh­ri­ge dank­bar. „Ich könn­te den gan­zen Tag sol­che Ge­schich­ten er­zäh­len.“

Der Ver­ein Glüh­würm­chen über­neh­me nun für drei Mo­na­te die Kos­ten für Fa­mi­li­en­hel­fe­rin Mar­le­ne Bis­sin­ger, sagt Blaß. Und nichts zu­letzt hat auch die Kar­tei der Not, das Le­s­er­hilfs­werk un­se­rer Zei­tung, ger­ne ei­nen Bei­trag ge­leis­tet, um dem Va­ter und sei­nen drei Kin­dern in die­ser schwie­ri­gen Si­tua­ti­on zu hel­fen. 5000 Eu­ro hat das Ku­ra­to­ri­um für die Fa­mi­lie Blaß zu­nächst ein­mal frei ge­ge­ben. Da­zu be­steht die Op­ti­on, dass sich Frank Blaß im Zwei­fels­fall noch ein­mal an die Kar­tei der Not wen­den kann.

Mitt­ler­wei­le un­ter­stützt nicht nur Fa­mi­li­en­hel­fe­rin Bis­sin­ger die vier Blaß’, son­dern auch Ni­co­le Mayer. Sie ist als Fa­mi­li­en­pfle­ge­rin an­ge­stellt, wohnt im sel­ben Haus und steht auch nachts auf, wenn Klein Se­bas­ti­an we­ni­ger char­mant lä­chelt, son­dern lie­ber laut­hals schreit. Frank Blaß ist für all die Hil­fe und Un­ter­stüt­zung über­aus dank­bar. Und ein biss­chen arg ist es ihm auch, dass die Men­schen im Ries und dar­über hin­aus so groß­zü­gig sind. Schließ­lich ha­be er doch im­mer ge­ar­bei­tet: „Ich war doch noch nie der­je­ni­ge, der die Hän­de auf­ge­hal­ten hat.“Und des­halb will er sich auch beim Pro­jekt Wal­ler­stei­ner Herz en­ga­gie­ren. Ent­stan­den ist es, weil ein Wirt klei­ne Schnaps­fläs­chen ver­kau­fen und mit dem Er­lös der Fa­mi­lie hel­fen woll­te. Frank Blaß kann sich vor­stel­len, dass dar­aus ei­ne Stif­tung ent­steht. Ei­ne, die im Zwei­fels­fall auch mal ganz un­bü­ro­kra­tisch und von jetzt auf gleich hilft. Oh­ne erst das So­zi­al­pro­fil, die Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se oder ei­nen Erb­schein ein­zu­se­hen. Denn die schnel­le Hil­fe, so sagt Blaß, brau­che in Deutsch­land zu lang.

Kon­to der Ca­ri­tas Nörd­lin­gen, IBAN: DE 09 7225 0000 0000 3926 88, BIC: BYLADEM1NLG, Stich­wort „Bei­hil­fe Blaß“.

Foto: Mar­ti­na Bach­mann

Frank Blaß mit sei­nem Nest­häk­chen Se­bas­ti­an: Zwei Mo­na­te nach dem Tod von sei­ner Frau Cor­ne­lia hat die Hoff­nung ge­gen die Ver­zweif­lung ge­won­nen.

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