Mer­kel weist See­ho­fers Ul­ti­ma­tum zu­rück

Flücht­lings­kri­se Bay­ern ver­langt Kurs­wech­sel. CSU-Spit­ze at­ta­ckiert Ös­ter­reich scharf

Donauwoerther Zeitung - - Erste Seite - VON ULI BACH­MEI­ER UND JÖRG SIG­MUND »Kom­men­tar, Die Drit­te Sei­te, Po­li­tik und Bay­ern

München Der Streit über die Be­wäl­ti­gung der Flücht­lings­kri­se es­ka­liert auf brei­ter Front. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) hat ges­tern ein neu­er­li­ches Ul­ti­ma­tum von Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer (CSU) zu­rück­ge­wie­sen. Er hat­te ei­nen Kurs­wech­sel ge­for­dert und mit ei­nem baye­ri­schen Al­lein­gang ge­droht. See­ho­fer setz­te Mer­kel ei­ne Frist bis Sonn­tag.

Gleich­zei­tig em­pört sich die Baye­ri­sche Staats­re­gie­rung in au­ßer­ge­wöhn­lich schar­fer Form über das Ver­hal­ten der ös­ter­rei­chi­schen Re­gie­rung. Ös­ter­reich ha­be an der Gren­ze zu Bay­ern Recht und Ge­setz au­ßer Voll­zug ge­setzt, schimpf­te Staats­kanz­lei­chef Mar­cel Hu­ber (CSU). Dass der­zeit Flücht­lin­ge zu tau­sen­den oh­ne An­kün­di­gung über die grü­ne Gren­ze ge­bracht wer­den, ist nach An­sicht von Bay­erns In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU) „ein un­ver­ant­wort­li­ches Ver­hal­ten der ös­ter­rei­chi­schen Re­gie­rung, das ich wirk­lich nur als skan­da­lös be­zeich­nen kann“. Auch am Mon­tag­abend wa­ren an der deutsch-ös­ter­rei­chi­schen Gren­ze na­he Pas­sau 2000 Mi­gran­ten oh­ne Vor­war­nung an­ge­kom­men.

Die ent­schei­den­de Fra­ge, wo­mit Bay­ern ei­gent­lich droht und wie ein mög­li­cher Al­lein­gang aus­se­hen könn­te, blieb aber auch ges­tern un­be­ant­wor­tet. See­ho­fer hat­te in ei­nem In­ter­view mit der Pas­sau­er Neu­en Pres­se ge­sagt: „Wir wer­den nach Al­ler­hei­li­gen be­ur­tei­len kön­nen, ob Berlin be­reit ist, die baye­ri­sche For­de­rung nach ei­ner Steue­rung und Be­gren­zung der Zu­wan­de­rung zu über­neh­men.“An­geb­lich will See­ho­fer auch nicht mehr aus­schlie­ßen, dass Bay­ern die Gren­ze zu Ös­ter­reich dicht­ma­chen oder Flücht­lin­ge oh­ne Ab­spra­che in an­de­re Bun­des­län­der wei­ter­trans­por­tie­ren könn­te. Ei­ne Be­stä­ti­gung gab es da­für ges­tern nach der Sit­zung des baye­ri­schen Ka­bi­netts nicht.

Der Chef der CSU-Land­tags­frak­ti­on, Tho­mas Kreu­zer (Kempten), sag­te un­se­rer Zei­tung, es müss­ten jetzt „al­le Maß­nah­men er­grif­fen wer­den“. Ne­ben Tran­sit­zo­nen, so Kreu­zer, müs­se ei­ne Rechts­la­ge ge­schaf­fen wer­den, „dass nicht je­der Mensch aus Kriegs­ge­bie­ten un­be­grenz­ten Zu­gang nach Eu­ro­pa hat“.

Kanz­le­rin Mer­kel ließ See­ho­fers Auf­for­de­rung ab­pral­len und mahn­te zu Ge­duld. In der Kri­se las­se sich nicht ein­fach ein Schal­ter um­le­gen. Am Wo­che­n­en­de will sich Mer­kel al­ler­dings mit See­ho­fer und SPDChef Sig­mar Ga­b­ri­el tref­fen, um über die kri­ti­sche La­ge an der Gren­ze zu Ös­ter­reich zu be­ra­ten.

Ös­ter­reichs In­nen­mi­nis­te­rin Jo­han­na Mikl-Leit­ner (ÖVP) sag­te, Deutsch­land ha­be En­de Au­gust als ein­zi­ges Land in Eu­ro­pa ver­kün­det, Sy­rer nicht mehr in an­de­re EU-Län­der zu­rück­zu­schi­cken. „Das hat zu ei­nem Mi­gra­ti­ons­druck ge­führt, wie wir ihn noch nicht er­lebt ha­ben. Die Men­schen wer­den nicht von uns ge­schickt, ge­nau so we­nig wie sie von Slo­we­ni­en nach Ös­ter­reich ge­schickt wer­den. Die Men­schen wol­len nach Deutsch­land, weil sie sich al­le ein­ge­la­den füh­len.“(mit

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