Kei­ne Ex­tra­ge­büh­ren fürs Han­dy

Te­le­fon Aus­lands­ge­sprä­che sind ab 2017 oh­ne Auf­schlä­ge. Aber es droht ein Zwei-Klas­sen-In­ter­net

Donauwoerther Zeitung - - Wirtschaft - VON DET­LEF DREWES Brüs­sel

Es sind nicht we­ni­ge Eu­ro­pa-Ab­ge­ord­ne­te, die sich an die­sem Di­ens­tag im Straß­bur­ger Plenum ver­schau­kelt füh­len. „Wir sind an­ge­tre­ten, da­mit die Bür­ger güns­ti­ger te­le­fo­nie­ren und im In­ter­net sur­fen kön­nen“, sagt die SPD-Ab­ge­ord­ne­te Kers­tin West­phal. „Die Kom­mis­si­on hat je­doch die Roa­ming-Zu­schlä­ge mit der Netz­neu­tra­li­tät ver­bun­den. Wir las­sen uns nicht er­pres­sen.“Die Lis­te der Nein-Sa­ger ist lang, trotz­dem re­vo­lu­tio­nier­ten die Volks­ver­tre­ter der 28 Mit­glied­staa­ten mit ei­ner deut­li­chen Mehr­heit bei­des: das mo­bi­le Te­le­fo­nie­ren im Aus­land und das In­ter­net. Aber in völ­lig un­ter­schied­li­che Rich­tun­gen.

Da wä­re zu­nächst die gu­te Nach­richt: Zur Rei­se­sai­son 2017 sol­len die Auf­schlä­ge für ab­ge­hen­de und an­kom­men­de Ge­sprä­che, Kurz­mit­tei­lun­gen (SMS) oder mo­bi­les In­ter­net end­gül­tig weg­fal­len. Zu­vor sin­ken die Prei­se am 30. April 2016 noch­mals auf fünf Cent pro Mi­nu­te, zwei Cent pro SMS und fünf Cent pro Me­ga­byte Da­ten­vo­lu­men – plus Mehr­wert­steu­er. Heu­te sind es 19 Cent für ab­ge­hen­de An­ru­fe aus dem EU-Aus­land, sechs Cent pro SMS und 20 Cent pro Me­ga­byte. Die Ver­brau­cher wer­den ent­las­tet.

Doch das Te­le­kom-Pa­ket, das mit der Be­schluss­fas­sung so­fort in Kraft tre­ten kann, wird von der De­bat­te über die Netz­neu­tra­li­tät über­la­gert. Ver­ein­facht ge­sagt geht es um die Fra­ge, ob auch künf­tig das Vi­deo von Ama­zon oder Net­flix ge­nau­so schnell über­tra­gen wird wie ein Strea­m­ing-Mu­sik­dienst oder der pri­va­te Blog der Hob­by­gärt­ner­Run­de. Die In­ter­net-Ge­mein­de bangt um die Exis­tenz des Net­zes in sei­ner heu­ti­gen Form. Da­bei hat sich das EU-Par­la­ment ei­gent­lich ge­gen ein „Zwei-Klas­sen-Netz“aus­ge­spro­chen. „Nie­mand soll sich das Recht er­kau­fen kön­nen, ei­ge­ne Da­ten schnel­ler zu trans­por­tie­ren als an­de­re“, hat­te die Kom­mis­si­on oft be­tont. Und Di­gi­tal-Kom­mis­sar Gün­ther Oet­tin­ger sag­te mehr­fach, selbst Spe­zi­al­diens­te wie Tele­me­di­zin oder TV im In­ter­net dürf­ten an­de­re Nut­zun­gen we­der ver­drän­gen noch aus­brem­sen. „Das Ver­kehrs­ma­nage­ment darf nicht dis­kri­mi­nie­rend sein“, heißt es da­zu in dem Be­schluss.

Doch die Kri­ti­ker fürch­ten, dass sich zah­lungs­kräf­ti­ge An­bie­ter Hin­ter­tü­ren und schwam­mi­ge For­mu­lie­run­gen zu­nut­ze ma­chen könn­ten. Die Dis­kus­si­on dreht sich vor al­lem um den Be­griff der „Spe­zi­al­diens­te“, von dem selbst ein Gut­ach­ten der nord­rhein-west­fä­li­schen Staats­kanz­lei sagt, er las­se „al­les of­fen“. Fällt bei­spiels­wei­se die Te­le­fo­nie via In­ter­net des An­bie­ters Sky­pe dar­un­ter? Oder könn­te ein Kon­zern wie Ama­zon mit den Pro­vi­dern zu­sätz­li­ches Da­ten­vo­lu­men aus­han­deln, da­mit die ei­ge­nen Vi­de­os auf ei­ner Art Über­hol­spur trans­por­tiert wer­den?

„Das wä­re stark wett­be­werbs­ver­zer­rend“, mein­te die me­di­en­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Eu­ro­pa-SPD, Pe­tra Kam­me­re­vert.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.