Jung, dy­na­misch sucht För­de­rer

Kon­junk­tur Beim ers­ten Di­gi­tal-Gip­fel in Pa­ris ver­si­chern sich Deutsch­land und Frank­reich ei­ne en­ge­re Zu­sam­men­ar­beit. Doch wie kön­nen Grün­der bes­ser ge­för­dert wer­den?

Donauwoerther Zeitung - - Wirtschaft | - VON BIR­GIT HOL­ZER Pa­ris

Die Wän­de sind frisch ge­stri­chen und die Bü­ro­räu­me im Erd­ge­schoss wir­ken un­be­wohnt. Bald sol­len sie sich aber mit Schreib­ti­schen und Steh­pul­ten, vi­el­leicht auch Pflan­zen und Pla­ka­ten fül­len. Wenn die Mit­ar­bei­ter aus den obe­ren Eta­gen in den Pau­sen her­un­ter­kom­men, dann um an der Tisch­ten­nis­plat­te ei­nen Aus­gleich von ih­rer Ar­beit vor dem Bild­schirm zu su­chen. Noch bie­tet das Erd­ge­schoss in dem Ge­bäu­de im Her­zen von Pa­ris, un­weit des Kauf­hau­ses Ga­le­ries La­f­ay­et­te, viel Platz.

„Das wird nicht so blei­ben. Wir rech­nen fest da­mit, dass wir wach­sen“, sa­gen Je­an-Da­ni­el Guyot und Da­ni­el Beut­ler. Als Prä­si­dent und Ge­schäfts­füh­rer bil­den sie das fran­zö­sisch-deut­sche Füh­rungs­duo des Start-ups „Ca­pi­tain Train“, das auf sei­ner Web­sei­te oh­ne Wer­bung oder zu­sätz­li­che Kos­ten Bahn­ti­ckets ver­kauft. Be­gan­nen sie zu­nächst mit Part­ner­schaf­ten mit der fran­zö­si­schen SNCF und der Deut­schen Bahn, die ih­re Mo­no­pol­stel­lung für den Ver­kauf von Zug­ti­ckets auf­ge- ben muss­ten, so wei­ten sie sich längst auf Ita­li­en, wei­te­re Län­der in Eu­ro­pa und so­gar an­de­re Kon­ti­nen­te aus. Die Mit­ar­bei­ter­zahl, die im Jahr 2012 noch bei 13 lag, soll bis Jah­res­en­de auf min­des­tens 50 an­stei­gen, der Jah­res­um­satz sich von 6,4 Mil­lio­nen in 2012 mehr als ver­zehn­fa­chen – so ist das Ziel. In der Ka­te­go­rie Start-up schaff­te es „Ca­pi­tain Train“un­ter die Fi­na­lis­ten des Deutsch-Fran­zö­si­schen Wirt­schafts­prei­ses, den die Deut­schFran­zö­si­sche In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer An­fang De­zem­ber in Pa­ris ver­leiht.

Es ge­hört zu je­nen Jung­un­ter­neh­men, die die Chan­cen der di­gi­ta­len Re­vo­lu­ti­on für sich zu nut­zen wis­sen, und zu den Ver­tre­tern ei­ner dy­na­mi­schen Start-up-Sze­ne, die ges­tern an der ers­ten deutsch-fran­zö­si­schen Kon­fe­renz zur „Be­schleu­ni­gung des di­gi­ta­len Wan­dels in der Wirt­schaft“in Pa­ris teil­nah­men.

Eu­ro­pa dür­fe sich bei der di­gi­ta­len Mo­der­ni­sie­rung der In­dus­trie nicht „ab­hän­gen“las­sen, mahn­te Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel. Prä­si­dent und Gast­ge­ber François Hol­lan­de hat­te ne­ben Mer­kel auch EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­anClau­de Juncker und den zu­stän­di­gen Vi­ze­prä­si­den­ten der EU-Kom­mis­si­on, An­drus An­sip, ein­ge­la­den. Be­schlos­sen wur­de in Pa­ris un­ter an­de­rem ein 500-Mil­lio­nen-Eu­ro­Fonds für In­ves­ti­tio­nen in den di­gi­ta­len Sek­tor.

Bei­de Län­der ru­fen die EU-Kom­mis­si­on da­zu auf, ei­nen eu­ro­pa­wei­ten Rechts­rah­men für den ge­mein­sa­men di­gi­ta­len Bin­nen­markt zu er­ar­bei­ten. Im­mer wie­der wird be­män­gelt, dass eu­ro­päi­sche Start-upUn­ter­neh­men ge­gen­über der Kon­kur­renz aus den USA im Nach­teil sind, weil in den USA ein sehr gro­ßer ein­heit­li­cher Bin­nen­markt exis­tiert – in der EU gel­ten da­ge­gen in den 28 Mit­glied­staa­ten un­ter­schied­li­che na­tio­na­le Re­ge­lun­gen.

„Wir ha­ben bei der Ent­wick­lung des In­ter­nets selbst und bei der Ent­wick­lung der Kon­su­men­ten­an­wen­dun­gen nicht im­mer die Na­se vorn, um es vor­sich­tig zu sa­gen“, räum­te Mer­kel ein. Zu ei­nem Zeit­punkt, an dem die tech­no­lo­gi­schen Neue­run­gen auch Ein­gang „in die in­dus­tri­el­le, die wirt­schaft­li­che Welt“fän­den, ge­be es noch ein­mal die Chan­ce, an den nach wie vor star­ken In­dus­trie­stand­or­ten Deutsch­land und Frank­reich „mit­hil­fe der Di­gi­ta­li­sie­rung die Un­ter­neh­men der Zu­kunft zu ma­chen“. Hol­lan­de sag­te, Eu­ro­pa müs­se bei der di­gi­ta­len Wirt­schaft „Vor­rei­ter sein“.

In der deutsch-fran­zö­si­schen Er­klä­rung wird ei­ne stär­ke­re För­de­rung von Zu­kunfts­sek­to­ren wie dem Cloud Com­pu­ting und Big Da­ta ver­ein­bart. Ei­ne deutsch-fran­zö­si­sche Aka­de­mie zur In­dus­trie der Zu­kunft – ei­ne Ko­ope­ra­ti­on der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät München und der Pa­ri­ser Tech­no­lo­gie-Hoch­schu­le In­sti­tut Mi­nes-Tele­com – soll zu­dem ziel­ge­rich­te­te Bil­dungs­an­ge­bo­te im Be­reich di­gi­ta­ler In­no­va­ti­on schaf­fen. Um Start-up-Fir­men zu un­ter­stüt­zen, wur­de ver­ein­bart, die jun­gen Un­ter­neh­men durch steu­er­li­che An­rei­ze und Zu­schüs­se ge­zielt zu för­dern und je­weils bü­ro­kra­ti­sche Hür­den für die In­ter­net-Un­ter­neh­men ab­zu­bau­en. (mit afp)

500 Mil­lio­nen Eu­ro für die Mo­der­ni­sie­rung

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