Mit al­len Tricks

Por­trät Charles Ber­nard Eccles­to­ne lenkt seit Jahr­zehn­ten die For­mel 1. Was er an sei­nem 85. Ge­burts­tag ma­chen wird? Ver­mut­lich ar­bei­ten

Donauwoerther Zeitung - - Meinung & Dialog -

Ber­nie Eccles­to­ne be­tritt das Pres­se­zen­trum in Ho­cken­heim. Nein, nicht zum In­ter­view, der Mann sieht nach dem Rech­ten. Er be­gut­ach­tet den Blu­men­schmuck und prüft, ob der Hin­ter­grund für die Fah­rer-In­ter­views passt. Im ge­stärk­ten wei­ßen Hemd und schlich­ter Ho­se eilt der Bri­te durch sein Reich. Charles Ber­nard Eccles­to­ne ist ein Ge­schäfts­füh­rer der al­ten Schu­le. Kei­ner der ir­gend­wo im Lu­xus re­si­diert und die an­de­ren ar­bei­ten lässt. Ber­nie Eccles­to­ne kennt sei­nen PS-Zir­kus in- und aus­wen­dig, er hat die For­mel 1 zu ei­nem welt­wei­ten Spek­ta­kel ge­macht. Über die lang­jäh­ri­ge Zu­sam­men­ar­beit mit Max Mos­ley, dem da­ma­li­gen Chef des Au­to­mo­bil-Welt­ver­ban­des FIA, sag­te der Bri­te einst: „Wir sind nicht so et­was wie die Ma­fia, wir sind die Ma­fia.“

Kom­pro­miss­los, mit al­len Tricks, flei­ßig – so re­giert der ge­schie­de­ne Va­ter zwei­er er­wach­se­ner Töch­ter sein Im­pe­ri­um. Seit Au­gust 2012 ist er mit Fa­bia­na Flo­si ver­hei­ra­tet.

Sei­nen heu­ti­gen 85. Ge­burts­tag hat der Bri­te mit den Töch­tern vor­ge­fei­ert und dürf­te heu­te wohl das tun, was er am liebs­ten macht: ar­bei­ten. Die For­mel 1 kennt Eccles­to­ne aus al­len Per­spek­ti­ven. Beim ei­ge­nen Ver­such, ein Ren­nen zu be­strei­ten, war er 1958 je­weils in der Qua­li­fi­ka­ti­on von Mon­te Car­lo und in Sil­vers­to­ne ge­schei­tert. Als Te­am­chef er­leb­te er bit­te­re Mo­men­te, als sei­ne Pi­lo­ten Stuart Le­wis Evans (1959) und Jo­chen Rindt (1970) töd­lich ver­un­glück­ten. Sei­ne größ­ten Er­fol­ge fei­er­te der 1,59 Me­ter klei­ne Mann als Ge­schäfts­füh­rer. Nach dem Kauf der Wer­be­rech­te 1977 und der TV-Rech­te 1978 mach­te er die Kö­nigs­klas­se zu ei­nem Mil­li­ar­den­ge­schäft, in des­sen Ve­räs­te­lun­gen nur er sich aus­kennt.

Mit Biss und Hu­mor hat der Ge­schäfts­mann al­le Stür­me über­stan­den. In München ist er Haupt­dar­stel­ler ei­nes mo­na­te­lan­gen Pro­zes­ses. Es geht um Be­ste­chung beim Ver­kauf der For­mel 1 im Jahr 2006. Am En­de wird das Ver­fah­ren im Au­gust 2014 ge­gen ei­ne Geld­auf­la­ge von 100 Mil­lio­nen US-Dol­lar ein­ge­stellt, zahl­bar in­ner­halb ei­ner Wo­che. Eccles­to­ne, der 2014 in der Lis­te der reichs­ten Bri­ten mit drei Mil­li­ar­den Eu­ro auf Rang 13 ge­führt wird, über­weist pünkt­lich und meint an­er­ken­nend: „Der Rich­ter hat ei­nen ziem­lich gu­ten Job ge­macht, dass ich so viel zah­len muss­te.“

In­zwi­schen kämpft der PS-Zir­kus mit neu­en Pro­ble­men. In Brüs­sel prüft die EU die Ein­hal­tung des Wett­be­werbs­rechts in der For­mel 1. Und der eins­ti­ge Se­ri­en-Welt­meis­ter Red Bull und sein B-Team To­ro Ros­so dro­hen auf der ver­zwei­fel­ten Su­che nach ei­nem neu­en Mo­to­ren­part­ner mit dem Aus­stieg. Auch von ei­nem mög­li­chen Be­sit­zer­wech­sel – die For­mel 1 ge­hört dem lu­xem­bur­gi­schen Fi­nanz­in­ves­tor CVC – war die Re­de. Aber wer wei­ter­hin die Fä­den in der For­mel 1 in der Hand hält, stand nie zur Dis­po­si­ti­on. Auch über sein Ab­le­ben mach­te sich der „größ­te Fan“von Wla­di­mir Pu­tin be­reits Ge­dan­ken: „Wenn ich mit­ten in ei­nem Grand Prix ster­ben wür­de – kein Pro­blem. Mir wä­re aber lie­ber, wenn es erst nach dem Ziel­ein­lauf pas­siert.“Mi­lan Sako

Foto: afp

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